Bakhmut: Russlands Abnutzungstaktik seit über vier Monaten

Über vier Monate russischer Ansturm auf Bakhmut für wenige Straßen. Die Abnutzungstaktik wird mit Verdun, Rschew und der sowjetischen Doktrin verglichen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Bakhmut: Russlands Abnutzungstaktik seit über vier Monaten
Bakhmut, das kleine Verdun, wo Moskau auf Abnutzung setzt

Mehr als vier Monate Ansturm, um vorzurücken, was ein Kritiker als „ein paar Laternen“ zusammenfasste. Das ist die Bilanz der Front von Bakhmut — Artemowsk —, wo die russischen Streitkräfte, mit der Wagner-Gruppe an vorderster Linie, in einem Stellungskrieg feststecken, der weniger wie eine moderne Manöverkriegsführung aussieht als wie die großen Infanterieschlächtereien des 20. Jahrhunderts. Laut einem Beteiligten hätte die Stadt Mitte Oktober fallen sollen, aber der massive Zustrom von Verstärkungen verhinderte dies, und das Ergebnis wird als ein kleines Verdun beschrieben. Die Frage, die über der Analyse schwebt, ist keine taktische: Warum zahlt man diesen Preis für ein paar Quadratmeter, die nirgendwohin führen?

Warum wurde Bakhmut zum Stellungskrieg?

Nach mehr als vier Monaten Offensive hat sich die Front kaum bewegt. Es wird offen über Stellungskrieg gesprochen, den klassischen Stellungskrieg, wie er in weiten Teilen des Donbas herrscht. Der Vergleich mit Verdun und Rschew ist keine Rhetorik: In beiden Fällen wurden Abnutzungsschlachten um Ziele von begrenztem Wert geführt, bei denen die Zahl der Verluste am Ende wichtiger war als das eroberte Gelände. In Bakhmut — und im benachbarten Pisky — passiert dasselbe, mit dem Unterschied, dass das Ziel in Straßen gemessen wird, nicht in Kilometern.

Die Überraschung liegt nicht nur auf einer Seite. Wenn die russische Langsamkeit verwirrt, ist auch die Logik dessen unverständlich, wer sich monatelang für „ein paar Quadratmeter, die nirgendwohin führen“ blutet. Die Abnutzung ist gegenseitig, und die Grundfrage lautet, wer den Puls länger aushält.

Von Schukow zu Wagner: Die alte Doktrin der Masse

Die am häufigsten wiederholte Erklärung verweist auf den Zweiten Weltkrieg. Die Taktik, Wellen von Truppen zu entsenden, bis der Gegner kollabiert, war das Markenzeichen von Marschall Schukow, der wegen der menschlichen Kosten, die er in Kauf nahm, „der Schlächter“ genannt wurde. Der am meisten kursierende Parallelismus beschreibt die Wagner-Gruppe als ein zeitgenössisches Strafbataillon, mit Verantwortlichen im Hinterland, die Desertionen verhindern sollen.

Der zentrale Vorwurf ist, dass sich die Doktrin in achtzig Jahren nicht geändert hat. Dieselbe Logik der Horde, die durch Masse vorrückt, taucht in einer Armee des 21. Jahrhunderts wieder auf, und manche fügen einen unbequemen Nuance hinzu: Im Großen Vaterländischen Krieg war die externe Versorgung entscheidend, um den deutschen Vormarsch zu stoppen, während diese Hebel jetzt gegen Moskau wirken. Die Technologie, so diese Lesart, eliminiert den Vorteil der Masse.

Über dem Gelände schwebt ein weiterer Verdacht. Eine wiederkehrende Lesart deutet auf die Sarracena der mobilisierten Truppe hin: Die Kommandeure würden von den Rekruten einen Enthusiasmus erwarten, den sie nicht zeigen, und diese Kluft würde erklären, warum auf frontale Durchbrüche bestanden wird, statt nach kostengünstigeren Manövern zu suchen.

Das syrische Handbuch: Artillerie, Scharfschützen und Geduld

Ein anderer Strang führt den Ursprung der Taktik näher heran: die großen urbanen Schlachten der syrischen Armee. Die Methode bestand darin, den Verteidiger durch Artillerieüberlegenheit ohne Gefährdung der Infanterie ausbluten zu lassen, mit Scharfschützen zu picken und mit Panzereinheiten, die frei schießen können, den Rest zu geben. Syrien, mit der in Teheraner Akademien ausgebildeten Republikanischen Garde, und die schiitische Miliz in Al-Qusair wären das Testfeld gewesen; die Russen, sagt diese These, sahen dieses Modell in Aleppo ausgeführt werden.

Hier spaltet sich die Analyse. Für einige demonstriert die Geduld der Artillerie Effizienz und Einsparung eigener Leben; für andere ist es die Bestätigung, dass keine andere Doktrin verfügbar ist. Ein finales „Hölle“ wird angekündigt, wenn die Panzertruppen durch die Flanken brechen. Ob es kommt oder nicht, unterschreibt niemand.

Von der Front zum Dollar: Die Debatte, die vom Kartenblatt abwich

Ein Großteil der Diskussion driftete zur Geopolitik und Wirtschaft. Manche erinnern daran, dass [BRussland mehr als doppelt so groß wie Australien ist[/B], das Argument, dass ein solches Land nicht völlig irrelevant sein kann. Dagegen die Erwiderung: Es sind kalte Länder ohne strategischen Wert seit dem 19. Jahrhundert, und Größe übersetzt sich nicht in Entwicklung.

Dieselbe Spannung überträgt sich auf die monetäre Ebene. Ein Teil behauptet, dass das westliche Finanzsystem davon lebt, Geld ohne Deckung zu drucken, dass der Dollar eher aufgrund von Konvention als Solidität genutzt wird und dass, wenn der Hahn für ein Land zugedreht wird, dieses Zuflucht in anderen Währungen sucht. Die Erwiderung ist elementar: Den Zerfall eines Rivalen zu wünschen entspricht nicht seinem Erreichen.

Die Bilanz, die irritiert

Am Ende ist die Zahl, die das Gesamtbild zusammenfasst, nicht das eroberte Gelände, sondern die Berechnung über die Verlustquoten. Wenn die Taktik funktioniert, sollte die Abnutzung des Verteidigers weit über die des Angreifers steigen, mit Verhältnissen, die manche auf 10 zu 1 und tausende tägliche Verluste hochschrauben. Wenn diese Zahlen wahr wären, wäre die Stadt vor Monaten gefallen. Und sie ist nicht gefallen.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (143 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver