Estás usando un navegador desactualizado. Es posible que no muestre este u otros sitios web correctamente. Debe actualizar o usar un navegador alternativo.
Der spanische Mann und die verlorene Kunst des Stilbewusstseins
Warum der durchschnittliche Spanier sich schwer tut, gut gekleidet zu sein: Jogginganzüge als Uniform, Homophobie als Ausrede und das Vorbild der Großväter.
Warum die meisten Männer in Spanien ohne Planung oder Stilgefühl kleiden
In kaum einem anderen europäischen Land ist es gesellschaftlich akzeptiert, im Jogginganzug ins Büro zu gehen. In Spanien gilt es zudem als rebellischer Akt, darauf hinzuweisen, dass solche Kleidung nicht zusammenpasst. Das Phänomen zeigt sich auf der Straße, nicht in Statistiken: Der Durchschnittsmann kauft planlos, mischt Farben willkürlich und betrachtet jeden, der sich bewusst kleidet, mit Misstrauen. Und was besonders auffällt: Er verteidigt dieses Verhalten.
Gut gekleidet sein – eine verdächtige Gewohnheit
Diskussionen über männlichen Geschmack enden oft bei Vorurteilen. Manche setzen ästhetische Sorgfalt gleichbedeutend mit Gaiität; andere behaupten, Kleidung diene nur dem Schutz vor Kälte. Sprichwörter wie „Wer sich schön macht, muss auch leiden“ dienen als perfekte Ausrede für mangelnde Anstrengung. Im Kern ist das homophobe Argument eine Art, zu sagen, dass sich hübsch machen etwas für „Andere“ sei. Diese mentale Einschränkung erklärt viel von dem, was man auf den Straßen sieht.
Vom Opa im Anzug zum König des Jogginganzugs
Der Generationenvergleich schmerzt. Die Großväter, selbst Bergarbeiter, trugen Hemd, Bundfaltenhose und Schuhe: sauber, kombiniert und würdevoll. Ihre Enkel verwechseln Bequemlichkeit mit Nachlässigkeit. Billiges Fast Fashion, der Allzweck-Jogginganzug und neongelbe Sneaker haben jede Kombination zur Glaubensfrage gemacht. Einige führen dies auf sozialen Druck zurück: Junge Menschen trauen sich heute nicht mehr aus der Rolle zu fallen und kleiden sich wie Klone, ähnlich wie beim Musikgeschmack.
Unter den kuriosesten Analysen findet sich der Vorschlag, sich wie Tarnkleidung an die Umgebung anzupassen: Grau für die Stadt, Grün für das Land, Weiß für Schnee und Erdtöne für die Wüste. Reine Militärlogik. Wer mag, kann es anwenden, aber es ist sinnvoller als die meisten Kleiderschränke.
Andere sehen die Lösung im Secondhand-Markt: Markenkleidung in Charity-Shops zu Schnäppchenpreisen. Ein Designerhemd für fünf Euro mit 50-70 % Rabatt ist das Geheimnis derer, die gut aussehen, ohne pleitezugehen. Der Schlüssel liegt, so betonen sie, nicht am Label, sondern daran, wie sich das Kleidungsstück trägt. Dafür, so heißt es, hilft ein Fitnessstudio mehr als die Geldbörse.
Der Mythos Amsterdam und die spanische Ausnahme
Der Vergleich mit Europa entkräftet sich selbst. Holland, so berichten Kenner, ist Low-Cost und Flohmarkt; die Niederlande tragen ihre schlechte Kleidung völlig natürlich. Kopenhagen hingegen beschämt halb Europa. In Spanien gelten San Sebastián und Santander als Ausnahmen, kurioserweise die Städte mit dem größten französischen Einfluss. Abgesehen davon sind sie der Inbegriff des schlechten Geschmacks.
Der Kontrast zeigt sich bei jungen Paaren: Sie kombinieren Accessoires und Trends; er geht im T-Shirt, Shorts und Jogginghose raus. Es ist kein Geldproblem. Auch in Luxemburg, mit hohem Einkommen, tritt dieses Phänomen bei denen auf, die nicht ins Büro müssen.
Die ungeschriebenen (und günstigen) Regeln gegen schlechten Stil
Das Handbuch existiert und ist simpel: Maximal drei Farben, saubere Schuhe, Jeans oder Chinos, Langarmhemd oder Polo. Niemals Fußball-Trikot mit Jogginghose. Man muss nicht viel ausgeben: Zwei oder drei unifarbene Teile im Sale lösen das Problem. Schwierig ist nicht das Kombinieren lernen, sondern das Wollen.
Solange die offene Rechnung des spanischen Mannes darin besteht, sich vorurteilsfrei im Spiegel zu betrachten, werden die Straßen voller bequemer, aber schlecht gekleideter Menschen bleiben. Kann man Mann sein, elegant wirken und trotzdem unauffällig? Die Analyse sagt ja. Die Diskussion jedoch bleibt im letzten Jahrhundert stecken.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
Die ganze Diskussion lesen (223 Antworten).