Die Gefährten werden zwanzig und zeigen einen Filmstil, der nicht mehr existiert
Eine Szene fasst das Problem zusammen. Ein Mann mittleren Alters schaut sich Die Gefährten des Rings zwanzig Jahre nach dem Start erneut an und stellt fest: Der Film hat nicht nur gehalten, er ist besser geworden. Nicht aus Nostalgie, sondern durch Kontrast. "Angesichts des aktuellen Zustands audiovisueller Produkte wirkt er noch besser als zuvor, da man spürt, dass so etwas heute nicht mehr gemacht werden könnte", fasst ein Forenkommentar zusammen. Diese Diagnose wiederholt sich in Dutzenden Antworten: Peter Jacksons Trilogie funktioniert als umgekehrter Spiegel dessen, was Mainstream-Kino heute produziert.
Der Konsens über die Qualität ist breit. Die Fotografie, Howard Shores Soundtrack, die Charakterentwicklung, das Ork-Make-up, das besser altert als viel aktuelles CGI, und die Nazgûl, die erschrecken, ohne vollständig gezeigt zu werden. "Die schönsten, furchteinflößendsten und gewalttätigsten Momente der Trilogie passieren in diesem Film", behauptet ein Teilnehmer bezüglich des ersten Teils im Vergleich zu Die zwei Türme und Die Rückkehr des Königs.
Besetzung und Synchronisation: Unbestrittene Stärken
Wenige Risse im Ensemble. Boromirs Entwicklung unter dem Einfluss des Rings wird als Beispiel für eine Figur angeführt, die sich durch Versuchung wandelt, nicht durch Plot-Bequemlichkeit. Manche gestehen, alles im Originalton zu schauen außer dieser Saga: Die deutsche Synchronfassung ist untrennbar mit dem Erlebnis verbunden.
Die am häufigsten erzählte Anekdote betrifft die Premiere. Ein Nutzer erinnert sich daran, am Weihnachtstag des Release-Jahres mit Schulfreunden ins Kino gegangen zu sein, wütend, weil er American Pie 2 sehen wollte, aber zu dem geschleppt wurde, was er "Monster-Nerd-Zeug" nannte. Er ging widerwillig hinein. Er kam verwandelt heraus. "Anfangs wirkte es immer noch wie Nerdkram, mit diesen barfüßigen Zwergen, die alberne Sachen machen, obwohl Bilder und Musik großartig waren", gibt er zu. Die Wandlung geschah während einer konkreten Szene, die er nie ganz beschrieb.
Warum spaltet die Extended Edition?[B/]
Hier bricht der Konsens. Eine Seite verteidigt die hinzugefügten Szenen als notwendig: Sarumans Tod, Faramirs Blick auf den Leichnam seines Bruders im Fluss. Ohne sie verliert die Geschichte Teile.
Das gegnerische Lager ist härter. "Noch eine verdammte Stunde mit langweiligem Füllmaterial strecken, nein. Es verschandelt den Film", urteilt ein Kommentar. Der Anfang, im Kinocut agil, wird in der Extended Version schwerfällig. Der Rat von Elrond wiederholt Szenen, die bereits früher wirkten, und verliert Kraft durch Sättigung.
Unerwartete Wendung: Tolkien, Theosophie und Rosenkranz
Mitten im Thread dreht sich das Gespräch um den Autor. Ein Teilnehmer behauptet, Tolkien sei katholisch gewesen, aber mit "seltsamen zusätzlichen Überzeugungen", und verlinkt einen Blog über Freimaurerei. Ein anderer antwortet, dass seine jugendliche magisch-heidnische Affinität Yeats' und Machens Golden Dawn war, gegen die Tolkien Abneigung hatte. Die Diskussion verheddert sich darin, ob Elben idealisierte Nordmänner, Blavatskys Lemurier oder vor-sündhafte Menschen sind.
Eine auffällige Korrektur kommt, als jemand behauptet, Tom Bombadil sei eine häusliche Erfindung, Christoper Tolkiens Stoffpuppe. Die Antwort erkennt den Fehler an: "Du hattest bessere Daten als ich. Meine Aussage war nicht so solide, wie ich sagte." Die Figur stammt aus einem Gedicht, das 1934 im Oxford Magazine veröffentlicht wurde, bevor Der Hobbit fertiggestellt war. Christopher war zehn Jahre alt.
Die Welt, die den Film drehte, existiert nicht mehr
Der Thread hat einen bitteren Unterton jenseits des Kinos. "Ich sah ihn vor einigen Jahren und weinte fast, nicht wegen des Films, sondern wegen der Veränderung unserer Welt in nur zwei Jahrzehnten", schreibt ein Teilnehmer. Ein anderer führt aus: "Heute wäre es unmöglich, diesen Film genau so zu drehen." Die These, diskutierbar, deutet darauf hin, dass die jüngste Vergangenheit zur Fantasie geworden ist.
Ein Kommentar schließt den Kreis mit unfreiwilliger Ironie: "Eine Welt, in der die Guten aus Norden und Westen kommen, und unter ihnen die Besten blond und sehr weiß sind, angegriffen von einer brutalen Horde dunkler Leute aus Süden und Osten." Die Lesart, vom Autor als Provokation präsentiert, findet in der Stichprobe keine Widerlegung.
Sie findet jedoch anderswo Widerstand. Jemand verteidigt, der Film habe "kein einziges proge Element" und enthalte dennoch starke weibliche Figuren. Das Paradox bleibt in der Luft hängen.
Die irritierende Tatsache ist nicht kinematografisch. Sie ist zeitlich. Der erste Teil erschien 2001. Zwanzig Jahre später sieht die damalige Teenager-Zuschauerschaft ihn neu und erkennt die Welt, die ihn produzierte, nicht wieder. Der Film hält stand. Der Kontext nicht.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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