Die optische Täuschung, die Ihr Gehirn nicht abschalten kann

Die Silhouette der sich drehenden Tänzerin lässt zwei gleichermaßen gültige Deutungen zu, und das Gehirn wählt eine aus. Die Knie abzudecken oder aus dem Augenwinkel zu schauen hilft beim Wechsel.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Die optische Täuschung, die Ihr Gehirn nicht abschalten kann
Die optische Täuschung, die Ihr Gehirn nicht abschalten kann

Da dreht sich eine schwarze Silhouette einer Frau auf einem Fuß, und so lange man auch hinschaut, sie dreht sich immer in dieselbe Richtung. Bis sie es nicht mehr tut. Die „Spinning Dancer“ – dem japanischen Designer Nobuyuki Kayahara zugeschrieben – ist der meistzitierte Fall einer mehrdeutigen Figur: zwei Deutungen, im und gegen den Uhrzeigersinn, gleichermaßen gültig, und ein Gehirn, das eine auswählt und sich daran klammert, als hinge sein Leben davon ab.

Das Problem ist nicht das Sehvermögen. Es ist, dass es nichts zu sehen gibt. Ohne Schatten, ohne Perspektive, ohne eine einzige Falte, die verrät, welches Bein vorn ist, bietet die flache Silhouette für beide Interpretationen dieselbe Information. Das visuelle System füllt die Lücke und verteidigt dann seine Ausfüllung.

Tricks, die funktionieren – und warum

Am wirksamsten ist es, mit der Hand alles über den Knien abzudecken. Ohne ablenkende Arme und Haare wird der Fuß, der den Boden berührt, zum einzigen Hinweis, und die entgegengesetzte Drehung lässt sich viel leichter vorstellen. Dasselbe gilt für die Schaukel: Nur eines der Gestelle fixieren und entscheiden, dass es dem Betrachter am nächsten ist, genügt, um die Bewegung umzukehren.

Ein anderer Weg ist, aus dem Augenwinkel zu schauen. Das periphere Sehen hat weniger Details, und die Interpretation wechselt leichter. Auch Blinzeln oder einen Sekundenblick wegsehen und genau dann zurückkommen, wenn das angehobene Bein nach vorn schwingt, hilft. Bei der Katze liegt der Punkt der Ambivalenz dort, wo sich das Gesicht mit dem Hinterteil überlappt: Dort entscheidet sich, ob man das Gesicht sieht oder durch den Kopf hindurch – und damit die Drehrichtung.

Manche behaupten, dass Erfahrung hier nichts nützt. Wer täglich mit Bauteilen und Maßen arbeitet, räumt ein, dass Größentäuschungen – die zwei gleichen Linien mit den Müller-Lyer-Pfeilen – durch Übung an Kraft verlieren, aber bei mehrdeutigen Figuren gibt es keinen Fehler zu korrigieren: Beide Deutungen sind richtig, und das Gehirn hat nichts, woran es sich für eine Wahl festhalten könnte.

Die Katze, die nur hin und her schwingt

Nicht alle mehrdeutigen Figuren verhalten sich gleich. Bei der Katze ist das häufigste Ergebnis nicht der vollständige Richtungswechsel, sondern ein Hin und Her: Sie dreht sich nach links und rechts, ohne jemals eine ganze Drehung zu vollenden. Die Silhouette bietet nicht genug Information, um die volle Rotation aufrechtzuerhalten, und das visuelle System pendelt zwischen den beiden Deutungen.

Die Tänzerin dagegen erlaubt den vollen Wechsel, wenn auch mit Mühe. Und es gibt keinen magischen Trick: Die Täuschung lässt sich nicht abschalten, nur verhandeln.



An dieser Stelle stockt die Sache. Man kann dem Auge beibringen, die Deutung zu wechseln, aber nicht, dabei zu bleiben: Sobald die Aufmerksamkeit nachlässt, kehrt das Gehirn zu seiner bevorzugten Version zurück, und die andere verschwindet.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (18 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver