Treibstoffknappheit: Die Länder, die das Ende des billigen Öls schon spüren
Während offizielle Stellen wiederholen, dass der Ölförderhöhepunkt noch weit entfernt sei, kämpft eine wachsende Liste von Ländern mit Lieferausfällen, Schlangen an Tankstellen und Stromausfällen. Bolivien, Mexiko, Niger, Nigeria, Russland, Kolumbien, Malawi, Sambia, Mosambik, Pakistan und Kuba tauchen in denselben Berichten auf. Die Kombination aus ungedrosseltem Verbrauch und Mangel an neuen Ölfeldern macht sich zunehmend an den Zapfsäulen bemerkbar. Das ist keine Vorhersage: Es ist eine Liste von Ländern, die bereits betroffen sind.
Die Diagnose, die unter Energieanalysten kursiert, ist unbequem: Die Weltproduktion ist nicht gesunken, aber die Nachfrage der Schwellenländer ist schneller gewachsen als das Angebot, und Staaten ohne genug Devisen, um Rohöl auf dem Weltmarkt zu kaufen, gehen zuerst leer aus. Wer nicht zahlt, bekommt nichts.
Welche Länder unter Treibstoffknappheit leiden
Die Liste ist lang und vielfältig. Bolivien, Mexiko, Niger, Nigeria, Russland, Kolumbien, Malawi, Sambia, Mosambik und Pakistan hatten im vergangenen Jahr zu unterschiedlichen Zeitpunkten Versorgungsprobleme. Nigeria, das mehr Öl fördert als Mexiko, erscheint in denselben Berichten wie Mexiko. Russland, einer der größten Produzenten der Welt, ebenfalls. Das Paradox liegt auf der Hand: Öl zu fördern garantiert nicht, Treibstoff zu haben, wenn Raffinerien, Infrastruktur oder Devisen für den Import von Mineralölprodukten fehlen.
Kuba ist ein weiterer genannter Fall. Die Stromausfälle werden offiziell auf veraltete Infrastruktur zurückgeführt, doch die Ölförderung der Insel geht seit Jahren zurück. Pakistan steckt seit über einem Jahr in einer schweren Energiekrise, mit Lieferproblemen an Tankstellen und häufigen Stromausfällen. Nach verfügbaren Informationen hat das Land begonnen, landwirtschaftliche Abfälle zu Flugtreibstoff umzuwandeln, um minimale strategische Reserven zu halten.
Das Preis-Argument: Warum der Brent-Preis nicht explodiert
Der häufigste Einwand ist wirtschaftlicher Natur: Gäbe es eine echte Ölknappheit, würde der Brent-Preis explodieren. Das ist nicht geschehen. Das Fass näherte sich vor fast zwei Jahrzehnten den 150 Dollar und notiert heute weit darunter. Für manche Analysten beweist das, dass es keine strukturelle Knappheit gibt, sondern Verteilungsprobleme und mangelnde Zahlungsfähigkeit in bestimmten Ländern. Die Knappheit ist nicht global: Sie ist lokal und trifft diejenigen, die den Marktpreis nicht zahlen können.
Manche halten dafür, dass das Öl nicht plötzlich zu Ende gehen wird, sondern allmählich knapper wird. Das Angebot wird im Verhältnis zur Nachfrage immer kleiner, und Regionen, die weder effizient fördern noch Reserven haben, fallen zuerst. Europa, das kaum eigene Förderung besitzt, gehört dazu. Der steigende Treibstoffpreis wird einen Teil der Bevölkerung zum Elektroauto treiben, doch der Wandel wird kein Eins-zu-Eins-Ersatz des heutigen Fahrzeugbestands sein.
Fracking und die Falle der buchhalterischen Reserven
Die USA, einst Nettoimporteur von Rohöl, sind dank Fracking und Horizontalbohrungen zu einem der größten Produzenten der Welt geworden. Doch das so gewonnene Öl ist von geringerer Qualität, teurer zu fördern und braucht hohe Fasspreise, um rentabel zu sein. Schieferöl-Bohrungen erschöpfen sich schnell und erzeugen große Mengen giftigen Wassers, das aufbereitet werden muss, was die Gewinne auffrisst. Das Shale Oil hat das Fehlen konventioneller Förderung ausgeglichen, ist aber keine unbegrenzte Lösung.
Die optimistischste Rechnung setzt voraus, dass die Technologie die förderbaren Reserven weiter vervielfachen wird. Das pessimistische Szenario geht davon aus, dass die energetische Ausbeute der Förderung stetig sinkt und dass Wassereinpressung unter Druck, um mehr Öl herauszuholen, kein zusätzliches Öl schafft. Zwischen beiden Extremen hat sich die Weltproduktion vor der Pandemie auf einem Plateau von mehr als 100 Millionen Fass täglich gehalten, ohne dass das Wirtschaftswachstum sein früheres Tempo zurückgewonnen hätte.
China rüstet sich: E-Autos, Kohle und strategische Reserven
China wartet nicht darauf, dass der Markt das Problem löst. Das Land stellt massenhaft auf Elektroautos um, die überwiegend mit Kohlekraftwerken und erneuerbaren Energien betrieben werden, und hortet Öl für strategische Reserven, als gäbe es kein Morgen. Die Botschaft ist klar: Wer die Energie kontrolliert, kontrolliert die Wirtschaft. Europa hingegen hat auf neue eigene Ölfelder verzichtet und hängt von importiertem Gas ab, während Bürokratie und Umweltgenehmigungen jedes Explorationsprojekt blockieren.
Die unbequeme Frage, die in der Luft bleibt: Wenn Knappheit nur eine Frage von Preis und Infrastruktur ist, warum greift das mächtigste Land der Welt Ölfördergebiete an und eignet sie sich an? Und warum hortet China Reserven, als würde die Versorgung bald abgeschnitten? Vielleicht liegt die Antwort an den Zapfsäulen der Länder, die ihren Tank nicht mehr füllen können.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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