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Arcángel lehnt den Begriff „Latinos“ ab: „Wir sind Hispanoamerikaner“
Arcángel lehnt den Begriff „Latino“ ab und bezeichnet sich als „hispanoamerikanisch“. Der französische Ursprung des Etiketts und der Kampf um die Erzählung von mehr als 20 Ländern.
Arcángel will nicht als Latino bezeichnet werden und öffnet den Sprachstreit neu
Ein Reggaeton-Künstler der ersten Reihe gibt nicht nach. Arcángel beharrt darauf, dass er kein „Latino“ sei, sondern Hispanoamerikaner – und das hat er trotz des Drucks wiederholt, den er erhalten hat, ein großer Teil davon aus Mexiko, wie die Berichterstattung über den Fall zeigt. Die Kontroverse, die in Spanien fast unbemerkt blieb, hat eine alte Debatte neu eröffnet: Wer hat das Etikett „lateinamerikanisch“ erfunden, wem nützt es, und warum bevorzugt ein Puertoricaner das Wort „hispanisch“?
Die Sache hat mehr Substanz, als es scheint. Hinter einem Streit um Bezeichnungen steht ein Kampf um die Erzählung: Welcher Name definiert mehr als zwanzig Länder, wer hat ihn geprägt, welche Macht hat ihn durchgesetzt. Und es ist keine neue Diskussion, auch wenn das Megafon des Reggaeton sie verstärkt hat.
Wer den Begriff lateinamerikanisch erfand
Die am häufigsten wiederholte Version verortet den Ursprung im Frankreich Napoleons III. Der Begriff diente demnach dazu, die imperialen Ambitionen Frankreichs in Mexiko im 19. Jahrhundert zu rechtfertigen – zuerst bei der Blockade und dem sogenannten Pastrykrieg (1838-1839), später beim Versuch, zwischen 1861 und 1867 ein Kaiserreich zu errichten. Die Idee war, den Mexikanern zu verkaufen, dass Franzosen und Amerikaner „Lateiner“ derselben Familie seien und die Invasion daher fast ein Gefallen unter Vettern gewesen sei.
Die These ist nicht unumstritten. Manche halten es für die im Pariser Exil lebenden hispanoamerikanischen Intellektuellen, die das Etikett übernahmen und verbreiteten – mit doppelter Absicht: Abstand zum Hispanischen zu gewinnen und sich vom angelsächsischen Block im Norden abzugrenzen. Eine dritte Strömung sieht in den Angelsachsen die eigentlichen Treiber: Ein Begriff, der Spanien aus der Gleichung nahm, passte perfekt zur „Manifest Destiny“.
Sicher scheint: Das Wort „Latino“ hat im allgemeinen Sprachgebrauch der USA das Wort „Hispanic“ verdrängt, das mit abwertenden Konnotationen behaftet war. Das Ergebnis: ein neues Etikett für eine alte Identität.
Hispanoamerika oder Lateinamerika: Was jedes Lager vertritt
Das Argument derjenigen, die „Latino“ ablehnen, ist doppelt. Erstens etymologisch: Lateiner waren die Bewohner Latiums – weder Mexikaner noch Argentinier stammen von dort. Zweitens politisch: Der Begriff verwischt das spanische, katholische und rechtliche Erbe, das die hispanoamerikanischen Länder teilen. „Hispanoamerikanisch klingt kraftvoll, mit bekanntem Vater und Mutter, mit Herkunft“, fasst eine der kursierenden Positionen zusammen.
Dagegen spricht die Tatsache, dass „Latino“ im Sprachgebrauch, in den Volkszählungen und in den Medien fest etabliert ist. Und dass das hispanische Amerika es selbst überwiegend übernommen hat. Manche erinnern auch daran, dass – streng nach etymologischem Kriterium – nicht einmal Spanier Lateiner wären. Die Debatte verstrickt sich von selbst.
Der Hintergrundlärm ist ein anderer: Die Identitätsdebatte kippt manchmal in eine Ablehnung von Einwanderung, mit Argumenten, die kulturelles Erbe und Migrationspolitik vermischen. Dieser Teil des Themas hat mit Etymologie nichts zu tun.
Warum ein Puertoricaner das Hispanische betont
Puerto Rico nimmt eine Sonderstellung ein. Es ist seit 1898 US-Territorium, seine Bewohner sind US-Bürger, und das Spanische liegt im Dauerwettstreit mit dem Englischen. Das Betonen des Hispanischen dort ist kein nomineller Laune: Es ist eine Position zur eigenen Identität gegenüber der angelsächsischen Assimilation.
Deshalb hat die Geste von Arcángel neben der musikalischen auch eine politische Lesart. Er ist nicht der Erste: Andere Künstler übernehmen den hispanistischen Diskurs, während Publizisten und Autoren ihn verbreiten. Das Etikett, einst Sache von Gelehrten, zirkuliert heute in den Hitlisten.
Bleibt die unbequeme Frage. Wenn der Name so wichtig ist – warum hat sich der durchgesetzt, der seinen Trägern am wenigsten gefällt?
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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