Baltimore-Brücke: Kein GPS-Beweis, Schiff ohne Strom

Keine Beweise für eine GPS-Manipulation am Baltimore-Brückenunglück. Analysen deuten auf Stromausfall und Ermüdung des Stahlwerks hin.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Die Francis Scott Key Bridge in Baltimore und die Theorie der GPS-Manipulation

Ein Containerschiff rammte einen Pfeiler der Francis Scott Key Bridge in Baltimore, woraufhin mehrere Fahrzeuge in den Fluss stürzten. Es geschah in den frühen Morgenstunden. Noch bevor die Trümmer erkalteten, konkurrierte die Unfallversion mit einer lauteren Erzählung: einem manipulierten GPS, das das Schiff direkt gegen den Pfeiler gelenkt haben soll. Im Hintergrund ein weiterer Faktor: Warnungen vor einer geomagnetischen Sturmwelle, die laut veröffentlichten Berichten genau an diesen Tagen die Erde treffen sollte.

Das ist die Art von Geschichte, die sich fast von selbst schreibt. Deshalb lohnt es sich, sie ruhig und datenbasiert zu betrachten, denn die spektakulärste Version lässt viele Fragen offen.

Was über den Zusammenstoß bekannt ist

Der Containerfrachter fuhr durch die Bucht, als er den Pfeiler traf und den Einsturz der Struktur auslöste. Die Unglückszeit lag gegen 1:00 Uhr morgens Ortszeit. Laut den im Thread diskutierten Berechnungen herrschte in der Bucht zu diesem Zeitpunkt ein Tidenhub von 1,2 Metern zwischen Ebbe und Flut bei Vollmond, also maximale Strömungsverhältnisse. Kein Detail unwichtig: Ein Rumpf dieser Größe ohne Steuerung wird von der Gezeitenströmung wie ein treibendes Gebäude bewegt.

Bezüglich der Befehlsgewalt gibt es Verwirrung, die geklärt werden muss. Bei der Hafenausfahrt entscheidet nicht allein der Kapitän: Ein Lotse ist an Bord, und nach einigen Berichten befanden sich hier sogar zwei Lotsen sowie Unterstützungsschlepper an Bord. Dass ein Schiff dieser Dimensionen den Hafen verlässt und sich dabei nur auf das GPS im Autopiloten verlässt, ist keine plausible Hypothese.

Die These der GPS-Manipulation und ihre Herkunft

Der Kern des Arguments lautet, dass das Positionierungssystem des Schiffs eine falsche Position und Geschwindigkeit meldete und es in einer Rechtskurve gegen den Pfeiler steuerte. Als Präzedenzfälle werden zwei Episoden genannt: die Russland zugeschriebene Signalstörung in der Krim zur Ablenkung von Raketen und ein Vorfall, bei dem das Flugzeug des britischen Verteidigungsministers über polnischem Gebiet nahe dem russischen Luftraum nach Verlust des Signals auf manuelle Instrumente zurückgreifen musste. Piloten hätten das Flugzeug gerettet, so heißt es.

Dann ist da noch der Kalender. Am 25. März gab es eine Warnung vor einem geomagnetischen Sonnensturm der Stufe G2 mit erwartetem Einschlag auf der Erde. Wenn etwas einen Navigationsfehler tarnen kann, dann ein gestörter Himmel.

  • Geomagnetischer Sturm der Stufe G2 mit erwartetem Einschlag am 25. März
  • Vorfall mit dem Flugzeug des britischen Verteidigungsministers, datiert auf den 14. März
  • Anschlag in Moskau, am 22. März

Das Szenario erinnert verdächtig an einen Dialog aus einem Spionagefilm, in dem die GPS-Signalübernahme diskutiert wird, um Schiffe, Regierungen und sogar Personen abzulenken. Dennoch hat niemand technische Aufzeichnungen vorgelegt, die belegen, dass das Signal des Schiffs manipuliert wurde. Die Hypothese kursiert, wird wiederholt und verstärkt, ohne öffentliche Beweise, die sie stützen.

Der schwarze Rauch deutet auf einen Stromausfall hin

Hier beginnt die Hacker-Version ins Wanken zu geraten. Auf den Bildern ist zu sehen, dass das Schiff zweimal die Energie verliert und nach jedem Ausfall einen Motor oder Hilfsgenerator mit unverkennbarem schwarzem Rauch startet. Dieser Rauch stammt laut Analyse eines Beteiligten vom Start eines Diesels, nicht von einem alternativen Antriebssystem. Die Sequenz passt zu einem Schiff, das die Steuerung verliert und aufgrund seiner Trägheit weiterfährt.

Die AIS-Spur weist laut derselben Darstellung in dieselbe Richtung: Der Rumpf driftet dorthin, wohin der Wind drückt, sobald der Strom ausfällt, und leider trifft diese Drift genau den Pfeiler. Niemand muss das GPS eines solchen Frachters hacken; es reicht, wenn die Kontrollsysteme mitten im Kanal ausfallen.

Warum dreht das Schiff kurz vor dem Aufprall nach Steuerbord?

Weil dies der Punkt ist, der in der reinen Unfallerklärung nicht ganz passt. Das Schiff kam auf einem Kurs und führt im letzten Abschnitt eine Drehung nach Steuerbord zum Pfeiler aus. Hätte es keinen Antrieb gehabt, hätte die Trägheit es auf dem vorherigen Kurs gehalten, nicht zum Pfeiler hin. Das argumentieren jene, die an der Manöver etwas Seltsames sehen.

Ohne Motor hätte die Trägheit die Bahn bewahrt, aber die Enddrehung existiert und wurde niemand mit Daten erklärt. Den Lotsen wird ein verzweifelter Kampf zugeschrieben, den Rumpf abzulenken. Das letzte Wort hätte auf dem Papier die Black Box.

Die Black Box, die zwei Minuten vorher aufhörte

Und hier kommt das Detail, das alle Verdachtsmomente nährt: Laut Veröffentlichungen stoppte das Voyage Data Recorder (VDR)-System des Schiffs, der VDR, die Datenaufzeichnung zwei Minuten vor dem Aufprall, schaltete sich aus und wieder ein, und an Bord wurden keine verständlichen Audio- oder Videoaufnahmen wegen Hintergrundrauschens gefunden. Ein modernes Schiff mit stummen Black Boxes im exakten Moment des Unglücks.

Für manche ist dies der Beweis, dass jemand das Schiff manipulierte. Für andere die logische Folge eines Stromausfalls: Wenn der Strom weg ist, geht auch die Aufzeichnung weg. Das Problem ist, dass diese Übereinstimmung keine der beiden Versionen abschließend klärt.

Materialermüdung und eine frisch gestrichene Brücke

Von der Brücke hieß es, sie wirke makellos, frisch gestrichen, ohne sichtbare Korrosion. Das Argument kehrt sich gegen die Annahme: Materialermüdung ist mit bloßem Auge nicht sichtbar. Stahl kann innen verschlissen sein und außen perfekt aussehen. Wenn eine Struktur konstantem LKW-Verkehr standhält und nur durch Farbschichten instand gehalten wird, ist ein Versagen keine ferne Hypothese.

Das Gegenargument: Römische Brücken stehen nach Jahrhunderten der Nutzung noch. Der Vergleich ist unfair — andere Lasten, andere Designs —, aber er zeigt auf das Übliche: Wartung und Investitionen, nicht Sabotage, sind die ersten Verdächtigen, wenn so etwas bricht.

Mit verlorener Leistung, AIS-Anzeige der Drift und unvollständiger Black Box stützt sich jede Erklärung auf die Lücke, die die andere hinterlässt. Und diese Lücke bleibt offen.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (208 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver