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Amerikas Preis: Inflation, Staatsbankrotte und entvölkertes Kastilien
Gold und Silber aus Amerika trieben die Inflation in Kastilien an und finanzierten die Kriege der Habsburger, während das Land seine junge Bevölkerung verlor.
Amerika lieferte Gold, doch die europäischen Kriege fraßen es auf
Die Eroberung Amerikas war ein schlechtes Geschäft für Spanien. Dieser Satz wird wie ein Axiom wiederholt und hat durchaus Berechtigung: Unmengen an Edelmetallen, eine Inflation, deren Namen man damals noch nicht kannte, und ein Kastilien, das seiner jungen Arbeitskräfte beraubt wurde, die nach Indien zogen. Doch die Bilanz lässt mehr als nur Nuancen zu, und sie auf einen reinen Buchhaltungsfehler zu reduzieren, vernachlässigt die halbe Wahrheit. Zwei Ozeane zu erschließen und die erste Weltumsegelung durchzuführen, hatte zuvor niemand geschafft. Die interessante Frage ist nicht, ob dies eine Heldentat war, sondern wer die Rechnung bezahlte.
Warum behauptet man, die Eroberung habe Spanien ruiniert?
Der Mechanismus ist einfach zu erklären und schwer zu widerlegen. Der massive Zustrom von amerikanischem Silber und Gold trieb die Preise auf der Iberischen Halbinsel in die Höhe, ein Phänomen, das die Zeitgenossen Preisrevolution nannten und das wir heute als Inflation bezeichnen würden. Spanien produzierte teuer; Flandern kaufte billig und lieferte das fertige Produkt mit Gewinn zurück. Rohstoffe gingen hinaus und kamen als teureres Gewebe wieder herein. Manche argumentieren, dass dieser Kreislauf einen großen Teil des industriellen Rückstands Spaniens erklärt.
Dazu kommt der menschliche Kostenfaktor. Die Auswanderung nach Indien entvölkerte Kastilien, das im Vergleich zu Frankreich ohnehin bereits lächerlich niedrige demografische Zahlen aufwies. Weniger Hände, weniger Aktivität, geringere Steuerbasis. Diese Wirkung zog sich über Generationen hin. Das eroberte Gebiet war etwa zwanzigmal größer als die Iberische Halbinsel, eine Dimension, die kein Verwaltungssystem des 16. Jahrhunderts ohne Spannungen bewältigen konnte.
Wohin floss das Silber aus Potosí?
Um Kriege zu finanzieren, die nicht im kastilischen Interesse lagen. Karl I. von Spanien und V. von Deutschland – die Reihenfolge ist wichtig, da er den spanischen Thron über die mütterliche Linie erbte und über die väterliche Linie ausgab – verwendete die hier erwirtschafteten Ressourcen für die Konflikte der Habsburger in Mitteleuropa.
Das Ergebnis waren aufeinanderfolgende Staatsbankrotte aufgrund von Zinslasten. Die Inflation traf den einfachen Bürger; reich wurden nur wenige Bankiers. Die Wirtschaftsgeschichte sieht dort eher den Ursprung des finanziellen Niedergangs der Krone als in der Eroberung selbst.
Das spanische Modell versus das angloamerikanische
Hier wird die Diskussion hitzig. Eine Strömung verteidigt, dass das spanische Reich die vorgefundenen Gesellschaften assimilierte und das römische Muster replizierte – Städte, Universitäten, Verwaltung – und behauptet, englische und niederländische Siedlungen seien kaum mehr als Handelslager gewesen. Eine andere, schärfere Linie entgegnet, dass genau diese Vermischung das Problem war und man besser das britische Kolonialmodell kopiert hätte.
Dieses zweite Argument stützt sich auf eine demografische Annahme, die vorsichtig behandelt werden sollte: Die Idee, dass die nordamerikanischen indigenen Nationen ausgelöscht wurden, ist laut Gegenargumenten eine Vereinfachung, da Gemeinschaften wie die Cherokee, Comanche oder Powhatan weiterhin existieren.
Kann man eine Großmacht ohne Kolonien sein?
Italien, Deutschland oder Japan erreichten weltweite Bedeutung ohne relevante Überseeimperien. Dies ist das Lieblingsargument derer, die meinen, Spanien habe die falsche Strategie gewählt. Die Entgegnung ist geopolitischer Natur: Ein Teil des kastilischen militärischen Aufwands ging darauf zurück, den osmanischen Vormarsch im Mittelmeer zu stoppen, eine Front, die Ressourcen verbrauchte, aber kein Gold zurückbrachte. Gegen das Osmanische Reich half die Taktik einer Handvoll Männer und tausender lokaler Verbündeter nicht.
Auch über die Folgen der Unabhängigkeit besteht kein Konsens. Es wird angeführt, dass Länder, die sich früher abspalteten, nicht besseres Glück hatten als die späteren, und dass der spätere wirtschaftliche Rückstand eher auf externe Interventionen, Staatsstreiche und Schuldenlasten zurückging als auf das koloniale Erbe.
Was tatsächlich blieb
Eine Sprache, die von rund 640 Millionen Menschen in Südamerika und der Karibik gesprochen wird, verglichen mit 47 Millionen in Spanien, wobei etwa 80 % davon Hispanophone sind. Lebensmittel, die die europäische Ernährung für immer veränderten, darunter die Kartoffel. Und eine unbequeme Zahl: Es gab eine Macht, die um Entschuldigung bat. Im Jahr 2007 tauschten die Powhatan-Nation und die spanische Botschaft in Fredericksburg Verzeihungen für Beleidigungen aus dem 16. Jahrhundert aus, einschließlich des Todes von vier Jesuitenmissionaren im Jahr 1571.
Der schwerwiegendste konkrete Fehler war laut einer anderen Lesart ein anderer: die Nichtunterstützung von Middelburg im Jahr 1574.
Mit diesen Grundlagen wird die Diskussion noch jahrelang die Gemüter spalten. Wahrscheinlich lautet die Schlussfolgerung nicht, dass Amerika überflüssig war, sondern dass Gold allein nicht ausreicht: Man muss wissen, wofür man es ausgibt. Spanien lernte die Lektion spät, und es gibt Gründe zu zweifeln, ob sie vollständig gelernt wurde.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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