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Anarcho-Kapitalisten an spanischen Unis: Das Paradoxon
Anarchokapitalismus fordert den Staat ab, doch viele seiner Vertreter in Spanien werden von öffentlichen Universitäten bezahlt. Die Erklärung des Widerspruchs.
Anarchokapitalisten mit Festanstellung an öffentlichen Hochschulen
Der Anarchokapitalismus predigt die Abschaffung des Staates. Und dennoch beziehen viele seiner Befürworter in Spanien ihr Gehalt genau von diesem Staat. Das Paradoxon ist nicht neu, flammt aber immer wieder auf: Wenn der Staat verschwinden soll, warum kommt das Gehalt pünktlich am Monatsende von einer öffentlichen Institution? Die kurze Antwort lautet, dass das spanische Universitätssystem als Quasi-Monopol für intellektuelle Beschäftigung fungiert und wer von der Lehre der Wirtschaftswissenschaften leben will, kaum Alternativen außerhalb des öffentlichen Dienstes hat.
Das öffentliche Lehrmonopol als ideologischer Zufluchtsort
Das häufigste Argument ist struktureller Natur: In Spanien konzentriert die öffentliche Hochschule das Angebot an Lehren- und Forschungsstellen. Wer vom herrschenden keynesianischen Konsens abweicht, findet im Privatsektor – der kaum kritische Masse besitzt – keine Anstellung und landet schließlich im öffentlichen Sektor. Dort schützt zudem die unbefristete Stelle vor dem Druck der Verlage: Man kann die Abschaffung des Staates verteidigen, ohne Angst vor Entlassung bei einem Kurswechsel haben zu müssen. In einem privaten Unternehmen gibt es diesen Spielraum nicht.
Manche fügen eine unangenehmere Ebene hinzu: Die öffentliche Hochschule erlaubt Propaganda mit gesichertem Einkommen. Der Dozent riskiert seinen Job nicht durch heterodoxe Thesen, während angestellte Mitarbeiter gegenüber ihrem Vorgesetzten rechenschaftspflichtig sind. Der Widerspruch sei, so wird argumentiert, nicht nur ökonomisch, sondern auch eine Frage der persönlichen Kohärenz.
Leben alle Anarchokapitalisten wirklich vom Staat?
Nein. Gegenbeispiele existieren namentlich: Es gibt Ökonomen aus diesem Umfeld, die an privaten Universitäten und Business Schools lehren, sowie andere, die als Wirtschaftsberater für private Unternehmensgruppen tätig waren. Die Verallgemeinerung scheitert also grundlegend. Was jedoch standhält, ist das Muster: Die Mehrheit der sichtbaren Referenten dieser Strömung in Spanien war oder ist Teil des öffentlichen Dienstes, weil dort die akademischen Arbeitsplätze liegen.
Die Diskussion verlagert sich dann auf Vetternwirtschaft und geerbte Renten. Es wird behauptet, dass viele, die über freien Markt dozieren, Erben von Familienunternehmen sind oder von geerbtem Vermögen leben, ohne jemals auf einem realen Markt konkurriert zu haben. Unternehmertum sei in dieser Lesart ein Wort, das man gerne benutzt, während das Konto bereits gefüllt war.
Der Kernstreit: Ist es Inkohärenz oder Zwang?
Hier wird die Sache interessant. Ein Teil der Analyse verteidigt, dass die Inkohärenz unvermeidbar ist, solange der Staat Dienstleistungen und Einkommen monopolisiert: Wer kein Huhn kaufen kann, ohne Mehrwertsteuer zu zahlen, kann auch nicht auf ein öffentliches Gehalt verzichten, ohne hungern zu müssen. Anarchokapitalistische Kohärenz wäre nur in einem System einfordernbar, das einen echten Ausstieg ermöglicht. Andere erwidern, dies sei eine bequeme Ausrede: Niemand wird gezwungen, an einer Institution zu unterrichten, deren Abschaffung man predigt.
Der Hintergrund ist breiter. Spanien habe, so wird argumentiert, nie einen reifen Kapitalismus oder echten Sozialismus gehabt: Alles sei ständisch gegliedert, hyperreguliert und durch Kontakte und Vetternwirtschaft durchdrungen. In diesem Ökosystem sei die öffentliche Hochschule eine weitere Kaste, aus der sich die intellektuellen Eliten jeglicher Couleur nähren.
Die Kluft, die sich nicht schließt
Der Verschleiß der liberalen Erzählung nach Ereignissen wie der Pandemieverwaltung hat Öl ins Feuer gegossen. Wer kürzlich noch Kürzungen im öffentlichen Sektor forderte und dann staatlichen Gesundheitsschutz verlangte, wird markiert. Die Diskussion lässt sich jedoch nicht auflösen: Die verfügbaren Daten deuten darauf hin, dass die Mehrheit der spanischen anarchokapitalistischen Referenten durch die öffentlichen Hochschulen gegangen ist, aber nicht, dass dies eine universelle Regel sei. Mit diesem Muster bleibt die ideologische Kohärenz die schwächste Flanke einer Bewegung, die weniger Staat predigt, während sie von ihm bezahlt wird.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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