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Begnadigungen für Korruptionsverurteilte sorgen in Spanien erneut für Wirbel
Die spanische Regierung begnadigt Laura Borràs und zwei weitere wegen Unterschlagung Verurteilte. 335.700 Euro, 18 Aufträge und ein PP-Referat befeuern die Kontroverse.
Das Staatsblatt, das drei wegen Korruption Verurteilte begnadigt
Wenn die Justiz Jahre brauchte, um Laura Borràs zu verurteilen, brauchte die Regierung deutlich weniger Zeit, um ihr den Amtsverlust zu erlassen. Die Veröffentlichung der Begnadigungen von drei wegen Amtsmissbrauchs, Unterschlagung und Urkundenfälschung Verurteilten im Boletín Oficial del Estado, dem spanischen Staatsanzeiger, hat die Debatte über die Nutzung des Gnadenrechts neu entfacht. Es handelt sich keineswegs um Bagatellfälle: Es geht um Straftaten gegen die öffentliche Verwaltung, die rechtskräftig entschieden wurden.
Wer begnadigt wurde und warum die Verurteilten verurteilt waren
Der Name, der für den größten Wirbel gesorgt hat, ist Laura Borràs i Castanyer, die vom Obersten Gericht Kataloniens zu neun Jahren Amtsverbot wegen administrativen Amtsmissbrauchs verurteilt wurde. Nach Angaben der Anklage vergab Borràs zwischen 2013 und 2017 insgesamt 18 Aufträge im Wert von 335.700 Euro an einen befreundeten Informatiker, Isaías Herrero, die angeblich illegal aufgesplittet und über Strohfirmen bezahlt wurden. Die E-Mails in den Akten sind vernichtend: Die Politikerin bot selbst an, falsche Kostenvoranschläge zu erstellen, um einen Wettbewerb vorzutäuschen.
Neben ihr wurden Juan Fernández Gutiérrez, der wegen Unterschlagung öffentlicher Gelder zu drei Jahren Haft verurteilt worden war, und Natalio Grueso Rodríguez, der zu fünf Jahren wegen fortgesetzter Unterschlagung in Tateinheit mit Urkundenfälschung verurteilt worden war, begnadigt. Alle drei haben ihre Strafen durch Beschluss des Ministerrats reduziert oder aufgehoben bekommen.
Das PP-Referat und der politische Lärm
Das Auffälligste an dem Vorgang ist nicht die Entscheidung selbst, sondern dass eine der Begnadigungen von der Stadtratsfraktion der PP (Spaniens größter konservativer Partei) befürwortet wurde, wie El País berichtete. Dieses Detail bringt das Narrativ von den „Begnadigungen für Parteifreunde“ durcheinander und öffnet die Tür zu einer unbequemeren Analyse: Wenn die Justiz der Politik zu nahe kommt, riecht es immer nach Absprache. Kritiker der Regierung behaupten, diese Begnadigungen seien der Preis für die Amtsübernahme und die Stimmen der Unabhängigkeitsparteien. Andere erinnern daran, dass die Maßnahme legal und in der Verfassung verankert ist, auch wenn ihr Einsatz bei Korruptionsfällen zumindest fragwürdig ist.
Wie weit reicht eine Begnadigung?
Es sei klargestellt: Die Begnadigung ist teilweise und löscht die Vorstrafen nicht. Sie kann zudem nicht auf nicht rechtskräftige Urteile angewandt werden, was dem Spielraum der Regierung Grenzen setzt. Dennoch kommt die Entscheidung in einem Moment höchster justizieller und politischer Spannung, in dem mehrere Regierungsmitglieder unter Untersuchung stehen und das Schatten der Amnestie liegt, die den Unabhängigkeitsführern bereits gewährt wurde. Das Gefühl, dass die Macht die eigenen Leute begnadigen kann, lässt sich schwer neutralisieren, zumal die Urteile noch frisch und deutlich waren.
Mit dem Hintergrundrauschen einer möglichen europäischen Klage ist das Einzige, was sicher ist, dass diese drei Unterschriften im Staatsanzeiger nicht die letzten sein werden. Die Legislaturperiode hat noch lange nicht endet, und das Repertoire an Begnadigungen auch nicht.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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