Der Euro steuert auf eine Abwertung zu, die bereits an der Supermarktkasse spürbar ist
Der Euro hat in fünf Jahren etwas mehr als 20 % seiner Kaufkraft verloren. Das ist die Zahl, die sich hinter dem weitverbreiteten Gefühl verbirgt, dass alles teurer geworden ist – und der Ausgangspunkt einer Diskussion, die in den letzten Tagen vom Klagelied am Esstisch zur Rechnung mit Zahlen geworden ist: harmonisierter VPI des Euroraums von 2,6 % in 2021, 8,4 % in 2022, 5,4 % in 2023, 2,4 % in 2024 und rund 2 % in 2025. Kumuliert mehr als 20 %. Das entspricht einem Verlust von fast 18 % Kaufkraft. Das schlechteste Fünfjahresintervall seit Bestehen der Gemeinschaftswährung.
Die These, die die Analyse begleitet, lautet: Das ist erst der Anfang. Was kommt, ist eine sehr bedeutende Währungsabwertung in Europa, mit einer EZB, die massenhaft Geld druckt, und Staaten, die die Schulden, die sie zur Bewältigung der Krisen von 2008 und 2020 aufgenommen haben, in Raten über die Inflation abbezahlen. Die Frage ist nicht, ob es weitere Abwertung geben wird. Sondern wie viel, wie und um welchen Preis.
Der VPI, der nicht zum Warenkorb passt
Die erste Front ist die statistische. Manche behaupten, der VPI messe nicht die echte Inflation, sondern verschönere sie. Das Argument: Der Warenkorb des spanischen Statistikamts (INE) spiegelt nicht wider, wohin das Geld einer Familie tatsächlich fließt, denn Wohnen wiegt im echten Leben viel schwerer als im Index. Würde man dieses Gewicht korrigieren, läge der kumulierte Wert nicht bei 20 %, sondern deutlich höher. Die Zahl, die in der aggressivsten Analyse kursiert, spricht von mindestens 40 % in fünf Jahren.
Dazu kommt der Steuereffekt. Die Tarife der spanischen Einkommensteuer (IRPF) wurden über ein Jahrzehnt lang nicht an die Inflation angepasst, sodass wer keine Gehaltserhöhung gesehen hat, real rund 30 % weniger bezieht – und wer eine Steigerung entsprechend dem offiziellen VPI erhalten hat – ein Plus von 30 % –, liegt wegen des Pogre fast 15 % im Minus. Die Inflation verteuert in diesem Szenario nicht nur das Leben: Sie erhöht auch die Steuerlast, ohne dass irgendjemand etwas dafür abgestimmt hat.
Der Kontrast zur offiziellen Zahl ist der Kern der Sache. Die Preise einiger konkreter Produkte – Olivenöl, Eier, Schokolade, Wohnen – sind weit stärker gestiegen als der Durchschnitt, und sie fallen am stärksten auf. Die Statistik sagt das eine; der Wagen beim Einkaufen sagt das andere. Und das zweite muss man bezahlen.
Warum die EZB die Zinsen nicht so weit anheben kann, wie sie sollte
Die zweite Front ist die monetäre. Das orthodoxe Rezept ist klar: Die Druckerpresse anhalten und die Zinsen erhöhen. Es wird argumentiert, sie hätten längst bei 3,5 % liegen müssen. Aber es gibt ein grundsätzliches Problem, das schonungslos auf den Tisch gebracht wird: Frankreich ist faktisch zahlungsunfähig, und der einzige Weg, der der EU bleibt, ist, dass die EZB Staatsanleihen aufkauft – was mehr Inflation und mehr Elend bedeutet.
Das Dilemma hat zwei Seiten. Eine Abwertung des Euro würde die Exporte verbessern, würde sie aber über die Kosten der importierten Energie zunichtemachen. Und am Horizont ist ein Zerfallsszenario nicht ausgeschlossen: Frankreich und Deutschland steigen aus dem Euro aus und kehren zu Franc und D-Mark zurück, während der Rest auf ein argentinisches Schicksal zusteuert. Dazwischen Menschen, die mehr Schulden für mehr Staatsausgaben fordern.
Die Diagnose, die sich durchsetzt, ist die der Stagflation: hohe Inflation bei totalem Wachstum. Und die Warnung, dass der Handel den Bach runtergeht, wenn die Zinsen noch etwas steigen. Die Wirtschaft, so heißt es, sei tot.
Gold, Bitcoin oder spanische Schatzwechsel: wie man sich schützt
Die praktische Frage lässt nicht lange auf sich warten: Wie schützt man sich? Die am häufigsten genannte Antwort ist Gold, und eine Zahl wird angeführt: Die Unze in Euro ist von rund 1.500 Euro in 2021 auf mehr als das Doppelte gestiegen. Aber eine Einschränkung ist angebracht: In diesen Jahren ist Gold auch in Dollar, Schweizer Franken und Yen stark gestiegen – wegen der massiven Käufe der Notenbanken und der Nachfrage nach einem sicheren Hafen. Es liegt also nicht nur am Euro.
Bitcoin erscheint als das andere Bein der Absicherung, mit der These, dass Europa dollarisiert wird und der Plan der USA von Anfang an war, dass die europäischen Sparer deren Inflation bezahlen. Das angeführte Beispiel sind die Türkei und Argentinien: Die nächsten, die die Inflationsensinflation schlucken müssten, wären Europa und Japan.
Die nüchternste Version verweist auf das, was jedes Handbuch empfiehlt: das Sicherheitspolster in spanischen Schatzwechseln (Letras del Tesoro), verzinsten Konten oder Geldmarktfonds, und für die lange Frist weltweit diversifizierte Aktien. Da sie über viele Währungen verteilt ist, deckt sie einen Teil des Risikos ab, falls der Euro fällt. Nichts davon ist Anlageberatung, aber es ist das, was es gibt.
Die Rechnung, die aus dem Konzept bringt: Geldmenge gegen VPI
Es gibt eine Zahl, die sich in die Diskussion eingeschlichen hat und den Rahmen verändert. Die Geldmenge M3 des Euroraums stieg von rund 13,4 Billionen Ende 2019 auf etwas mehr als 16 Billionen. Das ist eine monetäre Ausweitung von rund 20 % im selben Zeitraum. Die unbequeme Frage lautet: Wenn der VPI kumuliert 20 % und die Geldmenge 20 % beträgt, wo ist dann die Abwertung von 50 %, die manche im Supermarkt sehen?
Die Antwort: Das Gefühl ist keine Zahl, aber es ist auch keine Fantasie. Der Euro gegenüber dem Dollar ist nicht um 50 % gefallen, und wer das behauptet, irrt sich. Aber die Kaufkraft ist tatsächlich um 18 % gesunken, und das ist enorm. Die Diskussion dreht sich im Kern nicht darum, ob es eine Abwertung gibt. Sondern um ihr Ausmaß und ihr Tempo.
Die Frage, die in der Luft bleibt und die niemand so richtig beantwortet: Wenn die Abwertung schon da ist, wenn die kumulierten 20 % nur der Appetithappen sind, wie lange dauert es noch, bis die europäischen Ersparnisse zur nächsten Anpassungsgröße werden?
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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