Das Stigma des 'Antiblanc': das Europa, das gegen den anderen beschworen wird
Was bedeutet es, wenn einen jemand «Antiblanc, Feind unseres Europas» nennt? Der Satz ist nicht harmlos: Er verdichtet die Spannung zwischen einer europäischen Identität, die manche rassisch definieren wollen, und einer gemischten Realität, die andere verteidigen. Wer ihn verwendet, tut das meist aus einem Salon-Nationalismus heraus, der Geschichte und Wirtschaft durch Stammesmythologien ersetzt.
Identitätsrhetorik: zwischen Beleidigung und Selbstparodie
Der Begriff «Antiblanc» entsteht als Spiegelbild des «Antirassismus», doch seine Verwendung verrät mehr über den, der ihn benutzt. Dahinter steht die Vorstellung Europas als ethnischer Heimat, die die Jahrhunderte der Vermischung ignoriert. Manche nehmen es mit Humor («Trollaco!»), andere verstehen es als Verteidigung ihrer Wurzeln. Auffällig ist die Leichtigkeit, mit der der Begriff benutzt wird: Dasselbe Forum sieht Hernán Cortés als zivilisatorischen Helden und Südamerikaner als minderwertig.
Das echte Europa gegen das Europa der Slogans
Eine weniger leidenschaftliche Analyse legt die Paradoxie offen: Wer am lautesten gegen Vermischung wettert, ist oft ein «Paco mit Internetanschluss», der nie ein Feld betreten hat und nicht weiß, woher seine Urgroßeltern stammen. Das Europa, das sie beschwören, ist indes das von Brüssel, mit konditionierten Subventionen und Social Engineering – ein bürokratischer Ersatz, den sie selbst anprangern, wenn es ihnen passt. Identität ist zu einem rhetorischen Joker geworden, der gegen den Migranten gezogen wird, aber bei EU-Richtlinien verschwindet.
Wenn jemand das nächste Mal die Rede vom «Feind unseres Europas» hält, sollte man ihn fragen, ob er weiß, wo die Geburtsurkunde seines Urgroßvaters liegt. Die Zahlen der Migrationsströme und die heutige Demografie schreiben längst eine andere Geschichte.
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