Ecommerce für 369.000 € verkaufen: Falle oder Schnäppchen?

Ein COD-Ecommerce mit 369.000 € Umsatz und 8.000 Bestellungen steht zum Verkauf. Misstrauen der Käufer und die Debatte über profitable Onlinegeschäfte.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Ein Ecommerce für 369.000 € zu verkaufen: die Skepsis der Käufer

Ein Ecommerce-Projekt mit Zahlung per Nachnahme (COD) kommt mit einer beeindruckenden Bilanz auf den Markt: 8.122 Bestellungen, 369.000 Euro generierter Gesamtwert und eine Kundebasis von über 2.000. Der Verkäufer legt die Werbekreativen bei, die auf Meta Ads am besten funktioniert haben, und rühmt sich eines durchschnittlichen Bestellwerts von 45 Euro. Die Reaktion der potenziellen Käufer ist sofort und misstrauisch: "manipuliertes EBITDA", "ruinöser Verkauf, nachweisbar". Die Skepsis hat ihre Gründe, vereinfacht aber auch zu sehr.

Die Zahlen, die nicht ganz aufgehen

Das entscheidende Detail ist das Zahlungsmodell: Der Großteil der Bestellungen wurde über das COD-Formular von EasySell generiert, nicht über den üblichen Shopify-Checkout. Das bedeutet, dass der tatsächliche Umsatz nicht von der Plattform geprüft wird und der Käufer nur auf das Wort des Verkäufers bauen kann. Auch wenn die 241.200 Sitzungen und 8.122 Bestellungen überprüfbar sind, bleibt die Nachvollziehbarkeit jedes einzelnen Verkaufs diffus.

Das Sprichwort vom Winzer, der seine Stiefel verkauft

Die skeptische Haltung lässt sich in einem alten Sprichwort zusammenfassen: Wenn der Winzer seine Stiefel verkauft, steht die Ernte schlecht. Auf diesen Fall angewandt: Wer ein Geschäft verkauft, das regelmäßig Geld abwirft, muss verrückt sein oder dringend Liquidität brauchen. Dieselbe Logik gilt für Mietwohnungen mit guter Rendite oder Aktien mit hohen Dividenden: Wenn das Asset gut ist, wird es nicht verkauft.

Das Gegenargument: Auch profitable Unternehmen werden verkauft

Manche halten den Verkauf eines profitablen Geschäfts nicht für ein Zeichen des Scheiterns. Diversifikation, Erschöpfung des Unternehmers oder das Auftauchen einer besseren Gelegenheit führen dazu, dass man auch Funktionierendes abgibt. Eine Wohnung mit stabilem Mieter oder ein Dividendendepot zu verkaufen ist gängige Praxis. Zu verlangen, dass jedes Geschäft zum Verkauf in Ruinen liegt, ist eine verzerrte Sichtweise, die echte Chancen kosten kann.

Der Kern des Problems ist die Informationsasymmetrie: Der Käufer prüft nur, was man ihm zeigt, und beim COD-Ecommerce sind die Schwachstellen schwer zu erkennen. Das Angebot kann ein Schnäppchen oder ein Loch sein, aber weder das automatische Misstrauen noch der Winzer-Spruch beantworten die Frage: Wenn es so viel abwirft, warum verkaufen?

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (17 Antworten).

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