Arbeitslosigkeit über 50: 57 % der Jobsuchenden sind älter als 45

Über 57 % der Arbeitslosen in Spanien sind älter als 45. Der Rat zur Weiterbildung führte bei einem Angehörigen zu familiären Konflikten.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Arbeitslosigkeit über 50: 57 % der Jobsuchenden sind älter als 45
Die Wahrheit sagen und allein dastehen

Täglich lernen, den besten Job der Familie haben und der Einzige sein, der sich weiterbildet. Mit dieser Referenz beschloss jemand, einem arbeitslosen Verwandten zu sagen, dass sein Problem nicht der Arbeitsmarkt sei, sondern dreißig Jahre lang nur einen Knopf gedrückt zu haben. Die Antwort war unangenehmes Schweigen und ein kollektiver Familienstreit. Der Auslöser ist eine unbestreitbare Zahl: Arbeitslose über 45 machen inzwischen mehr als 57 % der Gesamtzahl aus, ein historischer Höchststand. Auf diesem Fundament baute sich eine Diskussion auf, die weit über ein Familienessen hinausgeht.

Was genau wurde dem arbeitslosen Verwandten gesagt?

Der Verwandte war zwei Jahre arbeitslos und beklagte sich, nichts zu finden. Die übliche Reaktion der anderen lautete: „Mach dir keine Sorgen, es wird schon was kommen.“ Worte, die laut dem Protagonisten der Szene nutzlos sind. Er wählte den Gegenweg: Er sagte ihm, er solle Ersparnisse nutzen, sich anstrengen (arrestos) und weiterbilden, denn es sei noch nicht zu spät.

Das Argument zusammengefasst: Ein Leben lang acht Stunden in einer Werkstatt einen Knopf drücken – eine Aufgabe, die seiner Meinung nach auch ein trainierter Affe kann –, ohne eine einzige Stunde in Verbesserung zu investieren. Mit ein bis zwei Stunden täglicher Weiterbildung, Englisch oder Kursen hätte er heute mehr Optionen. Und schloss mit einer allgemeinen Sarracena: „Wir alle können uns jeden Tag verbessern und eine bessere Zukunft sichern, wir geben uns nur zu schnell zufrieden.“

Alle fielen über ihn her. Eine unbequeme Nuance: Wer das erzählte, ist nach eigener Aussage am besten positioniert in der Familie und der Einzige, der sich weiterbildet. Das schützte ihn nicht.

Bringt Weiterbildung mit 50 etwas?

Dies ist die Kernfrage, und die vorherrschende Antwort ist nicht optimistisch. In diesem Alter, so heißt es, schließt der Markt von vornherein aus: Es ist egal, welche Qualifikationen gesammelt wurden, da nur ein sehr kleiner Prozentsatz der Unternehmen ab 50 einstellt. Hinzu kommt, dass ein Kurs allein keine Türen öffnet: Manche veralten innerhalb weniger Monate und enden als Makulatur.

Der alternative Weg führt über Handwerksberufe. Klempnerei, Elektrik, Maurerarbeit oder Gartenbau werden als Bereiche genannt, in denen echter Fachkräftemangel herrscht. Ein weiterer oft genannter Pfad: der LKW-Führerschein, beginnend mit kleinen Fahrzeugen und dem Ziel C+E für Anhänger. Und eine wiederkehrende Warnung: Von jemandem, der nie Englisch gelernt hat, mit 50 Jahren Englischkenntnisse zu verlangen, ist kein Plan.

Dem gegenüber steht ein konkreter Fall, der zum Nachdenken anregt. Ein Bekannter von 42 Jahren – im Heimatland ähnlich wie BWL ausgebildet – meldete sich im Dezember zu einem Schweißkurs an. Vor einem Monat rief man ihn an: Erst Lehrling, dann Schweißer, gut bezahlte Überstunden, Sommer durchgehend Arbeit und 2.300 Euro netto pro Monat. Zufrieden, sagt er, trotz der Härte.

Das Arbeitslosengeld für Über-52-Jährige und die Rechnung, die kaum jemand macht

Hier wird die Diskussion zur Gehaltsfrage. Bei zwei Jahren Arbeitslosigkeit geht man im Forum davon aus, dass eine Kündigung mit 50 mit Abfindung einhergeht und dass nach Ablauf des Leistungsanspruchs das Zuschussgeld für Über-52-Jährige beantragt werden kann, sofern zwei Bedingungen erfüllt sind, die wie ein Mantra wiederholt werden: 15 Beitragsjahre und keine Schulden.

Die optimistische Berechnung sieht in diesen zwei Jahren ein perfektes Zeitfenster: Bezahlt werden, um eine berufliche Ausbildung (FP) mit guten Chancen, einen Berufsführerschein oder einen Lebensumbruch abzuschließen. Der Pessimist erinnert daran, dass die Hilfe bei etwa 480 Euro liegt und mit Hypothek nicht mal für Kleinigkeiten reicht. Dazwischen das Kleingedruckte: Die Sicherheit eines festen Jobs ist nicht vergleichbar mit der von Kettenverträgen über Zeitarbeitsfirmen (ETT), bei denen Rechte außerhalb des Tarifvertrags liegen.

Kontakte statt Abschlüsse: Leistung zahlt nicht die Miete

Wo die größte Übereinstimmung herrscht – und dies widerspricht jeder Rhetorik der Eigenverantwortung – ist die Diagnose beim Zugang zum Arbeitsmarkt. Die dominante Version besagt, dass ohne Kontakte keine Tür aufgeht: Dass man mit Beziehungen („enchufe“) auch ohne Qualifikation Arbeit findet und dass kompetente Personen ohne Fürsprecher außen vor bleiben. Dass Vetternwirtschaft gleichermaßen im öffentlichen wie im privaten Sektor grassiert und dass man in kleinen Behörden fragen sollte, wessen Cousin einen bedient.

Es gibt einen noch härteren Gegentrend: Die Warnung, dass niemand immun ist. Dass derselbe Person, die heute Lektionen erteilt, im nächsten technologischen Umbruch ebenfalls draußen stehen könnte und dass künstliche Intelligenz nicht zwischen dem Knopfdrücker und dem Bildungspromoter unterscheiden wird.

Die Diskussion blieb offen. Weder durch eine Schlagzeile zur Arbeitslosigkeit noch durch ein Zuschussgeld. Wie viele derer, die dem 50-jährigen Verwandten Predigten hielten, werden in zehn Jahren noch denselben Stuhl sitzen?

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (390 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

Volver