Boykott baskischer Produkte scheitert an einer endlosen Firmenliste
Der Boykott baskischer und navarrischer Produkte bedeutet faktisch den Verzicht auf Züge, Straßenbahnen, Türschlösser und Straßenasphalt, wie in der Diskussion hervorgehoben wird. Der Aufruf, nichts mehr aus dem Baskenland oder Navarra zu kaufen, wurde gestartet, ohne dass klar war, welche Marken gemieden werden sollten. Die Zusammenstellung dieser Liste bewies das Gegenteil: Diese Unternehmen sind in fast jedem alltäglichen Vorgang vertreten. Teilnehmer nannten Namen wie Iberdrola, BBVA, CAF, Irizar und Petronor sowie Stahl für Autos und Energie für Fabriken.
Welche baskischen und navarrischen Unternehmen sollte man meiden?
Die umfassendste Liste im Diskurs enthält Iberdrola (39.113 Millionen Euro), BBVA (21.066), die Grupo Mondragón (11.404) und Siemens Gamesa (10.198). Darunter folgen Gestamp Automoción (8.093), Petronor (5.243), CIE Automotive (3.269), CAF (2.943), Kutxabank (1.166), Vidrala (1.084), Dominion (1.035), Uvesco (936), Sidenor (744), Eulen und Euskaltel (je 697) sowie Ingeteam (675). Diese Werte, teils aus 2020, umfassen mehr als zwanzig Gesellschaften.
Dazu kommen Marken, die nicht sofort mit dem Norden assoziiert werden: Reifen von Firestone und Bridgestone, Glas von Guardian, Windräder von Gamesa, Busse von Irizar, Stahl von ArcelorMittal und Sidenor, Gas von Naturgas und viele Bauunternehmen. Die Liste vermischt Eigentümerschaft, Hauptsitz und Produktionsstandort, was die Kriterien des Boykotts verwässert.
Züge, Schlösser und Asphalt: Der unmögliche Boykott
Streng angewandt lässt dies Verbraucher ohne öffentlichen Nahverkehr und ohne Türen. Renfe-Züge, Stadt-U-Bahnen, von CAF hergestellte Straßenbahnen, Wohnungsschlösser, Straßenbelag, Kraftstoffe von Petronor und Strom von Gamesa fallen unter das Paket, wie im Thread angemerkt. Ein wiederkehrender Witz besagt, auch das eigene Türschloss sei baskisch, der Boykott beginne also bei einem selbst – obwohl ein Nutzer entgegnete, sein Schloss sei italienisch.
Mehrere Beiträge weisen auf eine Verschärfung hin: Spanien rüstet auf, und viele Projekte werden an temporäre Unternehmenszusammenschlüsse vergeben, an denen strategische Firmen aus dem Baskenland beteiligt sind.
Wem gehört BM, wenn der Distributor in Kantabrien sitzt?
Die Unternehmensstruktur von BM Supermercados widerlegt regionale Etiketten. Laut Thread gehört die Kette zu Uvesco, entstanden 1993 durch die Fusion des kantabrischen VES und des baskischen Unialco, mit Sitz in Irun und Distributionszentrum in Castro Urdiales, Kantabrien. Uvesco ist Teil der madrilenischen IFA-Gruppe, die auch Ahorramás und Gadis umfasst. Im besten Fall bleibt nur der Standort der Läden baskisch.
Dieses Beispiel zeigt, dass die regionale Zugehörigkeit eines Geschäfts eine administrative Konstruktion ist, keine Essenz.
Alternativen zum Boykott: Iveco statt Mercedes
Wo Wahl möglich ist, soll nach Produktionsstandort entschieden werden. Ein Iveco-Transporter aus Valladolid statt eines Mercedes aus Vitoria. Ein Clio aus Valladolid oder Corsa aus Zaragoza statt eines VW Polo aus Navarra. Kein Tanken bei Petronor. Keine Dienste von BBVA oder Iberdrola nutzen. Das Ziel ist maximaler Schaden ohne Hausflucht, wobei der Einkauf zur industriellen Buchführung wird.
Hintergrundthese: Deindustrialisierung und europäische Umverteilung
Ein Teilnehmer vertritt eine weitergehende Lesart: Die Unabhängigkeitsbewegungen im Baskenland und Katalonien hätten dazu gedient, diese Regionen gegeneinander auszuspielen, während sie deindustrialisiert wurden und Obstgärten in Valencia und Murcia zu Schleuderpreisen gekauft wurden. Er argumentiert, die EU kaufe keine Schiffe, Flugzeuge, Autos, Stoffe oder Waffen mehr, aber Orangen, Melonen und Pfirsiche.
Dies ist die wirtschaftliche Version des Konflikts: Wer schafft Wert und wer verteilt ihn nur? Es erklärt die Aufgeheiztheit: Jede Seite glaubt, die andere verkaufe ihr den Ruin unter einer Flagge.
Warum manche einen Boykott unter Spaniern ablehnen
Das häufigste Gegenargument ist Konsistenz. Ein Boykott erfordert die Gewissheit, dass der Besitzer einen hasst oder verachtet; ernst genommen müsste man dann auch England, Deutschland, Frankreich oder die Niederlande boykottieren, Länder, die Spanien ebenfalls nicht hoch schätzen. Diese Strömung schlussfolgert, dass Boykotte unter Nachbarn nichts lösen.
Dem gegenüber stehen Stimmen, die zwischen regionalem und ideologischem Boykott unterscheiden. Was den Kaufverzicht rechtfertige, sei das Verhalten des Betreibers, nicht seine Postleitzahl: Als Beispiel dienen Geschäfte, die markiert wurden, nachdem ihr Besitzer bei politischen Veranstaltungen auftrat.
Die Wahlschicht rundet das Bild ab. Karten der Kommunalwahlen vom 28. Mai und das wachsende Gewicht von Bildu werden in beide Richtungen als Argument genutzt. Manche meinen, junge Wähler verbinden die Marke nicht mit Gewalt, andere warnen vor dem Wiederöffnen dieses Kapitels. Unterdessen bitten nicht-wählende Basken darum, nicht in den Streit hineingezogen zu werden.
Angesichts dieses Firmengeflechts ist zu erwarten, dass der nächste Wahlzyklus das Boykott-Etikett erneut belebt und Firmenlisten recycelt werden. Realistisch betrachtet hat jedoch der Einkaufswagen immer noch mehr Gewicht als der Ursprung des Türschlosses.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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