Die Avantgarde entstand, weil die klassische Musik langweilig geworden war

Komponisten des 20. Jahrhunderts wollten den musikalischen Akademismus brechen, Dissonanz und Geräusch befreien. Entdecken Sie ihre Argumente.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Die Avantgarde-Musik des 20. Jahrhunderts entstand als direkte Reaktion auf das, was ihre Schöpfer als Erschöpfung und Starrheit in den Strukturen der traditionellen klassischen Musik empfanden.

## Die Emanzipation der Dissonanz

Das tonale System, jene Struktur aus Dur- und Molltonleitern, die die westliche Musik jahrhundertelang beherrscht hat, erschien einigen der einflussreichsten Komponisten des 20. Jahrhunderts veraltet. **Arnold Schönberg**, eine Schlüsselfigur, argumentierte, dass das Befolgen der klassischen harmonischen Regeln so sei, als versuche man, ein neues Wörterbuch ausschließlich mit veralteten Wörtern zu erstellen. Er vertrat die „Emanzipation der Dissonanz" und schlug vor, dass Töne, die als „hässlich" oder dissonant galten, dieselbe Freiheit haben sollten wie Konsonanzen. Diese Idee war grundlegend für die Entwicklung der **Zwölftonmusik**, einer Kompositionsmethode, die eine freiere Organisation der zwölf Töne der chromatischen Skala anstrebte.

## Die Befreiung des Geräuschs und die Moderne

Andere Avantgardisten trieben den Bruch noch weiter. **Edgard Varèse** etwa hielt die klassische Musik für zu sehr durch die traditionellen Instrumente des Orchesters eingeschränkt. Für ihn war Musik schlicht „organisierter Klang", und daher sollten die Klänge des modernen Lebens – Sirenen, Fabriken oder sogar die aufkommende Elektronik – in den musikalischen Bereich einbezogen werden. Varèse empfand die ernste Kunst als langweilige und elitäre Übung, die von der Energie und den schrillen Klängen der realen Welt abgeschnitten war.

## Das Konservatorium als Fossil

Die Kritik am Akademismus verschärfte sich mit Figuren wie **Pierre Boulez**. Dieser Komponist, eine der schneidendsten Stimmen der Nachkriegsavantgarde, betrachtete die Konservatorien und musikalischen Strukturen des 19. Jahrhunderts als unbrauchbare Relikte. Seine Haltung war klar: Jeder Musiker, der die neuen ästhetischen Errungenschaften ignorierte, war in der Vergangenheit verhaftet. Für Boulez war es Mitte des 20. Jahrhunderts absurd, die Stile von Komponisten wie **Beethoven** oder **Brahms** nachzuahmen – ebenso absurd wie die Fortschritte in Wissenschaft und Philosophie oder die harte Realität der modernen Welt zu ignorieren. Der Bruch war nicht nur ästhetisch, sondern auch eine Bekräftigung der Gegenwart.

## Gegen den bürgerlichen „guten Geschmack"

Sogar Figuren, die durch verschiedene Stile wanderten, wie **Igor Stravinsky**, zeigten die Notwendigkeit, sich des übermäßigen Feinsinns zu entledigen. Mit Werken wie **Le Sacre du printemps** (Die Frühlingsweihe) zeigte er, dass die westliche Musik sich von der emotionalen Selbstgefälligkeit und dem sogenannten bürgerlichen „guten Geschmack" befreien musste. Sein Ansatz zielte darauf ab, die urgewaltige Kraft von Rhythmus und Perkussion zurückzugewinnen – im Gegensatz zur süßen, vorhersehbaren Melodik der Spätromantik. Die Avantgarde war in vielerlei Hinsicht ein Schrei nach klanglicher Authentizität und künstlerischer Relevanz in einer sich ständig wandelnden Welt.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (4 Antworten).

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