Mehrere Beamtinnen der Ertzaintza, der autonomen baskischen Polizei in Spanien, erleiden geschlechtsspezifische Gewalt durch ihre Ex-Partner, die ebenfalls Polizisten sind, und fühlen sich ungeschützt sowie ohne interne Informationen zu ihrer Verteidigung.
## Die zwei Gesichter des Gesetzes bei der Ertzaintza
Polizist zu sein sollte Sicherheit bedeuten, sowohl für die Bürger als auch für jene, die die Uniform tragen. Doch die Realität für einige Beamtinnen der **Ertzaintza** sieht anders aus. Zwei von ihnen, deren Identitäten unter Pseudonymen geschützt werden, haben sich geäußert, um eine alarmierende Situation anzuprangern: Sie sind Opfer von Misshandlung und Stalking durch ihre Ex-Partner, die zufällig ebenfalls Mitglieder derselben Polizeitruppe sind. Eine grausame Paradoxie, die sie innerhalb der Institution, die sie eigentlich schützen sollte, extrem verwundbar macht. Die Schwere der Lage verschärft sich durch den Mangel an Informationen und die scheinbare Schutzlosigkeit, selbst wenn die Täter gerichtlich verurteilt wurden. Das System, das angeblich für die Sicherheit der Opfer sorgen soll, scheint im eigenen Inneren eklatant zu versagen.
Der Fall von **Bego** ist beispielsweise erschütternd. Ihr Ex-Partner, ebenfalls ein Ertzaina-Vollzugsbeamter, versuchte sie über eine Klippe zu stoßen, nachdem er sie vom Fahrrad geholt hatte. Ein Akt brutaler Gewalt, der dank anderer Radfahrer und eines vorbeifahrenden Paares zum Glück nicht tödlich endete. Das Gerichtsurteil war eindeutig: sechs Monate Haft, Entzug der Waffenerlaubnis und eine Annäherungssperre. Die Strafe wurde später im Berufungsverfahren erhöht, jedoch unter der Bedingung einer Nicht-Wiederholung ausgesetzt. Ähnlich erging es **Ane**, einer anderen Beamtin, die wochenlang von ihrem Ex-Partner gestalkt wurde, der ihr Reifen fünfmal mit Nägeln sabotierte. Von Ane installierte Überwachungskameras filmten den Angreifer auf frischer Tat, was zu seiner Verurteilung wegen Stalking und Sachbeschädigung führte.
## Bürokratie und Informationsmangel als weitere Hürden
Ein kritischer Punkt, den diese Opfer hervorheben, ist der Mangel an internen Informationen. Sie betonen, dass es bei der Ertzaintza Protokolle für alles gibt, sogar für die Kaffeemaschine, aber bei Fällen von geschlechtsspezifischer Gewalt durch Kollegen fließen die Informationen nur tropfenweise, wenn überhaupt. "Das Mindeste, was ich verlange, ist Information: zu wissen, ob mein Angreifer arbeitet, ob gegen ihn disziplinarisch vorgegangen wird, ob ihm die Waffe entzogen wird... damit ich mich zumindest selbst verteidigen kann", fordert eine von ihnen. Diese Intransparenz erzeugt ein Gefühl der Hilflosigkeit und zwingt die Opfer zur ständigen Wachsamkeit, ohne zu wissen, ob sie dem Aggressor bei der Arbeit oder auf einem Einsatz begegnen werden.
Der Vergleich mit dem Fall von **Laura Cruz**, einer Guardia Civil-Beamtin (spanische Nationalpolizei), die im August **2026** von ihrem Ex-Mann in der Kaserne von Llanes ermordet wurde, ist unvermeidlich und unterstreicht die Dringlichkeit dieser Probleme. Obwohl Lauras Angreifer wegen Misshandlung verurteilt und seine Waffe eingezogen worden war, gelang es ihm, die Kaserne zu betreten und den Mord zu begehen. Dieser tragische Vorfall, der das Land erschütterte, diente dazu, über das Risikomanagement und die Notwendigkeit nachzudenken, Opfer zu warnen, um kritische Momente vorherzusehen. Die Strafverteidigerin **Ana Cal Estrela**, spezialisiert auf geschlechtsspezifische Gewalt, hob in sozialen Medien die Bedeutung dieser Kommunikation zur Prävention gefährlicher Situationen hervor.
## Das Gewicht des Berufs und die "schwarze Wolke"
Paradoxerweise kann der Polizeiberuf für Opfer geschlechtsspezifischer Gewalt zu einem zweischneidigen Schwert werden. "Als Polizistin hat mir mein Beruf als Opfer geschlechtsspezifischer Gewalt Nachteile gebracht, weil vorausgesetzt wird, dass ich mich wehren kann", räumt eine der Beamtinnen ein. Diese Vermutung der Selbstverteidigungsfähigkeit kann zur Unterschätzung des Risikos und zu weniger Schutz seitens der Institution führen. Die "schwarze Wolke", diese bedrückende Atmosphäre der Kontrolle, die der Aggressor webt, verschärft sich, wenn das Opfer Kenntnisse in Selbstverteidigung besitzt, da der Täter dies als Herausforderung oder ironischerweise als Grund für intensivierte Kontrolle wahrnehmen kann.
Begos Aggressor erstattete beispielsweise dutzendfach Anzeige gegen sie, eine übliche Taktik, um das tägliche Leben des Opfers zu behindern, obwohl sie stets freigesprochen wurde. Drohungen, ihr die Tochter wegzunehmen – ein wiederkehrendes Erpressungsmittel – oder das Kratzen am Auto waren Teil eines jahrelangen Gewaltmusters. Das Zusammenleben wurde zur Hölle, was Ane zwang, ihren Wohnort zu wechseln. Die Diffamierungskampagne gegen sie, sogar unter Kollegen, machte sie in ihrem Dorf zur "unerwünschten Person", eine ähnliche Situation wie bei Bego. Der Trennungsprozess, der ein Recht sein sollte, verwandelte sich in einen juristischen und emotionalen Kampf, geprägt von Angst und Unsicherheit.
## Das Risiko, gemeinsam Dienst zu tun
Schutzanordnungen garantieren trotz Gültigkeit nicht immer totale Sicherheit. Beide Beamtinnen trafen bei Einsätzen auf ihre Ex-Partner, was sie zwang, sich zurückzuziehen oder zusätzliche Vorsichtsmaßnahmen zu treffen. "Obwohl wir in verschiedenen Einheiten und Gruppen sind, können uns dieselben Orte zugewiesen werden", erklärt Ane. Der Mangel an interner Kommunikation über die Anwesenheit eines Aggressors im selben Dienst erzeugt hochriskante Situationen. Die Rechtfertigung durch das Datenschutzgesetz, das es verbietet, dem Opfer mitzuteilen, ob gegen seinen Aggressor disziplinarisch vorgegangen oder ihm die Waffe entzogen wurde, wird von ihnen als Ausrede gesehen, mehr an den Täter als an das Opfer zu denken. Die Notwendigkeit, dass sie selbst Änderungen am Fahrzeug oder die Anwesenheit ihres Ex-Partners melden müssen, unterstreicht die Dringlichkeit, die Protokolle zu reformieren und eine flüssige, effektive Kommunikation zum Schutz der Beamtinnen zu gewährleisten.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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