Elvira Lindo und Rilke: Was die Leute im Sommer lesen

Ein Leser bewertet Elvira Lindos „Yo y el imbécil“ mit einer 8 als Sommerlektüre und einer 6 als Roman. Rilke, Howard und ein Bericht über chronische Schmerzen stechen hervor.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Elvira Lindo und Rilke: Was die Leute im Sommer lesen
Von Elvira Lindo bis Rilke: Was in diesem Sommer gelesen wird

Was liest man, wenn das Handy aus ist und Zeit übrig ist? Die häufigste Antwort dieser Tage ist weder ein Klassiker noch ein aktueller Essay: Es ist Elvira Lindos „Yo y el cenutrio“, ein Buch aus der Schulzeit, das ein Leser im Urlaub wieder hervorgeholt und mit Bravour durchgelesen hat. „Kein großer Klassiker, aber es hat mich unterhalten und zum Lachen gebracht“, fasst er zusammen. Seine Note: eine 8 als Sommerlektüre und eine 6 als normaler Roman.

Der Rest der Leselandschaft, die sich in diesen Tagen abzeichnet, vermischt mitteleuropäische Poesie, Geschichte, wirtschaftswissenschaftliche Essays und viel stückweise Lesen. Rilkes Duineser Elegien gelten als anspruchsvollste Wahl; Robert E. Howard als die populärste; und dicke Wirtschaftswälzer und Wikipedia-Biografien als Grundausstattung derer, die zwischen Benachrichtigungen lesen.

Elvira Lindo und das Buch aus dem Klassenzimmer

Die Wahl Lindos ist kein Zufall. Es ist Kinder- und Jugendliteratur, die den Weg durchs Klassenzimmer überlebt hat und jetzt durch die Hintertür zurückkommt – durch die des erwachsenen Lesers, der sie ohne Hausaufgaben liest. Das Fazit ist ehrlich: viel Unterhaltung, mittlerer literarischer Anspruch. Eine Diagnose, die auf einen Großteil des sommerlichen Kulturkonsums zutrifft, wo das Kriterium nicht Exzellenz ist, sondern die Fähigkeit, mühelos zu fesseln.

Demgegenüber die Liste derer, die mit schwerer Lektüre prahlen: Rilke, Howard, Wirtschaftsessays. Der Abstand zwischen einem Schulbuch und den Duineser Elegien misst gut die Kluft zwischen dem, was gelesen wird, und dem, was zu lesen behauptet wird.

Lesen mit chronischen Schmerzen: Wenn die Konzentration bricht

Der härteste Bericht des Austauschs hat mit Titeln nichts zu tun. Ein Leser erzählt, dass er die Fähigkeit zur Konzentration durch ein angeborenes Nackenproblem verloren hat, das sich verschlimmert hat: „Tinnitus, Konzentrationsschwäche, Schmerzen und ständige Müdigkeit.“ Seine Lektüre heute: kurze Texte, Börsen-Threads und Serien in Häppchen. „Unter normalen Umständen wäre das ein erhebliches Risiko gewesen“, gibt er zum Lesen als Gewohnheit zu.

Es ist kein Einzelfall und keine Sommeranekdote. Chronische Nackenschmerzen und ihre kognitiven Folgen sind eine der stillen Ursachen dafür, dass Menschen das Lesen langer Texte aufgeben – und tauchen in den Statistiken zu Kulturgewohnheiten selten auf. Das Gespräch driftete ganz unbeabsichtigt dorthin: von der Frage, was wir lesen, zu der, warum wir nicht mehr lesen können.

Geschichte, Autobomben und die Zufälle des Wiedersehens

Dazwischen weitet sich das Spektrum. Ein Buch über die Geschichte der Autobombe, ein anderer Leser, der sich vorgenommen hat, alles von Robert E. Howard zu lesen, und ein unerwarteter Gruß an jemanden, der lange nicht mehr aufgetaucht war: „Na so was, das Forum.“ Lesen ist am Ende auch eine Ausrede, um an die Orte zurückzukehren, an denen man früher gelesen hat.

Die Schlussfolgerung, wenn es eine gibt: Niemand liest, was er zu lesen vorgibt. Gelesen wird, was Körper und Zeit erlauben.



Am Ende holt Lindos Buch die 8, und Rilke geht ohne Note aus. Wie fast immer: Es gewinnt, wer zum Lachen bringt.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (17 Antworten).

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