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Chronisches Jammern: die Kunst, sein Leben zu vermasseln, ohne etwas zu tun
Fast 45.000 Nachrichten seit 2009 mit demselben Lamento: Chronisches Jammern als Identität. Eine Analyse einer Form sozialer Selbstsabotage.
Das Lamento als Identität: 17 Jahre Jammern in 45.000 Nachrichten
Es gibt eine Form der Selbstzerstörung, die in keiner Statistik auftaucht: das chronische Jammern. Ich rede nicht von Depression oder Angst, sondern von jener gesellschaftlich akzeptierten Angewohnheit, der ganzen Welt zu verkünden, dass man sein eigenes Leben vermasselt. Das aufschlussreichste Beispiel ist ein Nutzer, der seit 2009 Klagen veröffentlicht, fast 45.000 Nachrichten, und immer noch am selben Leiergesang hängt.
Die Online-Community reagiert mit Spott. „Na dann, Kopf hoch“, „Nicht etwa auf Drogen, oder?“, „Du weißt, was wir alle wollen“... Die Antworten schwanken zwischen Ironie und Zynismus. Niemand bietet Lösungen an, denn im Grunde sucht der Jammerlappen keine. Er sucht die Bestätigung, dass sein Leben ein Desaster ist, und findet sie im Spott der anderen. Es ist ein stillschweigender Pakt: Du jammerst, ich stelle dich bloß, und so bleiben wir beide unterhalten.
Der Wert des Lamentos als Tauschmittel
Wiederholtes Jammern erfüllt eine soziale Funktion. Es verschafft einem einen Platz in der Gruppe, ohne dass man etwas beitragen müsste. Das Detail der 45.000 Nachrichten ist der beste Beweis: Hätte er die Hälfte dieser Zeit darauf verwendet, seine Umstände zu ändern, hätte er ein weniger klägliches Leben. Aber dann hätte er kein Gesprächsthema mehr. Die Identität des Jammerlappens baut auf der Abwesenheit von Handlung auf.
Die Reaktion des Umfelds: Der Kreislauf wird verstärkt
Das Publikum ist nicht unschuldig. Der systematische Spott ist eine Form, die Rolle des Jammerlappens zu bestätigen. Jede ironische Antwort zeigt ihm, dass seine Botschaft angekommen ist, dass er nicht unbemerkt bleibt. So perpetuiert sich der Kreislauf: mehr Jammern, mehr Spott, mehr Jammern. Niemand opfert sich wirklich auf, aber wir alle vermasseln uns ein wenig den Tag, wenn wir dem Jammernden zuhören.
Mit diesen Voraussetzungen lautet die Prognose: Das Lamento wird weitergehen. Es wird eine weitere Nachricht kommen, und noch eine, und noch eine. Chronisches Jammern ist ein inflationäres Produkt: Es steigt immer, gewinnt nie an Wert.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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