Einzelhandelsverband meldet 16.000 offene Stellen und fordert Ausbildung statt Lohnerhöhungen
Der kommerzielle Vertriebssektor schloss das Geschäftsjahr mit 16.000 unbesetzten Stellen ab, was 11 % der nationalen Gesamtzahl entspricht. Dies geht aus einer Manpower-Studie hervor, die auf der Jahreshauptversammlung von Anged (der Arbeitgebervereinigung, die Unternehmen wie El Corte Inglés, Carrefour, Eroski, Alcampo, Ikea, Fnac oder Leroy Merlin vertritt) vorgestellt wurde. Acht von zehn Unternehmen des Sektors geben an, Schwierigkeiten bei der Einstellung von Personal zu haben, sowohl im operativen als auch im technischen Bereich. Matilde García Duarte, Präsidentin von Anged, warnt, dass dieser Mangel „die strategischen Pläne der Unternehmen bremsen kann“. Der Handel beschäftigt in Spanien 1,96 Millionen Menschen, was 14,5 % der Gesamterwerbstätigen entspricht, wobei die Anged-Unternehmen nach der Schaffung von 6.900 Arbeitsplätzen im letzten Jahr auf insgesamt 235.785 Mitarbeiter kommen.
Forderungen des Verbandes und das, was fehlt
Die Strategie von Anged setzt auf reglementierte Ausbildung mit auf den Sektor abgestimmten Laufbahnen, duale Ausbildung, mehr Unterstützung für interne Weiterbildung, einen flexiblen Arbeitsrahmen, die Erleichterung der Einstellung ausländischer Fachkräfte und die Gewährleistung der Marktunity durch regionale Koordination. In der Liste der Vorschläge taucht jedoch an keiner Stelle eine Gehaltserhöhung auf. Dieses Schweigen hat eine Debatte entfacht: Einige lesen die Diagnose als Vorwand, um die Anwerbung von Arbeitskräften zu rechtfertigen, die bereit sind, Bedingungen zu akzeptieren, die Einheimische ablehnen.
García Duarte räumt ein, dass Unternehmen mehr als 50 Millionen Euro in Ausbildung investieren, hält dies jedoch für unzureichend: „Es gibt eine Kluft zwischen der formalen Ausbildung und der Realität des Marktes“. Rosa Carabel, CEO von Eroski, gibt zu, dass es schwierig sei, technisches Personal zu gewinnen: „Sehr schwer zu finden und noch schwieriger zu halten“. Bei Ikea rühmt sich CEO Nurettin Acar mit interner Beförderung; bei MediaMarkt weist Finanzdirektor José Manuel González Vara auf die Fluktuation und das Teammanagement als Hauptherausforderungen bei 7.000 Mitarbeitern hin; bei C&A bezeichnet Mark Cuthbert die Mitarbeiterbindung als „absolute Priorität“.
Das Hauptargument des Sektors: Nicht das Gehalt, sondern das Ungleichgewicht
Das offizielle Narrativ betont das Talent-Mismatch. Die optimistischste Berechnung geht davon aus, dass spezifische Fachkräfte in den Bereichen IT, Logistik, Omnichannel oder Nachhaltigkeit fehlen. Das pessimistische Szenario besagt, dass es an Menschen mangelt, die bereit sind, Zwei- oder Dreimonatsverträge, unbezahlte Feiertage und Verantwortungen zu akzeptieren, die über die eigentliche Stelle hinausgehen. In der Mitte steht ein unangenehmer Fakt: Die Produktivität pro Mitarbeiter im spanischen Vertrieb liegt bei 165.000 Euro], gegenüber 197.200 Euro im EU-Durchschnitt, bei 3,8 Mitarbeitern pro Unternehmen in Spanien und 4,9 in der EU. Die Produktivitätslücke ist real. Die Frage ist, ob sie durch geringere oder durch bessere Bezahlung geschlossen wird.
Die Staatssekretärin für Handel, Amparo López Senovilla, schloss die Versammlung mit einer optimistischen Botschaft ab: ein Wachstum von 2,7 % und 280.000 geschaffene Arbeitsplätze. Sie bot die Unterstützung der Regierung für einen „strategischen“ und „sozial integrativen“ Sektor an. Dieser makroökonomische Optimismus kollidiert mit der Erfahrung derer, die seit zwanzig Jahren in einem großen Kaufhaus arbeiten und über Managementpositionen berichten, die unter prekären Bedingungen, Gewerkschaftsverträgen ohne Feiertagsentschädigung und monatlich kündbaren Verträgen leiden.
Die Fluktuationsfalle: Ein-Monats-Verträge und monatelanges Warten
In den Zeugnissen aus dem Sektor wiederholt sich ein Muster: Verträge von Monat zu Monat, unterbrochen von mehrmonatigen Pausen ohne Rückmeldung, sowie die Forderung nach totaler Verfügbarkeit, die jeden mit Kindern oder einer Hypothek ausschließt. Eine Person mit Verpflichtungen kann diesen Rhythmus nicht halten. Eine andere mit akademischer Laufbahn verschickt Lebensläufe an Supermärkte und große Kaufhäuser, ohne auch nur ein einziges Vorstellungsgespräch zu erhalten. Das Ergebnis ist ein Paradoxon, das niemand im Sektor vollständig erklären kann: Der Verband sagt, es gebe zu viele freie Stellen, und die Bewerber sagen, sie würden nicht angerufen.
eine häufig genannte Erklärung ist das enchufe (Vitamin B/Vetternwirtschaft) und Empfehlungen als eigentliche Eintrittstore, wobei Prozesse eher dazu dienen, Kandidaten zu sammeln, als Stellen zu besetzen. Wenn man dazu zählt, dass das Gehalt eines Koordinators mit Hochschulabschluss kaum 2.500 Euro pro Jahr über dem SMI (Salario Mínimo Interprofesional, der spanische Mindestlohn) liegt, geht die Rechnung für qualifizierte Arbeitskräfte nicht auf. Währenddessen entkräftet sich das Argument der mangelnden Motivation von selbst: Wer fühlt sich motiviert durch unregelmäßige Arbeitszeiten, Wochenendarbeit und ein Gehalt, das kaum die Miete in der Stadt deckt, in der man arbeitet?
Migration, Produktivität und das Problem im Raum
Der Vorschlag, die Integration ausländischer Fachkräfte zu erleichtern, hat die hitzigste Debatte ausgelöst. Ein Teil der Analysen behauptet, dass die Ankunft externer Arbeitskräfte die Löhne drückt und das Niedrigkostmodell zementiert. Eine andere Strömung erinnert daran, dass das Land die höchste Jugendarbeitslosigkeit in der OECD hat und dass der Import von Arbeitskräften bei gleichzeitigem Mangel an lokalem Talent mindestens ein Widerspruch ist. Die Debatte driftet oft in identitätspolitische Bereiche ab, die nichts zur wirtschaftlichen Diagnose beitragen, aber der Kern des Problems ist ein anderer: Wenn eine Stelle nicht besetzt wird, ist entweder das Gehalt zu niedrig oder die Bedingungen zu schlecht. Es gibt mathematisch keinen dritten Weg.
Die Produktivität hingegen bleibt der Datenpunkt, den der Verband sowohl als Entschuldigung als auch als Anklage nutzt. Mit 3,8 Mitarbeitern pro Unternehmen gegenüber 4,9 in Europa ist die spanische Skala kleiner und die Investition pro Arbeiter geringer. Das erklärt einen Teil der Lücke. Es erklärt jedoch nicht, warum Unternehmen mit Gewinnen in dreistelliger Millionenhöhe die Einstiegsgehälter weiterhin nicht anheben. Ausbildung ist notwendig. In diesem Kontext ist sie jedoch auch eine elegante Art, nicht über das Gehalt zu sprechen.
Der Sektor hat 16.000 freie Stellen, 235.785 Beschäftigte in den Anged-Unternehmen und eine Produktivität, die pro Arbeiter um 32.200 Euro hinter der EU zurückliegt. Angesichts dieser Fakten ist die Frage nicht, ob Ausbildung fehlt. Die Frage ist, ob jemand bereit ist, das zu bezahlen, was die Besetzung der Stelle tatsächlich kostet.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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