Das Rätsel der Mönche, die beim Meditieren sterben, ohne umzufallen

Das tibetische Tukdam rätseln lässt Ärzte und Mönche: Körper, die nach dem Tod in der Meditation weder umfallen noch verwesen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Das Rätsel der Mönche, die im Lotussitz sterben, ohne umzufallen

Das Jahr 1225, ein Dorf in China: Myozen, der direkte Lehrer von Dōgen, stirbt während der Zazen-Praxis. Der Körper fällt nicht um. Acht Jahrhunderte später gibt es für das Phänomen immer noch keine schlüssige medizinische Erklärung, und es rückt durch dokumentierte Fälle im tibetischen Buddhismus wieder in den Fokus – ein Zustand namens Tukdam.

Es ist kein Mythos. Es gibt schriftliche Aufzeichnungen, dass Myozen in der Meditationshaltung starb, und so wurde er aufgefunden. Die Zen-Tradition beansprucht dasselbe Ende für den Meister Kōdō Sawaki, der 1965 auf seinem Kissen starb. Auch Mumien von Patriarchen wie Sekitō Kisen sind sitzend im Zazen erhalten. Die eigentliche Frage: Wie kann es sein, dass ein toter Körper aufrecht bleibt und erst spät verweset?

Die Biochemie des Dreibeins: warum der Körper hält

Die skeptische Erklärung beginnt mit Geometrie. Im vollen Lotussitz bilden die beiden Knie und das Gesäß eine dreibeinige Basis. Die Totenstarre fixiert die Haltung über Stunden oder Tage. Danach hängt alles davon ab, was mit der Verwesung passiert.

Und hier kommt das unbequeme Detail ins Spiel: Es gibt keine Magie, sondern Chemie. Zu den Faktoren, die mit diesen Todesfällen zusammenhängen, zählen Pflanzenaufgüsse mit eigenschaften, die die Mumifizierung begünstigen, lange Fastenperioden vorher und fortschreitende Austrocknung. Der Körper konserviert sich buchstäblich besser, wenn er am Ende mit weniger Wasser und mit Pflanzenstoffen ankommt, die das Bakterienwachstum hemmen.

Zwei Deutungen: ein sich zurückziehendes Bewusstsein oder ein losgelassener Körper

Für den tibetischen Buddhismus ist Tukdam ein Zustand, in dem sich das Bewusstsein allmählich vom Körper löst, selbst wenn nach westlicher Medizin keine Vitalzeichen mehr vorhanden sind. Diese Richtung vertritt die Auffassung, dass der klinische Tod den Prozess nicht beendet. Dagegen die physiologische Lesart: Es handelt sich um einen Organismus, der langsam ausgeht, mit abnehmender Herz- und Atemfrequenz, bis er zum Stillstand kommt. Manche weisen zudem darauf hin, dass das letzte Fasten nichts anderes als ein selbst herbeigeführter Tod ist – eine Geste der Befreiung, die man nicht romantisieren sollte.

Die Debatte ruft alte Kapitel der europäischen Geschichte wach. Die Katharer praktizierten im 12. und 13. Jahrhundert die Endura, das freiwillige Fasten als Weg zur Befreiung; auch ihre Geste wurde von außen als Suizid umgedeutet. Die säkularisierte westliche Welt betrachtet die Zen-Meister heute mit derselben Mischung aus Faszination und Misstrauen.

Die verstörende Tatsache ist diese: Das Arsenal der Mumifizierung besteht nicht aus Gottheiten, sondern aus Pflanzen, Trockenheit, Zeit und Muskeln, die jahrzehntelang darauf trainiert wurden, eine Haltung zu halten. Die Wissenschaft hat den Fall nicht abgeschlossen, weil niemand ein Tukdam in Echtzeit nach Laborprotokollen untersuchen konnte. Inzwischen meditieren die Mönche weiter. Und manche von ihnen sterben im Sitzen.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (25 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver