Camping Maricarmen oder Pedro Bonapartes 15 Memario (Víctor Núñez in El Hapañol)

Ein Protestcamp für bezahlbaren Wohnraum auf der Puerta del Sol in Madrid im September 2026 wird mit der 15-M-Bewegung von 2011 verglichen. El Español sieht darin eine kontrollierte Dissidenz.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Das Camp auf der Puerta del Sol Ende September 2026 protestiert gegen die Wohnungsteuerung und wird als Parodie der 15-M-Bewegung von 2011 gelesen. Die eigentliche These: Es kann die PSOE (Spaniens Sozialdemokraten) erneuern, ohne das Regime von '78 zu reformieren.

Zwischen dem 29. September und den ersten Tagen des Oktober 2026 zogen Dutzende Menschen auf die Puerta del Sol in Madrid, um gegen die Wohnungsteuerung zu protestieren. Das Camp erhielt den Namen **Camping Maricarmen** und wurde auch **15 Meme** genannt. Am 2. Oktober 2026 veröffentlichte **El Español** eine Analyse, die das Ereignis in die Nachfolge der 15-M-Bewegung von 2011 stellt.

Der Vergleich ist kein Zufall. Jene Bewegung besetzte 2011 Plätze im Abgesang einer sozialistischen Regierung und vor einem unmittelbaren politischen Umschwung. Das Camp von 2026 wiederholt die Geste: eine Generation ohne Zukunft, besetzter öffentlicher Raum, eine sozialistische Regierung und bevorstehende Wahlen. Der Unterschied liegt laut dieser Analyse im Grad der realen Bedrohung, die beide Ereignisse für das System darstellten. Das Marx-Zitat aus dem 18. Brumaire des Louis Bonaparte — dass die Geschichte zuerst als Tragödie und dann als Farce erscheint — zieht sich durch diese Deutung.

## Ein 15-M der Nachahmung
Die 15-M-Bewegung von 2011 stellte zeitweise eine echte Bedrohung für die Stabilität des Systems dar. Das Camp von 2026 hingegen war von Anfang an ein von der Macht kooptierter Aufstand, so die Lesart von El Español. Es ist kein Aufstand, den die Regierungspartei nicht tolerieren könnte; es ist die Art von Dissidenz, die sie ohne großen Schaden toleriert.

Vizepräsidentin **Yolanda Díaz** rief die Bürger zur Mobilisierung gegen die Regierung auf, an der sie selbst beteiligt ist. Die Regierung ordnete laut dieser Deutung an, den Sol nicht zu räumen, um sich das Bild eines Daueraufstands vor dem Amtssitz von **Ayuso** zu sichern. **Pedro Sánchez** nahm von der Sängerin Amaia ein Plakat mit der Aufschrift «decreto Maricarmen» entgegen. Das seien, so die Analyse, Zeichen für die Harmlosigkeit ihrer Forderungen.

## Die PSOE als Partei, die das BOE und das Transparent schreibt
Die Analyse führt an, dass die **PSOE** im Spanien von '78 stets als hegemoniale Kraft wirkte — mit einer konsequenten Strategie: die Existenz eines Rivalen zu ihrer Linken zu verhindern. **Manolo Monereo**, ehemaliger organischer Intellektueller von Podemos, wird als Quelle dieser These zitiert. Carlos H. Quero fasst es in ein Bild: Die PSOE schreibt zugleich das BOE (das amtliche Staatsanzeigerblatt) und das Protesttransparent.

Laut dem Text integriert der **Sindicato de Inquilinas** (Mietergewerkschaft), finanziert vom selben Rentnerstaat, gegen den er sich auflehnt, die Aktivistenschicht, die die PSOE über ihre informellen Netzwerke des vertikalen Manifestierens hütet. Das Camping Maricarmen verkörpert die programmierte Spontaneität. Seine scheinbar revolutionären Forderungen kann die Regierungspartei nicht nur absorbieren, sondern sogar für sich nutzen, sobald das demokratische Gedächtnis die Erinnerungen passend umgeschrieben hat.

## Von Zapatero zu Sánchez: der Transformismus
Die 15-M-Bewegung reduzierte sich am Ende auf einen Mechanismus zur Erneuerung der politischen Eliten. Die Aufständischen wurden von der herrschenden Klasse durch chirurgische Reformen ins System rückintegriert, die ihre Forderungen neutralisierten. Die Aufgabe, den demokratischen Impuls zu absorbieren und zu ersticken, übernahm die PSOE, die Partei des Regimes.

Die Analyse erinnert daran, dass **Zapatero** von denselben politischen Führern heiliggesprochen wurde, die sich ein Jahrzehnt zuvor gegen ihn erhoben hatten. **Pedro Sánchez** wird als politisches Kind der 15-M dargestellt. Durch ihn nahm die dominante Kraft einige radikale Positionen in abgeschwächter Form auf, ohne den Status quo wirklich zu gefährden. Dieser politische Transformismus deaktivierte die organische Krise von 2011 vorläufig, löste aber nicht die tiefen Ursachen der Unzufriedenheit.

## Das vorhersehbare Ende
Mit dem **decreto Mari** und dem **decreto Carmen** versucht die PSOE, sich an die Spitze der Sache der enteigneten Mieter zu setzen. Die Analyse sagt voraus, dass der Ausgang nicht anders sein wird als 2011. Die Revolution ohne Revolution der 15-M verhinderte die echte Reform des Regimes von '78. Die neue 15-M hätte dieselbe Chamäleon-Wirkung: Alles soll sich ändern, damit alles beim Alten bleibt.

Das Camp auf der Puerta del Sol 2026 ist in dieser Lesart kein Zufall. Es ist die Wiederholung eines Musters: Wohnungskrise, sozialistische Regierung, politische Wende und ein Protest, der am Ende integriert wird. Der Zyklus beginnt von neuem. Das mutierende System restrukturiert sich, um seine Gegner zu integrieren. Nichts von alledem stellt eine Wahlprognose oder eine rechtliche oder finanzielle Beratung dar; die Auslegung der genannten Dekrete obliegt den Gerichten und den Fachleuten.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (2 Antworten).

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