Die Madrider Anschläge von 2004, Marokko und Spaniens PSOE: Verdacht ohne Belege

Kein öffentlicher Beweis verbindet Marokko oder Spaniens PSOE mit den Madrider Zuganschlägen von 2004: Es gibt nur Aussagen, unbestätigte Exklusivmeldungen und ein unbelegtes Zitat.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Die Madrider Anschläge von 2004, Marokko und Spaniens PSOE: Verdacht ohne Belege
Marokko, die 11M-Anschläge und Spaniens PSOE: eine Theorie, die ohne Beweise wächst

Was weiß Marokko über die 11M-Anschläge und Spaniens PSOE? Bis heute: nichts, was belegt ist. Das ist die langweilige Antwort – und zugleich die einzige, die auf Dokumenten beruht. Die andere – die behauptet, der marokkanische Geheimdienst besitze Tonaufnahmen, Papiere und Bankbewegungen, die eine ganze Regierung zu Fall bringen könnten – kursiert seit Jahren und hat bis heute kein einziges überprüfbares Dokument vorgelegt.

Fest steht dagegen dreierlei: die Anschläge vom 11. März 2004 in Madrid, drei Tage vor den Parlamentswahlen; ein Urteil, das das Massaker einer lokalen dschihadistischen Zelle nach Vorbild von Al Qaida zuschrieb, ohne Beteiligung ausländischer Regierungen oder spanischer Parteien; sowie eine Reihe politischer Aussagen und journalistischer Exklusivstorys, die zusammen genommen nie zu einem Beweis geworden sind.

Von Trillo bis Mayor Oreja: wie die Geheimdienst-Hypothese entstand

Der Verdacht hat Paten mit Ausweis. Federico Trillo behauptete, marokkanische Kommandos hätten unter Kontrolle der französischen Geheimdienste gehandelt, und verdichtete die Idee 2007 in einem Satz, der seither immer wieder zitiert wird: „Vom marokkanischen Dienst zu sprechen heißt, von den Franzosen zu sprechen." Er macht aus einer politischen Behauptung ein Gutachten, und von da an ernährt sich die Erzählung selbst, ohne dass es eines Anhangs bedarf.

Das andere Glied ist ein Buch. Eine unbequeme Wahrheit von Jaime Mayor Oreja schildert ein Mittagessen im Jahr 2005 mit dem ehemaligen marokkanischen Innenminister Driss Basri, der ihm angeblich gesagt habe: „Die Logik spricht dafür, dass es unsere Leute waren, aber da ich sie selbst angeworben, ausgebildet und ausgewählt habe, sage ich Ihnen: Sie sind nicht in der Lage, einen so komplexen Anschlag zu verüben." Es ist ein erinnertes Gespräch, ohne Protokoll, ohne Zeugen, ohne Beweiskette. Das reicht für ein Kapitel. Nicht für eine Anklage.

Warum die Theorie jedes Mal wieder auflebt, wenn eine Pegasus-Story erscheint

Weil die Erzählung von neuen Bausteinen lebt und keiner davon das Puzzle je vervollständigt. Der neueste Beitrag spricht von einem angeblichen Stellvertreter des marokkanischen Geheimdienstes und vom Inhalt eines angeblich mit Pegasus, einem kommerziell erhältlichen Überwachungsprogramm, infizierten Telefons des Ministerpräsidenten. Keiner dieser Bausteine wurde unabhängig bestätigt, und, wie ein Teilnehmer der Debatte anmerkt, lebt derjenige, der sie veröffentlicht, genau davon, dass der Tropf nie versiegt.

Darin herrscht Zwietracht, und das ist das Interessanteste an der Sache. Eine Strömung hält dafür, dass Marokko mit dem, was CIA, MI6 oder Mossad bereits wissen, bestens bedient ist und dass der ewige Erpressungsvorwurf ein Stammtischphantom ist. Die andere erklärt alles über das Hasisch der Straße von Gibraltar: Geld, das Institutionen verrottet und die jeweiligen Regierungen an sich gebunden haben soll. Wer diese zweite Version vertritt, räumt mit ungewöhnlicher Ehrlichkeit ein, es sei „eine Meinung ohne Beweise“. Auch die Auflösung von OCON Sur (einer spanischen Polizeieinheit gegen Drogenkriminalität) wird als Zeichen von Unterwerfung zitiert. Eine Verwaltungsentscheidung ist kein Beweis für Erpressung; sie ist höchstens eine gut formulierte Frage.

Das Mantra: „Was schuldet die PSOE Marokko?“

Endlos wiederholt, hat die Frage eine beachtliche Tugend: Sie lässt sich nicht widerlegen. Gibt es keine Antwort, wird sie verschwiegen; gibt es eine, wird gelogen. So wird die Abwesenheit von Beweisen zum Hauptbeweis. Es ist derselbe Mechanismus wie bei dem Zitat, wonach der Vorsitzende Richter des 11M-Prozesses gesagt haben soll, „die Wahrheit über die 11M-Anschläge sei so schrecklich, dass Spanien nicht bereit sei, sie zu erfahren“ – ein Satz, der kursiert, ohne dass je belegt würde, wo, wann und vor wem er gefallen sein soll.

2004: Was die Ergebnisse sagen und was ihnen zugeschrieben wird

Die PSOE gewann die Wahl im März 2004, drei Tage nach dem Massaker. Die Manipulationsthese setzt ab da ein Abkommen zwischen den Tätern des Anschlags und einer spanischen politischen Struktur voraus, das in weniger als einem Wochenende ausgenutzt werden sollte. Von einem solchen Abkommen gibt es nicht eine einzige dokumentarische Spur. Was es gab, war ein nationaler Schock, eine heftig kritisierte Informationspolitik der Vorgängerregierung und ein unpopulärer Krieg – der Irak –, den viele als Grund für die Vergeltung lasen. Selbst das wird bestritten: Manche sehen keinerlei Absicht, eine Wahl zu beeinflussen, sondern nur eine Strafe für die Militärintervention.

Wenn die Fakten stören, werden sie umgeschrieben. Die Dokumente, die tatsächlich auftauchten und die PSOE und José Luis Rodríguez Zapatero mit den Anschlägen in Verbindung brachten, wurden von Faktencheck-Portalen wie Maldita widerlegt: Sie waren Fälschungen. Das Urteil sagt derweil noch immer dasselbe wie am ersten Tag.

Warum fehlende Beweise als Beweis für Vertuschung gelesen werden

Hier liegt der Motor des Ganzen. Eine Theorie, die Dokumente verlangt, stützt sich paradoxerweise auf deren Nichtexistenz: Tauchen keine auf, muss sie jemand verschwinden lassen haben. Diese Schleife verwandelt jedes institutionelle Schweigen in eine Bestätigung und lässt dem Skeptizismus kein Argument, denn das Verlangen nach Papieren gilt als Mittäterschaft. So geht das nun seit zwei Jahrzehnten.

Die Frage aller Fragen bleibt also, wo sie war. Keine Papiere, keine Tonaufnahmen, keine Bank hat gesprochen. Nur ein Verdacht, der mit jeder Exklusivmeldung recycelt wird – und das Unbehagen, dass bis heute niemand das besagte Dokument vorgelegt hat.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (74 Antworten).

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