Verrottetes Fleisch, fermentierte Kartoffeln und Klärgruben: die Gerüche, die niemand vergisst
Es gibt Gerüche, die bleiben wie ein Etikett im Gedächtnis haften, das man nicht loswird. Ein wochenlang defektes Gefrierfach, eine Kartoffel, die unten in einer Schublade vergessen wurde, eine Klärgrube, die im August überläuft. Die Diskussion über die schlimmsten Gerüche, an die man sich erinnert, hat Dutzende Berichte zusammengebracht, die in einer unbequemen Sache übereinstimmen: Nach Angaben mehrerer Teilnehmer riecht der Tod nicht so, wie sich die meisten das vorstellen. Es ist kein Fleisch, das aus dem Kühlschrank geholt wurde. Es sind innere Flüssigkeiten, Gase, aliphatische Diamine, die freigesetzt werden, wenn ein Körper von innen zerfällt.
Die Liste ist lang und vielfältig. Aber es gibt ein Muster. Die Gerüche, an die sich die Menschen am schmerzhaftesten erinnern, sind nicht die intensivsten, sondern diejenigen, die ohne Vorwarnung kamen und tagelang in der Kleidung, in den Haaren, im olfaktorischen Gedächtnis blieben.
Der Geruch von Verwesung ist nicht das, was du denkst
Die am häufigsten gegebene Beschreibung stimmt überein: Der Geruch einer Leiche ähnelt nicht dem eines überfahrenen Tieres auf der Straße. Ein totes Tier am Straßenrand riecht nach verrottendem Fleisch, nach äußerer Verwesung. Ein menschlicher Körper oder ein großes Tier riecht nach etwas anderem: nach inneren Flüssigkeiten, die im Inneren zerfallen, nach Gasen, die sich aufblähen und Druck aufbauen, bis sie platzen und alle auf einmal herauskommen. Es ist ein charakteristischer, unverkennbarer Gestank, den jeder, der ihn einmal gerochen hat, mit nichts verwechselt.
Ein Chemiker bringt es präzise auf den Punkt: Der Geruch des Todes sind aliphatische Diamine. Auch Thiole. Verbindungen, die die menschliche Nase in winzigen Konzentrationen wahrnimmt und die das Gehirn im Ordner „Gefahr" ablegt. Eine Gewöhnung ist nicht möglich. Das Atmungssystem blockiert, der Rachen schließt sich, der Körper verlangt nach Luft und findet keine.
Verrottetes Schweinefleisch nach wochenlangem Einfrieren kommt dem nahe, sagen die, die es erlebt haben. Aber es reicht nicht ganz. Der Geruch einer menschlichen Leiche gehört in eine andere Kategorie.
Kartoffeln, Reis und Eier: die Haushaltsgerüche, die bleiben
Wenn es ein Lebensmittel gibt, das immer wieder auf der Liste auftaucht, dann die Kartoffel. Eine verfaulte Kartoffel ist für viele schlimmer als eine monatelange Leiche. Der süßliche, durchdringende Geruch, anfangs fast süß, dann übelkeitserregend, setzt sich im Kühlschrank fest, und kein Natron hilft dagegen. Eine Reisbox, die zwei Wochen außerhalb des Kühlschranks vergessen wurde, bewirkt etwas Ähnliches: Man öffnet den Deckel und bekommt einen Schlag, der einem die Knie biegt.
Der Hähnchenschenkel, der im Supermarkt-Pack verrottet, ist ein weiterer Klassiker. Eine grünlich-blaue Färbung, ein Geruch aus dem Kühlschrank, dessen Ursprung niemand findet. Man sucht und sucht, und schließlich taucht er auf. Widerlich, aber es gibt Schlimmeres. Faule Eier haben für Hühnerhalter ihre eigene Skala. Der Schwefelwasserstoff, den sie abgeben, ist unverkennbar.
Und dann ist da noch verdorbene Muttermilch. Ein Geruch, der nach Aussage derer, die ihn wahrgenommen haben, überhaupt nicht nach saurer Milch riecht. Es ist etwas anderes. Dichter, organischer, schwerer aus der Nase zu bekommen.
Klärgruben, Tierfabriken und der Sommer, der nicht vergeht
Der Sommer verstärkt alles. Eine Klärgrube, die falsch abgepumpt wird — erst wird die flüssige Fraktion abgesaugt und die fermentierten Feststoffe liegen an der Luft — setzt ein Aroma frei, das den Geruch eines Knoblauchfurzes um das Zehntausendfache übertrifft. Der unerfahrene Fahrer, der die Reihenfolge des Absaugens vertauscht, verurteilt die ganze Nachbarschaft zu einem unerträglichen Nachmittag. Manche sind von Hand in eine verstopfte Grube gestiegen, haben dreißig oder vierzig Kilo Feuchttücher herausgeholt, haben ihr Handy darin verloren und den Arm bis zum Ellbogen hineingesteckt, um es zu bergen. Eine Woche später roch sein Durchfall exakt wie die Grube.
Intensive Hühnerfarmen haben ihre eigene Legende. Der Geruch bleibt in den Haaren, in der Kleidung, in der Haut. Eine Dusche reicht nicht. Die Wäsche muss separat gewaschen werden, und trotzdem bleibt die Erinnerung.
Die im Zuge der BSE-Krise geschlachteten Rinder, die in Becken gelagert und zu Verbrennungsanlagen transportiert wurden, hinterließen einen Geruch, den Betroffene als unauslöschlich beschreiben. Verbranntes menschliches Fleisch, bei einem Arbeitsunfall mit Hochspannung, hat ebenfalls seine eigene olfaktorische Signatur. Nicht der unangenehmste, sagen sie, aber unvergesslich.
Der Geruch, der ohne Vorwarnung kommt
Die schlimmsten Gerüche sind nicht die intensivsten. Es sind die, die kommen, wenn man sie nicht erwartet. Eine Fahne, die jemand einem im Stadion vors Gesicht hält. Der Schweiß eines Fremden in einer voll besetzten U-Bahn zur Rushhour. Der Atem eines Lehrers mit Karies und billigem Wein, der sich in den Mundwinkeln sammelt. Der Intimgeruch einer Ex-Partnerin, den die Antibabypille zu einem medizinischen Problem machte. Der fermentierte Fisch, den ein Gastgeber bei einem Familienessen öffnet, als wäre er eine Delikatesse.
Die Liste ist endlos, und jeder Bericht hat seine eigene Schwelle. Aber es gibt einen stillen Konsens: Der Geruch, an den man sich am meisten erinnert, ist nicht der, der am stärksten stinkt, sondern der, mit dem man nicht gerechnet hat. Der einen unvorbereitet erwischt hat. Der geht nicht mehr weg.
Die Wissenschaft hat eine teilweise Erklärung. Der Riechkolben ist direkt mit der Amygdala und dem Hippocampus verbunden, den Hirnregionen, die Emotionen und Erinnerungen verarbeiten. Deshalb kann ein Geruch einen mit einer Schärfe an einen bestimmten Moment zurückbringen, die kein Foto erreicht. Und deshalb brennen sich unangenehme Gerüche, die das Gehirn mit Gefahr assoziiert, mit unverhältnismäßiger Intensität ein.
Aber die Wissenschaft erklärt nicht, warum eine verfaulte Kartoffel schlimmer sein kann als eine Leiche. Das ist Sache jeder einzelnen Nase. Und jedes einzelnen Sommers.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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