Der Hoax, der die Kettenreaktion leugnet und längst seinen Club hat
Eine grobe Überschlagsrechnung, ein Uran-Kern von 7,4 Femtometern und eine Schlussfolgerung, die sich von selbst schreibt: Die Kettenreaktion sei unmöglich. So beginnt die These, die derzeit in Foren und Messaging-Gruppen kursiert: Little Boy und Fat Man seien nicht durch Kernspaltung explodiert, Hiroshima und Nagasaki seien ebenso abgebrannt wie Tokio durch Phosphorbomben, und der sogenannte nukleare Club sei eine Lüge, die sich die Großmächte gegenseitig zuspielen. Dass die Diskussion ausgerechnet im Nachklang offizieller Erzählungen stattfindet, ist kein Zufall.
Das zentrale Argument ist geometrisch. Man setzt ein Neutron ins Zentrum eines Brennstabs von 1,5 Metern Länge und 0,5 Zentimetern Radius, berechnet den Raumwinkel, den jeder Kern in jeder Entfernung bietet, und gelangt zu einer Trefferwahrscheinlichkeit von 1,65 % bei einer Anreicherung von 5 %. Bei 100 % U-235 steigt die Zahl auf 33 %. Bei den 15 % einer Bombe auf 5–6 %. Noch weit, so die Behauptung, von der Selbsterhaltung.
Von Fermi bis Byrnes: die Kette der Verdächtigungen
Die Erzählung bleibt nicht beim Brennstab. Sie geht zurück auf 1942 und bestreitet, dass Fermi eine selbsterhaltende Reaktion nachgewiesen habe. James F. Byrnes, Senator und späterer Außenminister, wird zitiert, um zu behaupten, der Senat habe im März 1945 gehört, es gebe zwar Material, aber keine Möglichkeit, es zur Explosion zu bringen. Dazu kommt das Polonium-Beryllium von Fat Man als angebliche Neutronenkanone, die nach dieser Version ebenfalls nicht gereicht hätte.
Ein Detail sollte man nicht verlieren: Der Text selbst räumt ein, dass Byrnes' exakter Satz in zugänglichen Quellen nicht dokumentiert ist. Das heißt, das Kernstück der Erzählung stützt sich auf eine Zuschreibung, die ihr eigener Verfasser nicht belegen kann. Der Rest ist Syllogismus: Ist die Wahrscheinlichkeit niedrig, gibt es die Bombe nicht; gibt es die Bombe nicht, wurde die Geopolitik des letzten Jahrhunderts auf einer Kulisse aufgebaut.
Der Pilz ist nicht nuklear und andere Ersatzerklärungen
Die Frage, die über dem Gespräch schwebt, betrifft die Megatonnentests. Könnten sie chemisch gewesen sein? Die angebotene Antwort lautet: Ja. Extrem starke Sprengstoffe, mit ihrem entsprechenden Pilz – der Pilz ist keine exklusive Domäne des Nuklearen – und einer Ladung radioaktiven Kontaminationsmaterials, um den Schwindel zu vervollständigen. Die Bombe nur vorzutäuschen, sei dasselbe, als hätte man sie.
Das Problem dieser Hypothese ist die Größenordnung, nicht die Fantasie. Eine chemische Explosion von mehreren Megatonnen erforderte eine Logistik und eine Materialmenge, die keine Fotografie atmosphärischer Tests andeutet. Aber das Argument muss nicht wahr sein, um zu funktionieren: Es genügt, dass es für jemanden schwer zu widerlegen ist, der die Daten nicht prüfen wird.
Die Ausbreitung des Hoax: vom Uran zu Einstein
Das Gespräch driftet, wie so oft, in weitere Territorien. Le Sage und seine Gravitation durch Teilchenaufprall taucht auf, die Formel E=mc² wird einem italienischen Ingenieur namens Olinto di Pretto zugeschrieben, und Einstein wird beschuldigt, sie kopiert zu haben. Der gentleman scientist wird gegen die subventionierte Wissenschaft ins Feld geführt. Und übergangslos schleicht sich die Klimaleugnung als Beispiel für eine mediengerechte Erzählung ein.
Das ist das Muster, das man im Blick behalten sollte: ein scheinbar rigoroser technischer Kern – hier die Berechnung des Raumwinkels –, an den sich Schichten von Misstrauen anlagern, bis das Ganze nicht mehr von der Physik getragen wird, sondern vom Misstrauen. Die Schlussfolgerung ist kein experimentelles Ergebnis, sondern eine sarracena Haltung: Wenn man mich hierin betrügt, betrügt man mich in allem.
Kann man eine Atombombe fälschen?
Der häufigste Einwand ist das Fehlen einer öffentlichen, überprüfbaren Demonstration. Niemand hat eine Atombombe in Aktion gesehen, und die Tests der Mitte des 20. Jahrhunderts sind nur durch Filmaufnahmen und Messungen bekannt. Dieser Abstand zwischen Fakt und Zeugnis ist die Lücke, durch die der Skeptizismus eintritt.
Dagegen steht das Anreizargument: Ein Betrug dieses Ausmaßes hätte die dauerhafte Komplizenschaft von Dutzenden Ländern, rivalisierenden Geheimdiensten und Prüforganisationen über acht Jahrzehnte erfordert. Die Geschichte der Nachrichtendienste zeigt das Gegenteil: Große Geheimnisse fliegen auf, und die aufgedeckten decken sich selten mit der offiziellen Version. Kein Überläufer hat je erzählt, die Bombe sei eine Kulisse gewesen.
Der Schluss, der nicht schließt
Bleibt die verblüffende Zahl. Dieselbe Rechnung, die die Kernspaltung leugnet, ergibt, dass eine Kugel mit 37,5 Zentimetern Radius mehr Uran enthielte als die kritische Masse einer Bombe, rund 61 Kilogramm – und dass es trotzdem keine Reaktion gäbe. Das heißt: Dieselbe Übung, die die Waffe zerlegt, beschreibt einen Reaktor, der nach diesen Zahlen ebenfalls nicht funktionieren dürfte. Und doch gibt es laufende Reaktoren, Schiffe, die mit ihnen fahren, und monatlich bezahlte Rechnungen für angereichertes Uran.
Das Gespräch endet, wie zu erwarten, mit einem Abschied über die Schulter und der Gewissheit, gesehen zu haben, was niemand sonst sieht. Eine Widerlegung ist nicht möglich, wenn die Meinungsverschiedenheit nicht in den Zahlen liegt, sondern im Vertrauen auf den, der sie liefert. Und da hilft die Physik nicht mehr.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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