Ich warte immer noch darauf, dass jemand erklärt, wie 10.000 russische Marineinfanteristen nach Katalonien gelangen könnten
Die Frage ist nicht rhetorisch. Ein Land mit NATO-Basen auf seinem Territorium, mit dem atlantischen Apparat, der sich von der Iberischen Halbinsel bis nach Polen und in die Türkei erstreckt, und mit voll funktionsfähigen Grenz-, Zoll- und Geheimdiensten. Wie schleicht sich eine Landungstruppe von zehntausend Mann mit ihrer Bewaffnung und Munition hinein, ohne dass jemand auch nur mit der Wimper zuckt? Das Szenario kursiert schon seit geraumer Zeit und es fehlt eine Antwort, die einer minimalen logistischen Analyse standhält.
Das Erste, was auffällt, ist das Ausmaß. Eine komplette Division reist nicht in Transportern. Sie benötigt Schiffe, Transportflugzeuge, Züge, Treibstoff, Ersatzteile, Verpflegung für Wochen und eine Befehlskette, die man nicht improvisieren kann. Und das alles in einem Territorium, in dem jeder Hafen, jeder Flughafen und jeder Bahnhof unter der Aufsicht eines NATO-Mitgliedstaates steht. Es ist kein Problem des politischen Willens. Es ist ein Problem der Physik.
Das Argument der irregulären Migration als Beweis für die Durchlässigkeit
Die am häufigsten wiederholte Argumentation ist der Kontrast: Wenn jedes Jahr zehntausende Menschen ohne Papiere einreisen, wenn Tonnen von illegalen Substanzen ankommen und wenn jeder mit etwas Geduld eine Schusswaffe kaufen kann, warum sollten dann nicht auch zehntausend Soldaten einreisen können? Das Syllogismus hat seinen Reiz, verwechselt aber zwei sehr unterschiedliche Dinge. Eine einzelne Person ohne Ausrüstung kann eine Grenze an einem unbewachten Übergang überqueren. Ein Bataillon mit Fahrzeugen, schweren Waffen und Vorräten benötigt Infrastruktur, und Infrastruktur hinterlässt Spuren.
Einige behaupten, der Vergleich sei aus einem anderen Grund unlauter: Migranten, die in kleinen Booten ankommen, werden fast alle identifiziert und registriert, und einige werden zurückgeschickt oder unter Beobachtung gestellt. Das heißt, das System funktioniert bei einem hohen Volumen an verstreuten Personen. Zehntausend Männer in Formation, mit militärischer Ausrüstung, sind kein verstreutes Volumen. Sie sind ein Konvoi.
Das reale Präzedenzfall: der Waffenkauf der Generalitat
Die Debatte entsteht nicht aus dem Nichts. Im Jahr 2017 versuchte die Generalitat de Catalunya (die Regionalregierung von Katalonien) Munition und Kriegswaffen zu kaufen – Sturmgewehre, Submaschinenpistolen und Präzisionsgewehre –, was vom Verteidigungsministerium aufgrund der hohen Stückzahl gestoppt wurde, die weit über das hinausging, was für eine regionale Polizeikraft logisch wäre. Dieses Ereignis ist der harte Fakt, der alle nachfolgenden Theorien nährt.
Von da an schoss die Spekulation hoch. Ob es die Wagner-Söldner sind, der Hafen von Barcelona, ein Fußballverein als Tarnung oder sogar verkleidet als *castellers* (traditionelle katalanische Menschenpyramiden). Die Fantasie kennt keine Grenzen, wenn Fakten fehlen. Was jedoch Grenzen hat, ist die Fähigkeit, eine Streitmacht dieser Größenordnung zu bewegen, ohne dass der alliierte Geheimdienst die Bewegung entdeckt. Und genau hier geht der Erzählung der Sprit aus.
Das Kriegsszenario, das einige als einzigen möglichen Weg ansehen
Die ernsthafteste Hypothese spricht nicht von stiller Infiltration, sondern von einem vorangegangenen Szenario eines offenen Konflikts. Wenn Katalonien die Unabhängigkeit durch vollendete Tatsachen erklärt hätte und es zu einer bewaffneten Auseinandersetzung mit dem Staat gekommen wäre, dann wäre russische Unterstützung mit Männern und Material vorstellbar. Aber das wäre dann keine verdeckte Operation mehr. Es wäre eine militärische Intervention vor aller Augen, mit allen diplomatischen und militärischen Konsequenzen, die dies impliziert.
In diesem Rahmen ändert sich die Natur der Diskussion. Es geht nicht mehr darum, wie man zehntausend Mann einschleust, ohne dass es jemand merkt, sondern ob Russland bereit wäre, sie zu schicken, wenn der Konflikt bereits im Gange ist. Und da gehen die Meinungen auseinander zwischen denen, die glauben, dass Moskau niemals diesen Schritt wagen würde, und denen, die denken, dass in einem Krieg alles möglich ist.
Was die Erzählung nicht schließt: die Logistikkette
Der Punkt, den bisher niemand gelöst hat, ist der langweiligste von allen: die Logistik. Um zehntausend Marineinfanteristen zu bewegen, braucht man Landungsschiffe, strategische Transportflugzeuge, Begleitschiffe, Luftunterstützung und einen fortgeschrittenen Operationsstützpunkt. Nichts davon lässt sich im Kofferraum verstecken. Und nichts davon bleibt unbemerkt für die Satelliten und Geheimdienste, die seit Jahrzehnten jede russische Bewegung überwachen.
Die Schlussfolgerung, die sich aufdrängt, ist für alle Seiten unangenehm. Für diejenigen, die an eine verdeckte Operation glauben, weil es keine materielle Möglichkeit gibt, sie auszuführen. Für diejenigen, die sie strikt ablehnen, weil der Versuch des Waffenkaufs im Jahr 2017 existierte und dokumentiert ist. Und für diejenigen, die glauben, dass alles ein Konstrukt ist, denn dann müsste man erklären, warum die russische Botschaft selbst auf die Informationen mit einer Nachricht in den sozialen Medien reagierte, die, anstatt sie zu dementieren, das Feuer nur noch weiter schürte.
Also warten wir weiter. Zehntausend Mann, ihre Gewehre, ihre Munition, ihr Essen und ihre Befehlskette. Ein Land mit NATO-Basen in der Mitte. Und eine Erklärung, die nicht in einem kleinen Boot ankommt.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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