Bitcoin-Prognose: Kein Crash nach 33 Tagen

Eine Bitcoin-Prognose kündigte einen 50%-Crash und Krieg an. Der Krieg kam, der Kurs blieb bei 43.000 Dollar stabil.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Bitcoin-Prognose: Kein Crash nach 33 Tagen
„33 Tage bis zum 50%-Bitcoin-Crash und einem unvermeidlichen Krieg“

Eine Prognose mit Datum, aber ohne Daten: Bitcoin verliert innerhalb von weniger als 33 Tagen mindestens die Hälfte seines Wertes, das Blut spritzt auf andere Märkte und der Dritte Weltkrieg wird vom Szenario zum Kalender. Die Warnung wurde mit „hochvertrauenswürdigen Quellen“ präsentiert. Fast fünf Jahre später ist diese Diskussion immer noch offen und der darin genannte Bitcoin-Preis liegt bei rund 44.000 Dollar bzw. 40.000 Euro. Kein 50%-Crash, kein Datum, keine Quelle.

Was genau die Prognose ankündigte

Die Ausgangsmeldung war eindeutig: Weniger als 33 Tage, damit Bitcoin mindestens 50% seines Wertes verliert, mit der Möglichkeit, dass sich der Schaden auf andere Märkte ausbreitet, und der Warnung, dass „der Krieg praktisch unvermeidlich ist“. Alles gestützt auf Kontakte, die der Autor als hoch vertrauenswürdig einstuft. Null Indikatoren. Null technische Level. Null Zahlen.

Als jemand nach Begründungen fragte, war die konkreteste Antwort ein Online-Countdown-Timer, den jeder in einem neuen Tab öffnen kann. Der Rest der Unterstützung – angebliche Leaks, ungeprüfte Medien – ist nirgendwo dokumentiert. Und die Historie hilft nicht weiter: Es gab eine vorherige Ankündigung eines großen Ereignisses, das laut dem eigenen Protokoll nie stattgefunden hat.

Der Krieg kam, der Crash nicht

Die russische Invasion der Ukraine gab der geopolitischen Hälfte der Vorhersage recht. Der Markt tat das Gegenteil des Versprochenen. Während des Konflikts notierte Bitcoin bei 43.000 Dollar, weit entfernt von der angekündigten Halbierung. Und wer den Crash leugnete, hatte seine eigene Lesart: Der S&P 500 markierte ein neues Tief, drehte noch am selben Tag und stieg von [-2,5% auf +1%[/B]], einer dieser Tage, an denen Bären frustriert auf die Charts starren.

Das Kernargument ist nicht die technische Analyse, sondern die Geldpolitik. Solange Zentralbanken Geld drucken, so die These, findet der Markt schneller einen Boden, als es die Fundamentaldaten diktieren würden. Und wenn der US-Aktienindex nicht fällt, fallen auch Kryptowährungen nicht: Die Korrelation erledigt den Rest.

Kann Bitcoin im Kriegsfall um 50% oder 90% fallen?

Es ist nicht ausgeschlossen. Das Kriegsszenario bleibt auf dem Tisch, ebenso wie die Idee, dass Bitcoin und die Weltwirtschaft zwischen 50% und 90% fallen könnten, wenn der Konflikt eskaliert, „unter Ausnutzung der aktuellen Umstände“: Jede Ausrede dient dazu, einen ohnehin fälligen Absturz zu rechtfertigen. Die Argumentation stützt sich auf das Gewicht der beteiligten Länder, darunter eine Atommacht, und auf die Unsicherheit darüber, wie viele Staaten hineingezogen werden.

Parallel dazu sagt das geordnete Szenario etwas anderes: Bitcoin bei 44.000 Dollar und 40.000 Euro, eine Korrektur von 10–15% im Tageschart und Fortsetzung der Aufwärtsbewegung im Wochenchart, mit Monatszielen bei 60.000 Dollar und neuen Allzeithochs. Zwei unvereinbare Narrative koexistieren auf demselben Bildschirm. Und keines davon sieht den 50%-Absturz im Kalender vor.

Die Grundsatzdiskussion: Betrug oder einfach volatil?

Unterhalb der Prognose liegt ein weniger spektakuläres, aber älteres Thema: Bewegen sich Kryptowährungen aufgrund von Fundamentaldaten oder sind sie ein Roulette, das auf Elon Musks Tweets reagiert? Eine Strömung ist sich sicher und hält nichts zurück: Es ist ein ultravolatiler Betrug, ohne gültige technische Analyse, bei dem man teilnimmt, weil man Geld verdient, wenn man kein Narr ist. Die Gegenantwort kommt von der anderen Seite und ist unbequem: Wenn das Geschäft darin besteht, den Nachzüglern voraus zu sein, verliert jemand, damit ein anderer gewinnt.

Die Diskussion driftete zu extremeren Szenarien: Dass kein statistisch unwahrscheinliches Ereignis eintreten wird, dass die Druckmaschinen weiter rauchen und dass der echte Kollaps von unten kommen wird, wenn etwas platzt. Weder ein Dollar-Crash noch ein Zusammenbruch des USDT, wie die Apokalyptiker behaupten. Nur ein Markt, der steigt, solange Käufer übrig sind.

Vom „Quantum-Ich“ zu schwarzen Kerzen

Als die Frist ablief, mutierte die Prognose. Erstens, Selbstrechtfertigung: Man habe „wie Nostradamus‘ Prophezeiungen“ recht gehabt, mit einer Kalenderabweichung, die den Walen zugeschrieben wurde, die lieber langsam bluten lassen. Zweitens, etwas Schwerer zu verdauendes: Schwarze Kerzen, die Bitcoin gesetzt wurden, als er doppelt so hoch notierte, und ein angebliches „Quantum-Ich“, das in der Lage sei, die Vergangenheit zu manipulieren, um den Preiswiderstand zu brechen.

Im selben Paket gesteht der Autor seine gleichzeitigen Aufgaben: Während er versucht, den Kurs zu drücken, widmet er sich der Rückgewinnung einer Person, die ihm mit 17 Jahren entglitt, und dem Bestehen einer Beamtenprüfung (oposiciones), plus einer offenen Geldbuße für einen Streich. Die allgemeine Reaktion schwankt zwischen Spott und Resignation: Die Frist waren vielleicht nicht 33 Tage, sondern 3+3 Monate.

Das Timing dehnt sich, die Prognose schließt nicht ab

Hier liegt der Trick jeder Marktprophetie: Die Frist ist elastisch. Fällt der Kurs vorher, Treffer; fällt er danach, schlechte Interpretation des Timings. Die einzige Zahl, die während des gesamten Verlaufs konstant blieb, sind die 33 Tage, und seit ihrer Veröffentlichung ist viel Zeit vergangen.

Die Vorhersage zieht sich als Unterhaltung mehr als als Analyse hin, und ihr Autor als wiederkehrende Figur, deren Spuren man wegen der Show verfolgt. Das verwirrende Faktum ist nicht der 50%-Crash: Es ist, dass diese Prognose fast fünf Jahre später immer noch Traffic generiert, ohne einen einzigen neuen Argumentationspunkt hinzugefügt zu haben.

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (216 Antworten).

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