Cousinen von Rubiales fordern Wahrheit von Jenni Hermoso
Die Tür der Kirche Divina Pastora in Motril ist kein ruhiger Ort mehr. Drinnen hält Ángeles Béjar, die Mutter von Luis Rubiales, einen Hungerstreik aufrecht. Draußen wiederholen zwei seiner Nichten vor jeder Kamera ein Mantra: „Jenni, wir wollen, dass du die Wahrheit sagst.“ Der Auslöser bleibt der Kuss, den der Präsident des Spanischen Fußballverbandes (Real Federación Española de Fútbol) der Spielerin Jennifer Hermoso bei der Übergabe des Weltmeisterschaftspokals gab, eine Geste, die sie als nicht einvernehmlich beschreibt und nach der sie sich verwundbar fühlte. Rubiales ist vorübergehend suspendiert.
Was die Familie von Rubiales fordert und warum sie sprach
Vanesa Ruiz Béjar und Demelza Meijas Sánchez haben das Schweigen im familiären Umfeld gebrochen. Die Erstere besteht darauf, dass die Mutter des Funktionärs, „eine sehr gläubige Person“, sich Gott zugewandt hat und den Tempel nicht verlassen wird: Der Hungerstreik werde fortgesetzt, sagen sie, bis die Fußballerin ihre endgültige Version abgebe. Die konkrete Forderung lautet: Die Spielerin soll erklären, warum sie laut ihrer Darstellung „ihre Aussage dreimal geändert“ habe.
Das Argument dahinter ist nicht juristisch, sondern emotional. Die Familie versichert, sie leide „sehr stark“, und Rubiales sei vorschnell verurteilt worden. Vanesa Ruiz Béjar fasst es in einem Satz zusammen, der das ganze Bild einfängt: „Wer fünf Minuten mit Luis verbringt, weiß, dass er ein wunderschöner Mensch ist, mit einem guten Herzen und nobel.“ Die andere Cousine fügt hinzu, dass alle Menschen seien und „in einem Moment der Freude und Euphorie so etwas passieren kann“.
Der vom Umfeld angeprangerte 'mediale Lynchmord'
Das am häufigsten wiederholte Wort in diesen Erklärungen ist Lynchmord. Das Umfeld spricht von einer Hetzjagd, davon, dass man den suspendierten Präsidenten „auf jede Weise zerstören wolle“, und behauptet, es gebe angesammelte Jahre der Angriffe. Eine der Cousinen benennt Feminismus, Fernsehen, Presse und Politiker als Verantwortliche und bezeichnet die Behandlung des Vorfalls als Übergriff als Schande.
Es gibt auch eine explizite Verteidigung des Verbleibs im Amt: Rücktritt, argumentieren sie, würde der Gegenseite recht geben. Rubiales, fügen sie hinzu, sei mit seinen Töchtern isoliert, weil er „mentale Ruhe“ brauche. Eine Präzisierung eines Diskussionsteilnehmers: Die Cousinen verteidigen die Mutter, nicht den Funktionär. Im Verlauf der Debatte gewinnt diese Nuance Gewicht gegenüber der ersten Lesart, die gesamte Familie spreche für ihn.
Ist der Kuss, dem die Spielerin nicht zustimmte, strafbar?
Hier wird der Boden rutschig. Eine Analyselinie besagt, dass schlechte Manieren und unangemessenes Verhalten nicht im Strafgesetzbuch definiert sind, Demütigung allein kein Verbrechen darstelle und der sogenannte Missbrauch der Autorität am Arbeitsplatz ein umgangssprachlicher Ausdruck sei: Der Straftatbestand des Amtsmissbrauchs sei nur für Beamte vorgesehen. Wenn Einverständnis bestehe, schließen sie, könne es keine Belästigung geben.
Der Einwand kommt aus anderer Richtung: Einverständnis ist kein Ausgangspunkt, sondern genau das, was ermittelt werden muss. Kein Repertoire von Kommentaren Dritter, auch nicht von Teamkolleginnen, ersetzt diese Untersuchung. Der Austausch endet ohne Einigung und mit einem Satz, der die Distanz zwischen den Positionen zusammenfasst: Gutes Benehmen ist kein Rechtskriterium, aber auch das Strafgesetzbuch erschöpft nicht, was eine Institution von ihrem Präsidenten verlangen kann.
Frauen, die Rubiales verteidigen: Das Paradoxon, wem man glauben soll
Der Fall wurde als Glaubwürdigkeitsfrage dargestellt und endete in einem Zusammenstoß inkompatibler weiblicher Versionen. Die Spielerin spricht von Übergriff. Ihre Mutter und Cousinen sprechen von einem Kuss der Euphorie. Wenn das Kriterium ist, Frauen zu glauben, lautet die unmittelbare Frage welche. Manche übersetzen die Szene mit Ironie, andere weisen auf etwas weniger Amüsantes hin: Frauen im Umfeld des Funktionärs verlieren ihre eigene Meinung gerade dann, wenn ihr Zeugnis hinderlich ist, und werden vom Subjekt zum Instrument.
Über allem schwebt der Verdacht eines Teilnehmers: Es geht nicht darum, Rubiales zu verteidigen, weil er beliebt ist, sondern darum, zu schauen, was danach kommt. Wer heute die Abstrafung feiert, könnte das nächste Ziel sein.
Professionalität, fast 700.000 Euro und 'gutes Benehmen'
Muss eine Position, der fast 700.000 Euro Jahresgehalt zugeschrieben werden – die im Analysekontext genannte Zahl – mehr beweisen als Ergebnisse? Das Gehalt als Argument taucht auf und wird entgegnet: Wenn die Vergütung an Professionalität gekoppelt ist, sollte sie auch an gutes Benehmen gekoppelt sein. Die Gegenargumentation ist kategorisch: Was manche oder andere kommentieren, ist unwichtig; wichtig sind die Fakten.
Die Fakten sind zum Zeitpunkt dieser Diskussion folgende: ein Hungerstreik, eine vorübergehende Suspendierung und eine Spielerin, die bei ihrer Version bleibt. Nichts anderes. Und eine Zahl, die durch ihre Abwesenheit in der Familien-Erzählung irritiert: In den Erklärungen vor der Kirchentür wird das dem Amt zugeschriebene Jahresgehalt von fast 700.000 Euro kein einziges Mal erwähnt. Dort gibt es nur eine Mutter, die nicht isst, eine Nichte, die drei Worte wiederholt, und eine Tür, die nicht schließt.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
Die ganze Diskussion lesen (126 Antworten).