Antena 3 und das Profil der Plünderer: Eine Erzählung, die nicht aufgeht
Ein Vertretungsmoderator der 15-Uhr-Nachrichten zeigt Grafiken: «Das Profil der Randalierer ist ein Jugendlicher zwischen 14 und 25 Jahren». Ein Vertreter der Polizeigewerkschaften kommt dazu und ergänzt: «Es sind Kinder von Einwanderern der zweiten und dritten Generation, die sich nicht integriert haben». Zurück ins Studio. Man beharrt auf der Altersgruppe. Ein weiterer Polizist wird zugeschaltet: «Es sind Maghrebiner». Das Muster wiederholt sich im gesamten Programm von Atresmedia, und ein Teil des Publikums deutet es als Balanceakt, um nicht zu benennen, was die Bilder zeigen. Die Debatte über das Profil derjenigen, die in Barcelona Geschäfte plünderten, ist zum Kräftemessen zwischen dem, was in den Videos zu sehen ist, und dem, was im Studio gesagt wird, geworden.
Die Szene, die die Empörung auslöste
Auslöser war die Ausstrahlung eines Beitrags, in dem sich die Aussagen der Polizeigewerkschaften mit dem Sprechertext des Moderators abwechselten. Die Grafiken nannten eine Altersgruppe, 14 bis 25 Jahre, vermieden aber jede Bezugnahme auf die Herkunft. Als der Polizist das Wort «Maghrebiner» fallen ließ, legte das Studio erneut mit dem Alter nach. Für einen Teil des Publikums war dieses Hin und Her kein Versehen: Es war Choreografie. «Die Verrenkungen, die man anstellen muss, um die Dinge nicht beim Namen zu nennen», fasst einer der meist wiederholten Kommentare zusammen. Die Kritik richtete sich nicht nur gegen den Sender, sondern gegen die gesamte Mainstream-Presse, der vorgeworfen wurde, je nach Hautfarbe des Protagonisten mit zweierlei Maß zu messen.
Das Argument der staatlichen Werbung
Die Hypothese mit der größten Reichweite in der Diskussion war die wirtschaftliche. Der spanische Staat ist der größte Werbekunde des Landes, und diese finanzielle Abhängigkeit würde die redaktionelle Linie beeinflussen. «Wenn die Presse nicht frei ist, dann ist sie nur die Stimme ihres Herrn», hieß es. Die Überlegung ist einfach: Bei stürmisch fallenden Verkaufszahlen werden die Millionen aus staatlicher Werbung zur wichtigsten Einnahmequelle, und wer die offizielle Erzählung über Einwanderung und Kriminalität in Frage stellt, setzt diese Geldquelle aufs Spiel. Es ist kein Beweis, sondern ein Verdacht, aber er erklärt, warum viele Zuschauer in den Sendern eher das Verhalten einer Kommunikationsabteilung als eines Nachrichtendienstes sehen.
Was die sagen, die es beim Namen nennen
Gegen das Schweigen der Studios haben sich einige Kommentatoren entschieden, die Dinge beim Namen zu nennen. So etwa Carlos Herrera, der bei Cope erklärte, die Plünderer von Barcelona seien «eine Armee von Plünderern» gewesen und «die allermeisten von ihnen» Marokkaner. Das Zitat, aufgegriffen von La Razón, diente dazu, die Berichterstattung des Atresmedia-Senders mit der anderer Medien zu vergleichen. Es wurde auch darauf hingewiesen, dass soziale Medien, insbesondere X, zum Zufluchtsort für die Videos geworden sind, die die Fernsehsender nicht ausstrahlen, und dass diese Kluft zwischen dem, was im Internet zu sehen ist, und dem, was im Fernsehen erzählt wird, die Glaubwürdigkeit der Nachrichten untergräbt.
Die Theorie der Manipulation und die ideologische Voreingenommenheit
Über den konkreten Fall hinaus verlagerte sich die Diskussion auf die Rolle der Medien als Werkzeug sozialer Ingenieurskunst. Die Rede war von «induzierter kognitiver Dissonanz» und von einer erzwungenen Wahl zwischen zwei Erzählungen: Wer sich an das hält, was er sieht, ist Rassist; wer sich an das hält, was man ihm sagt, ist ein vorbildlicher Bürger. Dieser Druck, so manche, treibe in die Konformität und lasse die Debatte verstummen. Am anderen Ende wird daran erinnert, dass Polizeigewerkschaften eigene Interessen haben und ihre Aussagen nicht zwangsläufig die offenbarte Wahrheit sind. Der Streit geht im Kern nicht darum, was in Barcelona geschah, sondern darum, wer die Autorität hat, es zu erzählen.
Der europäische Kontext und das französische Beispiel
Der Vergleich mit Frankreich fiel mehrmals. «Wenn nichts unternommen wird, sind wir bald wie Frankreich», warnte ein Teilnehmer. Die Parallele ist kein Zufall: Die Unruhen 2023 im Nachbarland, nach dem Tod eines jungen Mannes durch Polizeikugeln, zeigten ein ähnliches Muster von Plünderungen, Festnahmen und einer hitzigen Debatte über das Profil der Beteiligten. In Spanien vermischt sich die Debatte über das Mediensystem mit der Sorge um die öffentliche Sicherheit und mit dem Gefühl, dass die Behörden die Vorfälle herunterspielen. Die Frage, die im Raum steht: Folgt die Berichterstattung professionellen Kriterien oder einer politischen Kommunikationsstrategie?
Die Zahl, die irritiert
Während sich die Medien in Euphemismen verstricken, müssen sich die Festgenommenen vor der Justiz verantworten, und die Bilder kursieren weiter. Die Regierung spricht von «null Toleranz gegenüber Gewalttätern» und kündigt Ermittlungen an, unternimmt aber keine Anstrengung, das Profil der Plünderer zu bewerten. Die Provinzgerichtsbarkeit von Barcelona hat sich bislang noch nicht zur Herkunft der Beteiligten geäußert. Nur eines ist klar: Die Kluft zwischen dem, was man sieht, und dem, was gesagt wird, lässt sich nicht mehr mit einer Altersgrafik schließen. Und immer weniger Menschen glauben, was ihnen die Tagesschau erzählt.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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