Buy and Hold stockt: Tech-Positionen bis zu 50 % im Minus
Es gibt Depots, in die man kaum hinschauen mag. Kunden, die überzeugt waren, dass Zeit alles heilt, sehen nun zu, wie ihre Positionen in großen US-Tech-Aktien Verluste von 50 und sogar 60 Prozent anhäufen. Die Diagnose, die die Runde macht, ist unbequem: Buy and Hold ist nicht gescheitert, sondern falsch angewendet worden. Auf dem Höhepunkt das zu kaufen, was am meisten gestiegen ist, und das Langfriststrategie zu nennen, ist eine elegante Art, Kursen hinterherzujagen.
Die erste Reaktion im Austausch der Analysen war der Hinweis auf den klassischen Fehler: Buy and Hold misst sich in Jahren, nicht in einem einzelnen Jahr. Wer Amazon, Meta, Apple, Microsoft, Nvidia, Netflix oder Tesla auf dem Höhepunkt der Welle gekauft hat, betreibt kein Buy and Hold, sondern Momentum-Trading mit dem Deckmantel der Investition. Und der Unterschied zwischen beidem trennt, wenn der Markt kippt, eine Korrektur von einem Blutbad.
Was Buy and Hold vom Kauf auf Höchstständen unterscheidet
Das am häufigsten wiederholte Argument lautet, dass die Strategie nicht das Fehlen von Rückschlägen verspricht, sondern deren Akzeptanz. Ein Anleger, der seit 2010 im Nasdaq investiert ist, sitzt noch immer auf 400 Prozent Gewinn, Dividenden nicht mitgerechnet. Wer 2011 mit regelmäßigen Einzahlungen begann, kommt auf bis zu 200 Prozent Kursgewinne. Entscheidend ist nicht der Index, sondern der Einstiegspreis und die Disziplin, nicht zu verkaufen, sobald das Depot rot leuchtet.
Das Problem entsteht, wenn der Privatanleger die Strategie mit dem Asset verwechselt. Buy and Hold bei einem Unternehmen mit soliden Fundamentaldaten und Dividenden ist nicht dasselbe wie bei einer Wachstumsaktie, die mit schwindelerregenden Multiples gehandelt wird. Der Vergleich drängt sich auf: derjenige, der bei einem Telekom- oder Energiewert durchhält, gegen denjenigen, der an der Spitze auf die Modeaktie aufgesprungen ist.
Der DCA löscht Verluste nicht, er verteilt sie
Die technischste Verteidigung des systematischen Anlegers lautet, dass regelmäßige Einzahlungen den Schlag abmildern. Mit DCA verliert man statt 60 Prozent von 20.000 Euro eben 30 Prozent von 40.000 oder 15 Prozent von 80.000 Euro. Die absolute Summe kann größer sein, aber der prozentuale Anteil am Depot wird geglättet. Das ist eine Art, teuer und billig zu kaufen, ohne den richtigen Zeitpunkt zu treffen – und genau das ist das Ziel der Strategie.
Dennoch warnt mancher, dass DCA kein Impfstoff ist. Wenn der Markt in einen langen Bärenzyklus eintritt, fließen die Einzahlungen weiter in ein Asset, das ständig fällt, und die Erholung dauert Jahre. Geduld ist in diesem Szenario keine Tugend mehr, sondern ein Test der psychischen Belastbarkeit.
Der Boden des Marktes: von 1.600 bis 4.100 Punkten
Die Frage, die niemand mit Sicherheit beantworten kann, ist, wo der Absturz endet. Die Szenarien für den S&P 500 reichen von 3.200 Punkten in der optimistischsten Version bis zu 1.600 in der pessimistischsten, dazwischen 2.700 und 2.200. Die Spanne ist so breit, dass sie das Offensichtliche bestätigt: Niemand weiß es. Lesen lässt sich allenfalls die Struktur des Charts, und solange Hochs und Tiefs weiter sinken, ist der Trend abwärtsgerichtet.
Das vorgeschlagene technische Kriterium lautet, abzuwarten, bis der Index sein letztes relevantes Hoch bei rund 4.100 Punkten überwindet, um einen Trendwechsel zu bestätigen. Der Preis dafür ist offensichtlich: Man verschenkt den ersten Teil der Erholung. Die Debatte zwischen stufenweisem Einstieg und Warten auf das Signal ist der alte Kampf zwischen der Angst, die Erholung zu verpassen, und der Angst, den nächsten Absturz mitzunehmen.
Zinsen und Liquidität haben mehr Gewicht als Charts
Die makroökonomische Analyse zeigt zwei Kräfte, die nach unten drücken: die Bilanz der Federal Reserve, die sich weiter verkleinert und dem System Liquidität entzieht, sowie Zinsen, die voraussichtlich hoch bleiben. Mit teurerem Geld haben verschuldete Unternehmen Probleme bei der Refinanzierung, und die Unternehmensgewinne leiden. Die noch ausgebliebene Rezession wäre die fehlende Zutat, um die Inflation unter Kontrolle zu bringen.
Dagegen hält die Gegenthese fest, dass der Boden bereits erreicht sei und der 25-prozentige Rückgang in den ersten drei Quartalen 2022 Korrektur genug war. Die Zeit wird zeigen, wer recht hat – aber die Diskussion lässt eine klare Erkenntnis: Buy and Hold ist keine Religion, sondern eine Strategie, die verlangt, zwischen dem Asset, das man kauft, und dem Preis, den man dafür zahlt, zu unterscheiden.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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