De Pradas Kolumne imitiert die Sprache des Internets

Juan Manuel de Prada kritisiert Gender-Ideologie und Agenda 2030 in einer Kolumne, deren Stil viele als typisch für das Internet empfinden.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

De Pradas Kolumne imitiert die Sprache des Internets
De Prada schreibt wie das Netz – und das Netz antwortet

Die letzte Kolumne von Juan Manuel de Prada wurde nicht gelesen, sondern geteilt. Als Bild über soziale Medien verbreitet, durchlief sie die digitale Debatte wie eine bewusste Provokation und hinterließ zwiespältige Reaktionen. Einige applaudieren ihm dafür, dass er laut ausspreche, was sich andere nicht trauten zu sagen. Andere werfen ihm vor, den Jargon des Internets kopiert zu haben. Mitten im Streit entstand unbeabsichtigt ein kurzer Exkurs zum spanischen Verb coger. Der Text versteht sich als Frontalangriff auf die politische Korrektheit und das, was der Autor das „Credo“ unserer Zeit nennt.

Was sagt die Kolumne, die die Kontroverse entfachte?

Der Text attackiert jene, die laut dem Autor die sogenannte Gender-Ideologie „aus Angst vor coger“ vertreten – ein Wortspiel mit dem doppelten Sinn dieses Verbs in Spanien. Darauf aufbauend zeichnet er ein kompromissloses Bild der Frauen, denen er diese Haltung zuschreibt, und schließt mit einer Idee, die den Ton zusammenfasst: „Körper (und Seelen) bleiben ohne Gentherapien gesünder.“ Es ist keine Kolumne, die Nuancen sucht, und will dies auch nicht.

Neben dem Artikel kursierte zudem eine These, die die Agenda 2030 als Katechismus einer neuen Weltordnung darstellt, der sich große Unternehmen und Institutionen unterworfen hätten. Dieser Rahmen, der globalistische Verdacht, dient vielen Reaktionen als Hintergrund.

Warum wird dem Autor vorgeworfen, wie das Internet zu schreiben?

Weil Vokabular, Rhythmus und sogar die Art der Beleidigung eher an digitale Konversationen erinnern als an Feuilleton-Prosa. Ein Teil des Publikums sagte es unverblümt: Der Autor ahme nur Wendungen nach, die seit Jahren im Umlauf sind, und tue dies besser als ihre Erfinder. Der Vorwurf hat Substanz, denn er macht den Kolumnisten zum Meisterschüler dessen, was er verachten vorgibt.

Gegen diese Lesart verteidigt eine andere Strömung das Gegenteil: Der Autor beherrsche eine archaische, persönliche Sprache, fernab digitaler Jargons, und schulde seinen Stil niemandem. In diesem Sinne wurde er mit Quevedo verglichen, dem man den Titel Meister gab, während der Kolumnist als Lehrling galt, und auf Augenhöhe mit Chesterton gestellt. Der Clash zwischen beiden Deutungen ist eigentlich das Herzstück der Diskussion.

Warum irritiert 'coger el autobús' in Mexiko?

Weil „coger“ in Spanien „nehmen“ bedeutet, aber in weiten Teilen Hispanoamerikas dieses Verb sens konnotiert ist. In Mexiko-Stadt sagt niemand „coger el autobús“, sondern „tomar“. Die Anekdote, die jeder Reisende kennt, diente dazu, eine linguistische Landkarte voller Fallen zu zeichnen.

Zum Ursprung werden verschiedene Erklärungen diskutiert. Eine besagt, dass sich „coger“ mit diesem Doppeldeutigkeitscharakter in Regionen festigte, wo Viehzucht vor Landwirtschaft dominierte, was zur Nutzungslandkarte passen würde. Eine andere betrachtet chingar, das mexikanische Äquivalent, dessen Herkunft auf einen romanischen Begriff zurückgehen soll, der „kämpfen“ bedeutet. Und man erinnert daran, dass auch das deutsche „nehmen“ vulgäre Bedeutungen zulässt. Selbst das klassische Kastilisch hat seine Ecken: die „bicha“, jene Schlange, die man erwähnt, aber nicht fängt.

Lob der Provokation und Vorwurf der Vulgarität

Die Reaktion spaltete sich in zwei Lager. Wer den Autor schätzt, hebt seinen Mut in einer Zeit hervor, die er als mittelmäßig und feige empfindet, und feiert, dass er sich riskiert, selbst in einer Zeitung, die Kritiker spöttisch als „globalistisch und rot“ bezeichnen. Für dieses Lager ist die Entgleisung eine Tugend: Sie bedeutet, sich nicht dem Konsens zu beugen.

Das andere Lager sieht darin keine Kühnheit, sondern gratuite ordinärheit. Man findet, dass ein Schriftsteller, der klassischen Stil pflegt, nicht zu solchen Übertreibungen greifen sollte, schon gar nicht zu einer Vulgarität, die im aktuellen öffentlichen Diskurs ihresgleichen suche. Die aufgezeigte Paradoxie ist subtil: Ein Text, der die politische Korrektheit angreift, ähnelt am Ende allzu sehr dem Feind, den er beschreibt.

Mit diesen Zutaten ist es wahrscheinlich, dass sich das Muster wiederholt. Provokieren, geteilt und debattiert werden wegen des Stils mehr als wegen der These. Wenn der Witz abgenutzt ist und nicht mehr neu klingt, muss entschieden werden, ob man weiterhin zum Internet spricht oder nur noch für Papier schreibt. Die Neigung zur Entgleisung hat sich für den Autor vorerst ausgezahlt.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (146 Antworten).

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