Doppelmord in Sevillaner Gefängnis: Wer zahlt für das Systemversagen?

Ein Insasse mit früherem Tötungsversuch tötet zwei Zellengenossen in der psychiatrischen Anstalt von Sevilla. Debatte um staatliche Haftung.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Doppelmord in der psychiatrischen Haftanstalt: Ist der Staat zivilrechtlich haftbar?

Was ist das Leben eines Gefangenen wert, wenn das Strafvollzugssystem versagt? Am frühen Montagmorgen tötete ein 26-jähriger Häftling mit Vorstrafe wegen versuchten Totschlags seine beiden Zellengenossen im Hospital Psiquiátrico Penitenciario (Psychiatrisches Gefängniskrankenhaus) in Sevilla. Einer wurde erwürgt, der andere erschlagen. Der Angreifer, der sich wegen eines früheren Verbrechens in Untersuchungshaft befand, war nach einer vorangegangenen Schlägerei verlegt worden. Die Fragen häufen sich: Wie konnte es sein, dass ein solches Profil nicht isoliert wurde? Erklären Überbelegung oder Ressourcenmangel das Geschehen?

Ein System, das Muster wiederholt

Dieser Fall ist kein Einzelfall. Im Jahr 2019 würgte ein Insasse mit Schizophrenie seinen Zellengenossen in der psychiatrischen Einheit des Gefängnisses Brians 1 (Barcelona). Eine Richterin ermittelte gegen die Psychiaterin, weil sie den Täter, einen dreifachen Mörder, der glaubte, sein Opfer sei „Satanás“ (Satan), nicht isoliert hatte. In Sevilla hatte der mutmaßliche Totschläger bereits zuvor Vorfälle verursacht. Das Muster ist wiederkehrend: Hochriskante Insassen teilen Zellen mit psychisch kranken Patienten, die diesem Risiko nicht ausgesetzt sein sollten. Offizielle Daten zeigen, dass über 60 % der Patienten in diesen Einrichtungen Morde oder extreme Gewaltverbrechen begangen haben.

Die wirtschaftlichen Kosten der Fahrlässigkeit

Jenseits des Dramas taucht die Rechnung auf. Der Staat ist zivilrechtlich haftbar für Todesfälle, die sich unter seiner Obhut ereignen. Entschädigungen für Todesfälle im Gefängnis liegen laut inoffiziellen Schätzungen zwischen 3.000 und 4.000 Euro pro Opfer. Diese Zahl ist lächerlich im Vergleich zu den Kosten für die Unterbringung eines Gefangenen in einer psychiatrischen Einrichtung: etwa 200 Euro pro Tag und Platz, laut Branchendaten. Aber das eigentliche Loch liegt in möglichen Verurteilungen wegen Fahrlässigkeit. Angehörige der Opfer könnten viel höhere Beträge fordern, wenn sie nachweisen, dass die Verwaltung keine notwendigen Maßnahmen ergriffen hat. Die Frage ist nicht, ob wir zahlen werden, sondern wie viel.

Zwei Einrichtungen für ganz Spanien: Der Flaschenhals

Spanien verfügt nur über zwei psychiatrische Gefängniseinrichtungen: Sevilla (Männer) und Alicante (Männer und Frauen)—obwohl manche drei erwähnen, wenn eine in Katalonien eingerechnet wird. Der Mangel an Plätzen erzwingt Überbelegung und mischt Profile, die getrennt sein sollten. Das Ergebnis ist ein Pulverfass. Gleichzeitig klagen Justizvollzugsbeamte darüber, dass wichtige Entscheidungen von politischen Ämtern getroffen werden, die nie eine Zelle betreten haben, während das Basispersonal jahrelange Erfahrung ansammelt, aber keine Stimme hat. Die Ausgaben für Personal und Ressourcen sind chronisch niedrig, und der Einsatz für Resozialisierung kollidiert mit der Realität unkontrollierter Gefährlichkeit.

Zu diesem Zeitpunkt polarisiert die Debatte: Einige fordern harte Maßnahmen und sofortige Isolierung für gewalttätige Profile; andere erinnern daran, dass psychisch Kranke nicht im Gefängnis, sondern in Gesundheitseinrichtungen sein sollten. Aber niemand bestreitet, dass das spanische Strafvollzugssystem ein Chaos ist, wo salongfähige Menschenrechtsrhetorik auf Mittelknappheit prallt. Und während Berichte von Aufsteigern unterschrieben werden, töten sich Gefangene gegenseitig. Der Steuerzahler, wie immer, bezahlt die Party.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (112 Antworten).

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