Einwanderer kauft Wohnung mit 1.200€ und löst Debatte aus
Vier Jahre. So lange brauchte ein lateinamerikanischer Einwanderer nach eigener Aussage, um von einem Monatseinkommen von 1.200 Euro zur Unterschrift unter den Kaufpreis einer Wohnung im Großraum Barcelona zu kommen. Sein Rezept, geschildert in einem Leserbrief, den El Periódico veröffentlichte und den er später erweiterte: bei seiner Mutter wohnen, 200 Euro zum Haushalt beitragen, zwischen 300 und 400 Euro privat ausgeben und jeden Monat 600 Euro sparen. Zusammen mit seiner Partnerin, die dasselbe tat, sammelte er genug Geld für die Anzahlung. Die Schlussfolgerung, die er zieht, hat die Diskussion entfacht: „Wenn ich es unter diesen Bedingungen schaffen konnte, kann das jeder junge Einheimische auch, mit Ausnahmen.“
Das Problem ist nicht der Fall selbst. Das Problem ist, was mit diesem Fall bewiesen werden soll. Denn dieselbe Erzählung, die individuelle Anstrengung lobt, versteckt Kleingedrucktes, das der Autor selbst erwähnt, aber kaum jemand wiederholt: Die Grunderwerbsteuer von 10 % verschlang schlagartig alles, was einer der beiden in vier Jahren gespart hatte, und die Maklerprovision traf einen auf einem Markt ohne Angebot wie eine Erpressung. Der Käufer hat also nicht nur gespart: Er zahlte auch eine steuerliche Abgabe und einen Knappheitszuschlag, die nicht von seinem Willen abhängen.
Wie viel braucht man wirklich, um in Spanien eine Wohnung zu kaufen?
Die Berechnung, die in der Analyse dieses Falls kursiert, ist beredt. Wenn er 600 Euro sparte und seine Partnerin einen ähnlichen oder höheren Betrag, akkumulierte der Haushalt zwischen 1.400 und 1.600 Euro pro Monat. In vier Jahren sind das zwischen 67.200 und 76.800 Euro, wobei die Spanne mit einigen Einlagen bis auf fast 80.000 Euro reicht. Mit diesem Kapital würde eine Anzahlung von 20 % für eine Wohnung von etwa 390.000 Euro reichen; realistischer betrachtet deckte sie 40 % des Preises einer Zwei- oder Drei-Zimmer-Wohnung von 200.000 Euro im Speckgürtel ab. Der Rest, eine Hypothek über 35 Jahre.
Darin liegt die Falle der Schlagzeile. Die Anstrengung existiert, aber der Ausgangspunkt ist nicht universell. Während des Sparens bei der Mutter zu wohnen, ist ein Vorteil, den der Autor selbst anerkennt: „Ich hatte das Glück, während des Sparens bei meiner Mutter zu wohnen.“ Nicht alle Migranten können das, räumt er ein. Und fügt hinzu, dass die meisten jungen Einheimischen es könnten, es aber nicht tun, weil sie lieber geteilte Miete zahlen, als ihren Komfort für einige Jahre zurückzustellen. Dieser Satz, mehr als jede Zahl, hat die Gemüter gespalten.
Die gekaufte Wohnung und das Viertel, über das niemand spricht
Der zweite Teil der Geschichte betrifft die Qualität des Gekauften. Der Autor sagt es unverblümt: Es gibt Gebiete am Rand Barcelonas, in denen selbst Migranten ihre Kinder nicht großziehen wollen. Er kaufte in einem dieser Gebiete und zahlt nun 60 % dessen, was er an Miete zahlen würde. Die Verteidigung dieser Wahl ist explizit: alte Wohnung, Arbeitermilieu, aber schlimmer sei es, bis zum 50. Lebensjahr bei den Eltern zu bleiben oder vom Staat eine Wohnung in Bestlage zu erwarten. In den 60er-Jahren, erinnert er sich, lebten dort die Menschen ohne Dramen.
Das Gegenargument ist ebenso direkt. Eine Wohnung ohne Aufzug, aus den 60ern, in einem Viertel mit Nachbarschaftsproblemen, abbezahlt über 35 Jahre, ist kein Triumph: Es ist ein Urteil mit Hypothek. Und das strukturelle Problem dahinter ist, dass Spanien über einen veralteten, schlecht gepflegten und falsch gelegten Wohnungsbestand verfügt, den niemand will, während neues Angebot in begehrten Lagen unerreichbar ist. Junge Einheimische lehnen schlechte Wohnungen nicht aus Laune ab: Sie lehnen einen niedrigeren Lebensstandard als den ihrer Eltern ab, genau das, was der Einwanderer als Verbesserung akzeptiert.
Sparen ist nicht nur eine Frage des Willens
Hier wird die Sache unbequem. Die Erzählung von individueller Anstrengung prallt auf eine Realität, die der Autor selbst auf den Tisch legt: die Grunderwerbsteuer von 10 % und die Maklerprovision. Das sind Kosten, die nicht vom Opfer des Käufers abhängen, sondern von der steuerlichen Gestaltung und der Angebotsknappheit. Auf einem Markt, auf dem gebrauchter Wohnraum zu einem knappen Gut geworden ist, hört die Provision auf, eine Dienstleistung zu sein, und wird zur Abgabe. Der Käufer, der vier Jahre lang 600 Euro im Monat spart, sieht, wie diese Ersparnis in einer Steuer und einem Zuschlag verdampft.
Die Konsequenz ist, dass die Rede von „Wenn ich es konnte, kannst du es auch“ die Variable ignoriert, die sich in zwanzig Jahren am stärksten verändert hat: den Einstiegspreis. Es ist nicht dasselbe, auf einem Markt mit Angebot zu kaufen wie auf einem, wo strukturelle Knappheit jede Transaktion verteuert. Anstrengung bleibt notwendig, aber sie ist nicht mehr ausreichend. Und hier hört der Fall auf, ein Beispiel zu sein, und wird zum Wurfgeschoss.
Erbschaft als versteckte Variable
Es gibt ein drittes Element, das die Erzählung von individueller Anstrengung verdeckt: die Erbschaft. Ein Teil der Analyse behauptet, dass viele Kritiker des Systems eine oder mehrere Immobilien erben werden, und dass dieses zukünftige Polster ihnen erlaubt, eine fordernde Rhetorik ohne echten Druck zu pflegen. Andere antworten, dass Erben mit 60 kein Lebensplan ist und dass die Erbschaft bis dahin durch Steuern oder Pflegekosten geschmälert sein könnte. Die Diskussion darüber, wer das Recht hat, sich zu beschweren, wird so zum Streit darüber, wer das Recht hat zu warten.
Die verwirrende Tatsache ist, dass der Käufer in diesem Fall keine Kinder hat. Seine Botschaft, nüchtern gelesen, lautet nicht „Junge Leute können kaufen“, sondern „Junge Leute können kaufen, wenn sie den Lebensstandard eines kinderlosen Einwanderers akzeptieren“. Das ist das Kleingedruckte, das keine Schlagzeile einfängt, und der Grund, warum die Debatte anhält: Individuelle Anstrengung ist real, aber der Rahmen, der sie ermöglicht, ist nicht für alle derselbe.
Hinweis: Berechnungen zu Ersparnissen, Anzahlung und Hypothek stammen aus Schätzungen, die in der Analyse des Falls verbreitet wurden, und nicht aus offiziellen Daten.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
Die ganze Diskussion lesen (113 Antworten).