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Alvise Pérez bricht El-País-Interview wegen Aufnahmerechten ab
Der spanische EU-Abgeordnete Alvise Pérez hat sein Interview mit der Zeitung El País abgesagt, nachdem diese die Erlaubnis zur Aufnahme und Nutzung des Rohmaterials verweigerte.
Alvise Pérez bricht El-País-Interview wegen Aufnahmerechten ab
Der Analyst und gewählte Politiker Alvise Pérez hat ein für Donnerstag, den 13. Juni, geplantes Interview mit El País abgesagt. Laut Pérez weigerte sich die zum PRISA-Konzern gehörende Tageszeitung, ihm schriftlich das Recht einzuräumen, das unbearbeitete Rohmaterial der Aufnahme zu nutzen, falls er eine Manipulation seiner Antworten vermutet. Er behauptet, dies sei nicht das erste Mal bei diesem Medium, weshalb seine Forderung berechtigt sei. „Ich werde keine spanischen Medien aufsuchen, die unsere Fähigkeit nicht garantieren, uns gegen unmoralische Manipulationen und Verzerrungen zu verteidigen“, schrieb er. Die Ablehnung der Zeitung lässt den Politiker, der über 800.000 Stimmen erhielt, fünf Tage nach den Wahlen ohne jedes Interview zurück – eine Situation, die seine Anhänger als beispiellos in 45 Jahren bezeichnen.
Was genau gefordert wurde und warum El País ablehnte
Die Bedingung war konkret: Zugang zum Rohmaterial – dem unbearbeiteten Material – sowie das schriftliche Recht, es zu verwenden, wenn er glaubte, dass seine Antworten verändert wurden. El País akzeptierte dies nicht. Im Kern geht es um die Kontrolle über die endgültige Fassung eines Interviews: Hat sie das redaktionell bearbeitende Medium oder der Befragte? Manche sehen in der Forderung einen vorbeugenden Vorwand, um die eigene Erzählung durchzusetzen; andere sehen in der Ablehnung der Zeitung den Beweis, dass eine vorherige Bearbeitung ihnen nicht genehm war.
Dieser Vorfall ereignet sich im weiteren Kontext. Das vom Regierungsplan vorbereitete Paket zur „demokratischen Qualität“ soll Berichten zufolge hohe Geldstrafen für sogenannte Desinformanten enthalten, Verbote öffentlicher Aufträge für Unternehmen oder Personen, die solche Profile oder Medien finanzieren, sowie ein von der Exekutive ernanntes Expertengremium zur Schließung sozialer Netzwerke und Medien ohne richterliche Anordnung. Vor diesem Hintergrund wird die Weigerung, das Interview aufzunehmen, von einer Anekdote zum Symptom tieferer Spannungen.
Alvises Reaktion: Klagen und ein Gesetz zur Informationsfreiheit
Pérez hat Verleumdungs- und Diffamierungsklagen gegen mehrere Journalisten angekündigt. Ein genannter Fall betrifft Javier Ruiz, der während der Primetime-Berichterstattung im TVE behauptete, Pérez habe die Vergewaltigung der Tochter von Pedro Sánchez gefordert, während die Nationalhymne gespielt wurde. Pérez fordert 20.000 Euro, die er dem Verein der Waisen der Guardia Civil spenden wird. Er richtet sich auch gegen die Sendung von Nacho Abad bei Cuatro, weil dort behauptet wurde, er habe einen Prozess verloren, den er laut eigener Aussage vor dem Obersten Gerichtshof rechtskräftig gewonnen habe.
Dazu kommt ein legislatives Versprechen: Ein Gesetz zur Informationsfreiheit, das Politikern Gefängnisstrafen androhen würde, wenn sie den Druck auf oder die Behinderung der Veröffentlichung von Informationen in Medien ausüben. Wie vorgeschlagen, kollidiert dies mit dem geltenden verfassungsrechtlichen Rahmen, dient aber dazu, Position zu beziehen – auf demselben Feld, das die Regierung mit ihrem Expertengremium besetzen will.
Der Kampf um Fake News und die Kontrolle der Endfassung
Das von seinen Verteidigern betonte Paradoxon ist einfach: Das Medium, das Pérez beschuldigt, Fake News zu verbreiten, verweigert die vollständige Überprüfung des Interviews. Wenn das Problem die Manipulation ist, warum dann nicht das Rohmaterial offenlegen? Die übliche Antwort lautet, dass das Bearbeitungsrecht beim Medium liegt und dessen Abtretung ein unbequemes Präzedenzfall für zukünftige Interviews schaffen würde.
Es gibt ein illustres Vorbild. Milan Kundera gab keine Interviews mehr, weil ihm, wie er sagte, stets die Bedeutung seiner Worte verdreht wurde. Der Unterschied: Kundera verzichtete auf die Medien; Pérez nutzt sie als Schlachtfeld. Hier liegt der Knackpunkt: Transparenz, die vom Befragten verlangt wird, wird vom Interviewer oft nicht angewendet.
Der CGPJ, Navarra und das Hintergrundrauschen
Während der Konflikt mit El País anhält, bleiben andere Fronten offen. Der größte Richterverband Spaniens bezeichnete Sánchez’ Angriff auf den CGPJ (Allgemeiner Rat der Justizgewalt) als „inakzeptabel und einen echten Verfassungsverstoß“. Navarras sozialistische Präsidentin Chivite soll Medien aufgefordert haben, Angriffe von Nordafrikanern auf Homosenshomo zu verschweigen, laut kursierenden Berichten. Gleichzeitig wächst innerhalb der Partei Vox die Kritik daran, dass man lediglich eine Koordinierungsstelle in Barcelona für Verfassungsbeschwerden eingerichtet habe, während Funktionäre von Abascal mehr Entschlossenheit fordern.
Das Ergebnis ist ein Ökosystem, in dem das Interviewformat nicht mehr neutral ist. Jede Weigerung, jede Forderung und jedes nicht aufgezeichnete Rohmaterial werden als Kriegsposten gelesen. Die unbeantwortete Frage bleibt, ob der Befragte, der die Aufnahme verlangt, sich schützt oder kontrolliert – und ob das Medium, das sich weigert, aufgrund redaktioneller Kriterien handelt oder aus weniger eingestehbaren Gründen.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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