Die Briefwahl wird massiv beworben, während Nutzer über Fehler auf der Correos-Website berichten
Kann eine Wahl entschieden werden, ohne dass jemand ein Wahllokal betritt? Die vorgezogene Neuwahl hat die Briefwahl ins Zentrum der öffentlichen Debatte gerückt, nicht durch subtile Kampagnen, sondern durch direkte Empfehlungen von Fernsehen und Radio. Ferreras erklärte, man müsse „den Leuten gut beibringen, wie man per Brief wählt“, und damit begann alles. Der Sender COPE wiederholte diese Botschaft, esRadio strahlte Werbung mit den Stimmen seiner üblichen Moderatoren aus, und die Morgennachrichten erinnerten an die Schritte zur Abgabe des Umschlags. Gleichzeitig gibt es Berichte über Überlastungssymptome auf der Seite von Correos noch vor Beginn des Vorwahlkampfs.
Die verbreiteten Meldungen deuten auf dasselbe Problem hin: Laut diesen Berichten bricht die Website zusammen und das System stößt an seine Grenzen, bevor der eigentliche Wahlkampf begonnen hat. Das hat zwei praktische Konsequenzen. Wer seinen Stimmzettel rechtzeitig angefordert hat, könnte leer ausgehen, und wer ihn abgibt, vergrößert einen Pool von Stimmen, dessen Nachvollziehbarkeit infrage gestellt wird. Die Antwort, die der PSOE zugeschrieben wird, wenn man nach seiner internen Krise fragt – dass das Problem nicht die Partei sei, sondern „die Gesellschaft, die uns nicht gewählt hat“ – verbreitete sich schneller als jede Faktenlage.
Berichte über Überlastung bei Correos vor dem Wahlkampf
Das am häufigsten zirkulierende Argument ist nicht juristischer, sondern logistischer Natur. Wenn Stimmzettel massenhaft verschickt und an die Wahllokale geliefert werden, wer garantiert dann die Rückverfolgbarkeit jedes einzelnen Umschlags? Der Verdacht, dass dieses Volumen die Auszählung unkontrollierbar machen könnte – und dass der nächste Schritt das elektronische Wählen sein könnte, wobei die digitale Identität als Schlüssel dient –, wird in der Debatte mit bemerkenswerter Schärfe formuliert. Es sollte klar gesagt werden: Es gibt keinerlei Beweise für einen solchen Fahrplan. Es handelt sich um eine Hypothese, die als solche bestehen bleibt, nicht als gesicherte Tatsache.
Diskutiert wird die praktische Wirkung eines Systems, das von einem Postdienstleister abhängt. Manche behaupten, die Störung schadet nicht dem Organisator, sondern demjenigen, der den Anweisungen folgt. Das skizzierte Szenario umfasst Wähler, die den Empfehlungen im Fernsehen folgten, ihre Unterlagen anforderten und nun, da die Frist abläuft, ohne Stimmzettel dastehen. Das Ergebnis wäre kein verlorene Stimme, sondern ein unfreiwilliger Nichtwähler.
Warum hat Frankreich die Briefwahl verboten?
Weil sie dort 1975 nach einem Wahlbetrug abgeschafft und nie wieder eingeführt wurde. Frankreich wird als Beispiel angeführt, um die Idee zu entkräften, dass die Briefwahl in Europa eine normalisierte Praxis sei: Dort gilt sie als Quelle des Betrugs ohne Möglichkeit der Korrektur. Hinzu kommt ein struktureller Faktor: Der französische Postdienst ist stark gewerkschaftlich organisiert (CGT), was das Misstrauen der Rechten gegenüber jeder Auszählung auf diesem Weg nährt. Nach der Pandemie gab es Vorschläge, das System wieder einzuführen, aber die Mehrheit des Senats widerspricht. Der Vergleich mit Spanien taucht in der Debatte auf, und zwar nicht gerade beruhigend.
Ein weiterer Vergleich zieht sich durch die Analyse, nämlich der transatlantische. Im Diskurs werden oft die Modelle der USA und Brasiliens herangezogen, wo die Briefwahl im Mittelpunkt monatelang umstrittener Wahlen stand. Von hier bis zum Verschwörungsdenken ist es nur ein Schritt, den viele ungehemmt gehen: Es wird über ein elektronisches Auszählprogramm eines bestimmten Technologieunternehmens gesprochen, das für den Westen entwickelt wurde. Nichts davon ist durch Beweise gestützt und sollte daher als Gerücht gelesen werden, nicht als Information.
440 Millionen Euro für „Bewusstseinsbildung“ und gebundene Wähler
In der Debatte taucht eine Zahl auf, die Kontext liefert: 440 Millionen Euro, die unter anderem dazu dienen sollen, die Bürger davon zu überzeugen, dass man wählen muss, und dass die natürliche Art dies zu tun, die Briefwahl ist. Dies ist eine in der Diskussion kursierende Zahl, keine offiziell bestätigte Datenlage. Mit dieser Summe im Hintergrund betrachten einige Teilnehmer die Beharrlichkeit der Medien weniger als Zufall.
Die andere Front ist weniger diskutiert, aber unbequemer: das „gebundene“ oder manipulierte Wählen. Ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen sind seit Jahren auf die Logistik der Briefwahl angewiesen und damit auf diejenigen, die dies für sie erledigen. Traditionell wurden religiöse Institutionen und lokale Parteistrukturen als Akteure identifiziert, die dieses Wählerpotenzial mobilisieren. Wenn dieses Wählerpotential wächst, wächst auch die Frage, wer es lenkt.
Wähler, die angeblich wegen der Störung ohne Stimmzettel bleiben
Ein Detail stellt die im Diskurs erwähnte Prognose einer Rekordbeteiligung infrage. Wenn sich die Überlastung bestätigt, werden Teile der Wähler, die sich am meisten bemüht haben – jene, die ihren Stimmzettel fristgerecht per Brief angefordert haben und den Empfehlungen im Fernsehen gefolgt sind –, die ersten sein, die nicht wählen können. Ungewollte Enthaltung, gewiss, aber dennoch Enthaltung. In der Debatte wird darauf hingewiesen, dass sozialistische Wähler, die den Medienempfehlungen folgten, Teil dieser ungewollten Enthaltung sein könnten.
Offen bleibt die Frage, die in der Debatte gestellt wird: Wenn die vorgezogene Wahl verhindert, dass das Gesetz zur Briefwahl geändert wird, warum wird dann so viel Energie darauf verwendet, ein Verfahren zu bewerben, das nicht reformiert werden kann? Bei diesem Maß an medialer Begeisterung wird es seltsam sein, wenn überhaupt jemand Schlange stehen muss. Man bekommt fast Lust, ihnen selbst den Umschlag zu geben.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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