Aznar fordert seine Kritiker heraus, den Schmutz wegzuschrubben, den er einst anderen überließ
Ein ehemaliger Ministerpräsident, der – so der im Debate wiederkehrende Vergleich – mit rund 3.000 Einwanderern in Spanien an die Macht kam und mit fast zwei Millionen ging, hat einen Satz losgelassen, der die Diskussion entfacht hat: Wer die Abschiebung der Migranten fordere, solle sich freiwillig für deren Stellen melden. Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Und sie war alles andere als verhalten. Die seit Monaten andauernde Debatte hat sich zu einer Abrechnung mit der Migrationspolitik der Regierungen der Partido Popular (PP) entwickelt, mit der Reform des Ausländergesetzes von 2000 als zentralem Anklagepunkt.
Das Argument des Ex-Regierungschefs, dargelegt bei einem öffentlichen Auftritt, geht von einer unbequemen Prämisse aus: In Branchen – Bau, Gastgewerbe, Pflege – finde sich keine einheimische Arbeitskraft, die bereit wäre, die angebotenen Bedingungen zu akzeptieren. Daraus seine Herausforderung. Das Kleingedruckte jedoch hat die Gemüter erhitzt: Im selben Auftritt spricht er von der Unmöglichkeit, alle Migranten abzuschieben, weil es an Arbeitsnachfolgern fehle, unterscheidet zwischen legaler und irregulärer Migration und behauptet, die demografische Krise lasse sich nicht durch importierte Bevölkerung lösen. Ein verhaltener Beitrag, fassen manche zusammen.
Von 3.000 auf zwei Millionen: das Erbe, für das sich niemand verantwortlich fühlt
Die meistgenannte Zahl in der Diskussion ist keine Meinung, sondern ein Bestandsvergleich. Nach der kursierenden Formulierung gab es, als die PP an die Regierung kam, rund 3.000 registrierte Migranten; bei ihrem Abgang fast zwei Millionen. Auf dieser Zahl fußt die These, dass die erste große Massenlegalisierung nicht sozialistisch, sondern konservativ war. Die 2000 verabschiedete Reform des Ausländergesetzes erlaubte es, die Anwesenheit mit kaum mehr als einem Busticket nachzuweisen, so die kursierende Darstellung. In diesem Rahmen nahm die spanische Wirtschaft während des Baubooms intensiv Arbeitskräfte auf.
Aus verschiedenen Richtungen wird Lohndumping vorgeworfen. Die Masseneinwanderung ausländischer Arbeitnehmer in prekären Verhältnissen habe die Löhne in den geringer qualifizierten Sektoren nach unten gedrückt und Verbesserungen der Tarifverträge verhindert. Vor dieser Welle, so das Argument, hätten spanische Kellner die Gewerkschaften zu besseren Bedingungen gedrängt. Danach fand die Arbeitgeberschaft eine gefügigere Reservearmee. Die Folge sei nicht, dass Spanier nicht arbeiten wollten: Der angebotene Lohn reiche schlicht nicht zum Leben.
Warum steigen die Löhne nicht, wenn Arbeitskräfte fehlen?
Der häufigste Einwand gegen die Rede des Ex-Regierungschefs ist ein Lehrbuchargument: Wenn Arbeitskräfte wirklich fehlen, sollte der Markt mit höheren Löhnen reagieren. Dass dies nicht geschieht, zeige für diese Richtung, dass das Problem nicht der Mangel an Händen ist, sondern die Existenz einer Gruppe, die mit weniger vorliebnimmt. Die Erhöhung des Mindestlohns habe nicht gereicht, so das Argument, weil der Arbeitnehmer mit abbezahltem Haus eine kleine Rente plus Schwarzarbeit dem Rackern vorziehe und der Junge einige Monate aushalte, um auf etwas Besseres zu warten. Das Ergebnis sei ein Gleichgewicht niedriger Löhne, gestützt auf die migratorische Rotation.
Auf der Gegenseite verweist die Verteidigung des Systems auf die Produktionsstruktur. Spanien war bei Patenten, Forschung und Technologie nie führend, die Produktivität stagniert seit Jahren. Massenabschiebungen würden an diesem Bild nichts ändern: Pflege-, Landwirtschafts- und Baujobs blieben unbesetzt, weil das Problem am Modell liegt, nicht an der Nationalität. Die von dieser Seite vorgeschlagene Alternative ist eine andere: öffentlicher Mietwohnungsbestand und ein Grundeinkommen, das den Arbeitsmarkt neu ordnet.
Der Spiegel der spanischen Auswanderung
Die Diskussion nimmt eine historische Wende, wenn sie mit der eigenen Diaspora verglichen wird. Nach den im Thread genannten Zahlen verließen zwischen 1960 und 1975 rund 3,5 Millionen Spanier Deutschland, Frankreich und die Schweiz in Richtung... genauer: sie gingen nach Deutschland, Frankreich und in die Schweiz, auf der Flucht vor der Armut, und die Hälfte tat dies laut Schätzungen irregular, am Spanischen Auswanderungsinstitut vorbei. 1960 lag die Analphabetenrate bei den über 25-Jährigen landesweit bei etwa 15 %, in Andalusien, Galizien, Extremadura und Kastilien-La Mancha, den Hauptabwanderungsregionen, jedoch über 25 %. In Jaén konnte jede dritte Frau über 15 weder lesen noch schreiben.
Diese Emigranten wurden in der Schweiz und in Deutschland mit abwertenden Etiketten empfangen, Türen blieben wegen der Hautfarbe oder der fehlenden Sprachkenntnisse geschlossen, so die zitierten Zeugnisse. Der Vergleich dient als Spiegel: Wer heute die Schließung der Grenzen fordert, stammt von jenen ab, die einst selbst bei anderen anklopften. Die Gegenantwort folgt prompt: Legale Emigration mit Vertrag sei etwas anderes als die irreguläre Grenzüberquerung. Die Debatte darüber, welcher Anteil jener Auswanderung legal war, ist noch offen, und die Analphabetenzahlen schwanken je nach Quelle und Altersgruppe zwischen 11 % und 15 %.
Die fiskalischen Kosten und das Kleingedruckte des Systems
Die wirtschaftliche Front der Debatte dreht sich um den Nettobeitrag zur Staatskasse. Gefragt wird, wie viele Migranten Leistungen konsumieren, ohne je eingezahlt zu haben; die Antwort der Gegenseite unterscheidet zwischen Irregulären und Legalen, zwischen jenen, die seit Jahren beitragen, und Neuzugekommenen. Die Zahl von 100.000 Abtreibungen jährlich über drei Jahrzehnte taucht in der Diskussion als demografische Erklärung für die Arbeitslücke auf: weniger eigene Geburten, mehr importierte Arbeitskräfte. Es ist ein Argument, das Geburtenpolitik mit Migrationspolitik vermischt und das hier niemand belastbar beziffert hat.
Klar heraus kristallisiert sich hingegen der Konsens über Selektivität. Fast niemand verteidigt die Abschiebung von Einzahlern. Der Reibungspunkt liegt bei den Irregulären, den Wiederholungstätern und jenen, die nie in den formellen Arbeitsmarkt eintreten. Der Vorschlag, der an Boden gewinnt, ist die selektive statt der massenhaften Abschiebung, mit dem Hinweis, dass das System ohne Führungszeugnis-Prüfung an Legitimität verliert.
Das unbequeme Erbe: vom 11-M bis zur Blase
Die Diskussion bleibt nicht bei der Migration. Sie driftet zur wirtschaftlichen Bilanz der Konservativen-Jahre: der Euro-Einführung 2002, dem Verkauf strategischer Unternehmen, dem Baugesetz, das den Hochbau zum Eckpfeiler des Wachstums machte, und dem Fehlen eines öffentlichen Mietwohnungsbestands, der den Preisanstieg hätte dämpfen können. Auch der Umgang mit den Madrider Zuganschlägen von 2004 (11-M) und die Entscheidung, eine Parlamentswahl trotz Terroralarm nicht zu verschieben, werden erwähnt.
Das Ergebnis ist ein Konterlichtporträt: Ein Regierungschef, der heute vor Multikulturalismus und irregulärer Einwanderung warnt, der aber nach Ansicht seiner Kritiker die Tür öffnete, das Dumping tolerierte und keine Geburtenpolitik betrieb. Die bestmögliche Verteidigung lautet, der Kontext sei ein anderer gewesen und die Wirtschaft habe Hände gebraucht. Mit den Zahlen auf dem Tisch bleibt die demografische Bilanz jener Jahre, wie sie ist. Und die Frage, die in der Luft hängt – wer schrubbt, wer pflegt, wer mauert –, hat bis heute keine billige Antwort.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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