Atomkrieg: Die Überlebenspläne, die niemanden retten

Atomunterstand und drei Jahre Vorräte: der Überlebensplan, der niemanden rettet, wenn der Ukraine-Konflikt zu einem massiven Atomkrieg eskaliert.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Atomkrieg: Die Überlebenspläne, die niemanden retten
Einen Atomkrieg überleben: die Pläne, die niemanden retten

Das Szenario ist so alt wie die Bombe selbst: Wenn Russland die Ukraine überfällt und die NATO in den Konflikt eintritt, kann der konventionelle Kampf in Europa zu einem massiven Atomkrieg eskalieren. Hunger, Schmerz, Elend. Die großen europäischen Städte als bevorzugte Ziele. Die Frage, mit der das Thema eröffnet wird, ist nicht rhetorisch gemeint: Wie überlebt man das?

Die kurze Antwort, die in der Analyse dominiert, lautet: gar nicht. Die Druckwelle, die Hitze der Explosion und der radioaktive Niederschlag erledigen in den ersten Stunden die schmutzige Arbeit. Und wer das Glück hat, in einer abgelegenen Gegend zu leben, dem steht ein mehrjähriger atomarer Winter bevor, in dem die meisten Pflanzen und damit auch die Tiere verschwinden. Der Unterstand mit Vorräten für drei Jahre erscheint als die einzige ernsthafte Option, und selbst dann gibt es keine Garantien.

Der Unterstand, der nicht reicht: drei Jahre Essen und eine feindliche Welt vor der Tür

Der am häufigsten geäußerte Vorschlag ist der Bunker: ein Atomunterstand und drei Jahre Lebensmittel und Wasser. Klingt nach einem Plan. Ist keiner. Selbst wenn Luftfilterung und geschlossenes System das Überleben des ersten Schlags ermöglichen, folgt danach eine Ödland-Szene mit Krankheiten, Seuchen und Plünderungen. Der Dokumentarfilm Threads aus den Achtzigern beschreibt diesen Übergang mit einer schonungslosen Drastik, die bis heute gilt: erste Warnungen, Angriff, Wochen der Abschottung und Angst, Kranke, Diebstahl von Vorräten und Machtmissbrauch. Danach ein Zeitsprung und das Leben Jahre später, zwischen Ruinen und Epidemien.

Das Problem ist weniger, den Angriff selbst zu überleben, als die Welt, die danach kommt. Wem die Waffen gehören, der herrscht. Das ist die Botschaft aus Fiktionen wie Dark, aber auch aus der klassischen Literatur des Genres: On the Beach, die Verfilmung des Romans von Nevil Shute, Alas, Babylon, The Swan Song oder A Canticle for Leibowitz. In allen töten Strahlung und Hunger mehr als die Bomben.

Wie viele Bomben würden fallen, und wo? Die Karte, die niemand sehen will

Die technische Unterscheidung, die kursiert, ist die zwischen strategischen und destruktiven Angriffen. Die ersten richteten sich gegen Militärbasen: Rota, Morón, Torrejón und Zaragoza. Kontrollierte Sprengkraft, unter einer Megatonne. Die zweiten sollten die Erholung des Gegners verhindern und würden auf Großstädte fallen, um maximalen Schaden anzurichten. In Spanien wäre die Liste kurz: Madrid als Hauptstadt und wenig mehr.

Allerdings gibt es die Auffassung, dass das heutige Arsenal nicht mehr dem der Achtziger entspricht. Die Abrüstung hat die größten Bomben verschwinden lassen, übrig blieben nur die, die eine Stadt ausradieren und sonst nichts. Der radioaktive Niederschlag bliebe ein Problem, aber ein so brutaler atomarer Winter bliebe aus. Eine in der Diskussion zitierte Simulation deutet an, dass Spanien wie fast die gesamte südliche Hemisphäre davonkommt – mit hundert oder zweihundert Millionen Toten. Innerhalb von vier Tagen, so das Argument, wären wir wieder bei der alten Überbevölkerung.

Abschreckung funktioniert, bis sie nicht mehr funktioniert

Der breite Konsens lautet, dass Atomwaffen weiterhin der Abschreckung dienen und sie niemand einsetzen wird. Russland kann die Ukraine überfallen, die NATO kann Sanktionen verhängen und sich zur Verteidigung ihrer Mitglieder aufstellen, und damit hat es sich. Die Ukraine ist nicht in der NATO. Würde der Konflikt direkt, lautet das Drehbuch eine Warnung: etwas ins Meer schießen, eine Mininuke gegen einen Schiffsverband oder eine Kaserne. Nimmt der Gegner den Wink nicht an, dann ja: Städte und Weltuntergang.

Das Problem dieses Gedankens ist, dass er voraussetzt, dass Verrückte nie an die Macht kommen. Und davon gab es im letzten Jahrhundert einige. Der häufigste Einwand: Die Eliten wollen nicht jahrelang in einem unterirdischen Bunker leben, auch nicht auf anderen Planeten, wie manche Milliardäre vorschlagen. Sie wollen weiter im großen Stil leben. Das, und nicht die Güte, ist es, was den Knopf zurückhält.

Tschernobyl, die Sahara und das Atoll: die Strahlung, die gar nicht so viel tötet

Gegen die Katastrophenerzählung gibt es eine Strömung, die sie schlicht bestreitet. Tschernobyl sei so gefährlich, so das Argument, dass Rentner dort ihr Leben führen und die ukrainische Regierung Wachen eher zur Kontrolle als aus anderen Gründen unterhält. Die Sahara war Frankreichs Atomtestgelände, und jedes Frühjahr tragen die Winde nährstoffreichen Sand bis in den Amazonas. Niemand ist an Strahlung gestorben. Krebs gibt es, aber der wird auf Tabak, Asbest und andere Ursachen zurückgeführt.

Das Gegenargument: Die Bomben von Hiroshima und Nagasaki waren Spielzeug im Vergleich zu den stärksten, die es heute gibt. Und der Vergleich mit Tschernobyl trägt nicht: ein Unfall ist kein Austausch von Hunderten Sprengköpfen. Die Diskussion ist jedenfalls nicht abgeschlossen.

Die Option, schnell zu sterben, und die unbequeme Frage

Es gibt eine Haltung, die von vornherein verzichtet: Lieber beim ersten Einschlag sterben, als fünf Jahre in einem Loch zu leben, um nach zwei Monaten draußen zu sterben. Man verlangt nur, nicht im Zentrum der Explosion zu sein. Daraus ergibt sich die Frage, die niemand beantworten will: Würdest du das absolute Böse tun, wenn du weißt, dass du in Tagen oder Wochen stirbst? Manche antworten mit Ja, sie würden sich austoben.

Der Abschluss, falls es einen gibt: Individuelles Überleben hängt von Faktoren ab, die man nicht kontrolliert – wo es einen erwischt, welche Uhrzeit ist, ob der Wind nach Osten oder Westen weht. Unterstände, Vorräte und Luftfilter nützen für den ersten Monat. Danach gleicht die kommende Welt nichts, was wir je erlebt haben.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (75 Antworten).

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