Dostojewski, Quevedo und Borges dominieren Bestenlisten

Klassiker wie Dostojewski und Cervantes prägen persönliche Buchlisten. Die Konvergenz zum Kanon offenbart oft mehr Pose als echten Geschmack.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Dostojewski, Quevedo und Borges dominieren Bestenlisten
Dostojewski und Quevedo beherrschen die Listen der besten Bücher

Fragt man Leser in einem Forum nach den besten Büchern ihres Lebens, erwartet man Vielfalt, einzigartige Vorlieben und Raritäten. Stattdessen erhält man einen Kanon. Dostojewski führt die Wiederholungen an — Der Idiot, Schuld und Sühne, Die Brüder Karamasow — gefolgt von Don Quijote, Quevedos Buscón, Borges und der Göttlichen Komödie. Das Paradox ist subtil: Je intimer eine Liste wirken soll, desto ähnlicher wird sie der des Nachbarn.

Hinzu kommt eine ungeschriebene Regel. Kaum jemand stellt „die zehn besten aller Zeiten“ auf. Man wählt „die, die mich am meisten geprägt haben“. Diese Nuance ist entscheidend: Sie verwandelt ein kritisches Urteil in eine Autobiografie.

Warum sich persönliche Listen immer ähnlicher werden

Die Übereinstimmung ist nahezu einhellig. Ein Leser macht es deutlich: Die Liste ist weder kritisch noch objektiv, sondern das, was man immer wieder empfiehlt und zu dem man immer zurückkehrt. Akzeptiert man diese Regel, wird das Ergebnis kein Podium mehr, sondern eine Biografie. Und dennoch stimmen alle überein.

In den Antworten taucht Dostojewski durch drei verschiedene Türen auf, Quevedo mit El Buscón viermal, und Don Quijote, Borges sowie die Göttliche Komödie sind doppelt vertreten. Wer mit einzigartigem Geschmack prahlt, wiederholt nur den des Nachbarn. Ein anderer Leser wirft die grundlegende Frage auf: Es ist nicht dasselbe, etwas mit 12 oder mit 50 Jahren zu lesen. Manche Listen verweisen auf Schullektüren oder Studienzeit, und dieses Detail verfälscht jeden Vergleich.

Die Liste, die nach Heuchelei riecht: Auch Posing schleicht sich ein

Nicht alles ist literarische Ehrlichkeit. Eine der meistdiskutierten Auswahlen — zugeschrieben einer öffentlichen Figur — beginnt mit Lope de Vegas Sonetten und enthält keinen einzigen weiteren Vers oder Titel vor dem 19. Jahrhundert. Für den Vergleicher war das Gesamtbild befremdlich: Es wirkte wie eine Liste für den guten Schein, nicht wie eine tatsächlich gelesene Auswahl.

Der Verdacht wuchs, als eine frühere Auswahl desselben Verfassers auftauchte, die völlig anders aussah: Kriminalromane und kommerzielle Bestseller. Daher das Urteil eines anderen Lesers: ein „gefälschter 17-Euro-Schein“. Niemand kann beweisen, was jemand gelesen hat, aber das Detail zeigt einen Zeitgeist: Kultur als Schaufenster.

„Der Roman ist überbewertet“: Die, die den Kanon brechen

Gegen den klassischen Konsens richtet sich eine Strömung gegen das Genre selbst. Der Roman sei im Westen überbewertet, so die These, und erfolgreiche Autoren, die zu heiligen Kühen geworden sind, hielten einer Wiederlesung nicht stand. Dies ist ein expliziter Elitarismus, der Essay, Mystik und Traktat — von Guénon bis Proust — verteidigt und den Rest verachtet.

Der Gegenpol bilden Namen, die abwerten. Salinger mit Der Fänger im Roggen löst sogar bei denen Ablehnung aus, die ihn im vermeintlich richtigen Alter lasen. Houellebecq spaltet: Einige verteidigen ihn als unverzichtbar, andere tun ihn als kurzlebige Mode ab.

Von Thermomix bis Mortadelo: Humor als Maßstab

Keine ernsthafte Liste kommt ohne ihren Anteil an Witz aus. Die neun Bände von Mortadelo y Filemón, das Thermomix-Handbuch und das Gesamtwerk von Corín Tellado kandidieren für das Treppchen. Der Scherz korrigiert: Er erinnert daran, dass der Kanon eine Konvention ist und dass es die ehrlichste Form der Respektierung ist, über ihn zu lachen.

Und eine Kuriosität, die den Aufwand rechtfertigt. In der ersten englischen Übersetzung des Don Quijote — Teil eins 1612, vollständig 1620, noch zu Cervantes’ Lebzeiten — wurde Sancho Panzas Sprichwort „Nachts sind alle Katzen grau“ zu and in the night Joan is as good as my lady. Wie die Kanons reisen auch die Sprichwörter und verzerren sich dabei.



Bleibt die unbequeme Tatsache: Leser, die sich für unabhängig halten, wiederholen dieselben Toten. Dostojewski, Quevedo, Borges. Wenn der Geschmack so persönlich ist, warum ist das Ergebnis so konform?

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (117 Antworten).

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