Ayuso fordert EU-Prüfung von Spaniens Migrationspolitik

Kanaren verzeichnen 3.678 Migranten im Januar 2024, ein Plus von 286%, während Frontex ohne Einsatzplan in Spanien bleibt.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Ayuso fordert EU-Prüfung von Spaniens Migrationspolitik
Ayuso fordert EU-Prüfung von Spaniens Migrationspolitik

Was geschieht an den spanischen Grenzen, dass die Präsidentin der Region Madrid Brüssel auffordert, die Politik der Zentralregierung zu überprüfen? Die Zahl, die alle Alarmglocken läutet, kommt von den Kanarischen Inseln: In den ersten zwei Wochen des Jahres 2024 trafen 3.678 irreguläre Migranten ein, was einem Anstieg von 286% gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die Inselgruppe übertrifft bereits die Rekordwerte der „Cayucos“-Krise von 2006, und das Jahr 2023 endete als das schlechteste Jahr für irreguläre Migration seit Beginn der statistischen Erfassung im Jahr 2005. Vor diesem Hintergrund hat Isabel Díaz Ayuso gefordert, dass die Europäische Union „die Sache in die Hand nehmen“ und prüfen soll, wie die Regierung unter Pedro Sánchez die Grenzen schützt.

Die Daten, die alle Warnungen auslösen

Der Konflikt ist nicht nur politischer Natur. In den ersten drei Januarwochen empfing Spanien mehr irreguläre Einreisen auf dem Seeweg als Italien, Griechenland, Zypern und Malta zusammen, laut einem Bericht des UN-Hochkommissariats für Flüchtlinge (UNHCR). Diese von mehreren Medien verbreiteten Zahlen zeichnen das Bild einer überlasteten Route zu den Kanaren und eines Flughafens Barajas, der nach Angaben der Staatsanwaltschaft ein Brennpunkt irregulärer Migration geworden ist: „Massive und unkontrollierte“ Ankünfte belasten polizeiliche und gesundheitliche Ressourcen. Das Rote Kreuz warnte selbst davor, dass ein möglicher Abzug von Frontex die Ankunftszahlen vervielfachen würde.

Ein Element trägt zusätzlich zur Verwirrung bei: Frontex, die europäische Grenzschutzagentur, stellte ihre Operationen in Spanien vorübergehend ein, da sich die Regierung weigerte, den operativen Plan für 2024 zu unterzeichnen. Innenminister Fernando Grande-Marlaska behauptete, die Vereinbarung werde „innerhalb von Stunden“ geschlossen. Die EU forderte die Regierung unterdessen auf, eine Zusammenarbeit auf den Kanaren zuzulassen: „Ohne einen Antrag der Regierung können wir sie nicht unterstützen“, erklärte der Exekutivdirektor von Frontex im Europäischen Parlament. Der Präsident der Kanarischen Inseln, Fernando Clavijo, bat darum, vor dem Europäischen Parlament wegen der „extremen Lage“ der Inselgruppe aussagen zu dürfen.

Wer verwaltet die Unterkünfte für unbegleitete Minderjährige und warum wird darüber gestritten?

Der Kompetenzstreit ist der zweite große Schwerpunkt. Ein Teil der Analyse besagt, dass die Einrichtungen für unbegleitete minderjährige Ausländer von der Comunidad de Madrid abhängen und die Madrider Präsidentin daher direkten Handlungsspielraum habe. Eine andere Strömung entgegnet, dass Migrationspolitik und Grenzkontrolle ausschließliche Angelegenheiten der Zentralregierung seien und es eine Form der Problemlösungsvermeidung darstelle, von Brüssel Dinge zu fordern, die in Moncloa (dem Sitz der spanischen Regierung) nicht gelöst werden. Ayuso selbst erklärte gegenüber Vox, dass „Kriminalität nichts mit der Herkunft der Menschen zu tun hat“, und bat darum, migrantische Minderjährige nicht pauschal zu stigmatisieren – was im Widerspruch zum Ton ihrer eigenen Forderungen an die EU steht.

Die Debatte hat sich auch auf Dokumentenfälschung ausgeweitet. Nach vorliegenden Informationen werden am Flughafen Barajas Fälle von Personen registriert, die sich als Minderjährige ausgeben, sowie Bürger, die ihre Nationalität fälschen, um Asyl zu beantragen. Die Staatsanwaltschaft warnt, dass der Flughafen ein Zentrum irregulärer Migration sei, und das spanische Konsulat in Tanger entließ einen Mitarbeiter wegen Visa-Verkaufs. Fünf Mitarbeiter des Flughafens El Prat wurden festgenommen, weil sie bei illegalen Einreisen halfen, indem sie Ausweise und Uniformen bereitstellten, um Kontrollen zu umgehen.

Der politische Schlagabtausch: Von Junts bis Orbán

Die Übertragung von Migrationskompetenzen an die katalanische Partei Junts per Catalunya hat die sozialistischen Regionalpräsidenten aufgeschreckt. Emiliano García-Page, Präsident von Kastilien-La Mancha, kritisierte dies scharf: „Wenn Vox das gefordert hätte, wären wir empört gewesen.“ In Brüssel erklärte die konservative Partido Popular (PP), dass Sánchez’ „Untätigkeit“ in der Migrationsfrage die „Sicherheit der EU gefährdet“, und beschuldigte die Regierung, die Kanaren, Ceuta und Melilla „ohne Hilfe sterben zu lassen“. Parallel dazu kündigte der ungarische Premierminister Viktor Orbán an, das Asylgesetz zu missachten und Busse mit Migranten nach Brüssel zu schicken, was den europäischen Machtkampf weiter verschärft.

Der wirtschaftliche Hintergrund wird am wenigsten diskutiert, wiegt aber am schwersten. Befürworter einer gut ausgestatteten Migrationspolitik argumentieren, dass Ausländer, die Immobilien bar bezahlen, mit Visum, privater Krankenversicherung und Ersparnissen kommen, die sie in Spanien investieren, ohne vom ersten Tag an öffentliche Ausgaben zu verursachen. Gegner des aktuellen Modells halten dagegen, dass irreguläre Einreisen sofortige Kosten für Gesundheit, Sicherheit und Sozialwesen verursachen. Der Vergleich beider Profile – und ihre tatsächlichen fiskalischen Auswirkungen – fehlt weiterhin in einer offiziellen Aufschlüsselung.

Was noch offen ist

Der operative Plan von Frontex für 2024 ist zum Zeitpunkt dieser Diskussion immer noch nicht unterzeichnet, und die Kanaren halten ihren Antrag auf Anhörung im Europäischen Parlament aufrecht. Die EU hat klargestellt, dass sie ohne formellen Antrag der spanischen Regierung nicht eingreifen wird. Unterdessen gibt es Stimmen, die basierend auf veröffentlichten Informationen behaupten, Marokko habe Gefängnisse geleert und Verurteilte nach Spanien geschickt, wobei die staatliche Fluggesellschaft Royal Air Maroc mit den sogenannten „Patera-Flügen“ in Verbindung gebracht wird, die Barajas lahmlegen.

Angesichts dieser Umstände lautet die Frage nicht, ob die EU eingreifen sollte, sondern warum eine Regierung, die sich rühmt, pro-europäisch zu sein, monatelang das Papier nicht unterschreibt, das europäische Hilfe aktiviert. Eine feine Ironie für eine Exekutive, die Solidarität von Brüssel verlangt, während sie die Tür zur Zusammenarbeit fest verschlossen hält.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (140 Antworten).

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