Alles bei Amazon kaufen: Sofortige Ersparnis vs. zukünftige Kosten

Ein Planer kostet im Buchladen 28 Euro, bei Amazon nur 4 Euro. Die Sofortersparnis steht im Konflikt mit der Abhängigkeit von einem Giganten.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Alles bei Amazon kaufen: Sofortige Ersparnis vs. zukünftige Kosten
Amazon gewinnt über den Preis: 28 € im Buchladen, 4 € im Netz

Es ist nicht nur der Preis, der Amazon den Vorteil verschafft hat. Auch die Tatsache, dass der lokale Einzelhandel in vielen Fällen aufgehört hat, wettbewerbsfähig zu sein, hat schwer gewogen. Ein Planer mit Tagesseiten, der im Stadtteilbuchladen 28 Euro kostete, war online für 4 Euro erhältlich, mit Lieferung am nächsten Tag. Der Käufer informierte den Buchladen darüber, dass dies zu viel für die verbleibenden vier Monate sei, erhielt jedoch keine Antwort: Es gab keine Alternative. Darauf aufbauend stellt sich eine unangenehme Grundfrage: Ist es unverantwortlich, alles bei Amazon zu kaufen? Die Antwort hängt davon ab, ob man auf den heutigen Geldbeutel oder den morgigen Katalog schaut.

Die echte Ersparnis: vom Planer bis zum Pulsuhr-Tracker

Konkrete Beispiele sind schwer zu widerlegen. Eine GPS-Uhr mit Pulsmesser war an einem Angebotstag 30 Euro günstiger als an anderen Tagen auf derselben Website, 40 Euro unter anderen Online-Shops und 60 Euro weniger als im günstigsten Ladengeschäft. Ein Toaster, geliefert für 15 Euro, bedeutete einen Unterschied von 12 Euro im Vergleich zum Weg zum Kauf. Ein PlayStation Plus-Abonnement kostete 35 Euro im Jahr gegenüber dem Referenzpreis von 60 Euro.

Einige behaupten, dass die Zeitersparnis genauso viel wiegt wie die Geldersparnis. Preise und Bewertungen im Internet zu vergleichen, kostet Stunden, und wer dies mit Urteilsvermögen tut, weiß das. Die vollständige Kalkulation, Posten für Posten, zwischen Fahrtweg, Benzin, Parken und Produkt, ergibt manchmal Unterschiede, die selbst den skeptischsten Käufer überraschen.

Warum der lokale Handel den Kampf verloren hat?

Das Argument der Nähe hat ein Problem: die Erfahrung. Es wiederholt sich der Fall eines Fachmanns, der UNC 6-32 5/16 Gewindeschrauben benötigte – jene, die in Computern verwendet werden – und selbst der örtliche Schrauben-Spezialist konnte nicht helfen; sie kamen von einem europäischen Anbieter über den Online-Weg. Und dann ist da die feindselige Reaktion auf eine ungewöhnliche Anfrage, dieser Blick nach dem Motto: und wozu brauchst du das?.

Hinzu kommt die Kostenstruktur. In Gijón schloss die Bershka-Filiale in der Calle Corrida: Die Miete betrug 24.000 Euro pro Monat für 375 Quadratmeter, und der Eigentümer wollte sie nicht senken. Wenn ein multinationaler Konzern der Größe von Inditex diese Miete nicht zahlen kann, sieht es für den kleinen Handel noch schlechter aus. Ein Umsatz von 300.000 Euro im Jahr ohne großen Aufwand ist ein Geschäft, das der Textilriese selbst nicht finanzieren wollte.

Eine zynischere, oft wiederholte Lesart deutet auf etwas anderes hin: dass viele überlebende lokale Geschäfte von Personen geführt werden, die ausgebrannter sind als ihr eigenes Geschäft, die bis zur Rente durchhalten, um ihre Sozialversicherungsbeiträge zu leisten, und die im Grunde keine Kunden brauchen. Das ist keine beweisbare These, aber sie erklärt, warum die Sympathie für den lokalen Handel versiegt ist.

Der Schatten des Monopols: wenn keine Alternativen mehr bleiben

Hier wird die Erzählung kompliziert. Die eigentliche Sorge ist nicht der heutige Preis, sondern die Macht von morgen. Wer nur kauft, wenn es echte Ersparnisse gibt oder wenn das Produkt nirgendwo anders zu finden ist, gibt zu: Wenn Amazon den Markt kontrolliert, wird der Service schlechter und der Referenzpreis steigen. Die Lieferung hat sich bereits durch das eigene Logistiknetzwerk verschlechtert: Die beauftragten Kuriere werden als das schwächste Glied angesehen, was durch eine Benachrichtigung über eine Lieferverzögerung aus dem Juni belegt wird.

Der Gegenpunkt ist, dass Amazon nicht das einzige Tor ist. Es gibt Dutzende von Online-Shops mit gleichwertigen Garantien, und viele Nutzer behaupten, dass chinesische Plattformen noch nicht das erreicht haben, was das US-Unternehmen schafft: stressfreie Rückgaben und echten Kundenservice. Auf einer dieser Webseiten beläuft sich die Rückerstattung eines defekten Produkts auf 10 % oder, mit Glück, auf 20 % nach langem Verhandeln.

Welche Rolle spielt der Supermarktpreis

Lebensmittel hingegen halten stand. Den Vorrat online aufzufüllen, bedeutet, 4 Euro pro Bestellung zu zahlen, den Betrag der Produkte zu addieren und Abonnent der Premium-Gebühr zu sein. Niemand macht seinen täglichen Einkauf so. Für das Wesentliche – Kleidung und Lebensmittel – hat die große Plattform den Eckladen nicht ersetzt, obwohl in Gebieten ohne nahegelegenen Supermarkt die digitale Option aufgrund des Mangels an Angeboten punktet.

Steuern, Einkommen und die tieferliegende Unzufriedenheit

In der gesamten Diskussion schwingt ein nicht-kommerzieller Grund mit: die Besteuerung. Es gibt Leute, die offen erklären, dass sie dort kaufen, wo am wenigsten Steuern gezahlt werden, weil sie der Meinung sind, dass öffentliches Geld am falschen Ort landet. Es ist eine Position, die im Sinne des Gemeinwohls schwer zu verteidigen ist, aber sie zeigt, dass Online-Shopping nicht immer eine Preisentscheidung ist, sondern eine Entscheidung aus Entfremdung.

Ein historisches Detail, das oft zitiert wird, ist das des Euro: Es wird behauptet, dass lokale Geschäfte, eben jene, die sich auf das Wohl der Nachbarschaft beriefen, die Währungsumstellung nutzten, um die Preise um 1,66 % zu erhöhen. Ob dies allgemein war oder nicht, die Wahrnehmung blieb.

Was passieren kann

Angesichts dieser Fakten ist die vernünftige Schlussfolgerung für alle unangenehm. Der physische Handel wird nicht verschwinden, aber er wird sich auf das reduzieren, was ein Bildschirm nicht bieten kann: Kleidung anprobieren, das Produkt sehen, echte Beratung. Wer nicht zu einem Online-Shop oder einem differenzierten Service evolviert, wird es schwer haben. Und Amazon wird weiterhin Marktanteile gewinnen, solange kein Konkurrent mit seiner Logistik, seinem After-Sales-Service und seinem Katalog erscheint. Die Frage ist nicht, ob es ratsam ist, alles bei ihnen zu kaufen. Die Frage ist, was passieren wird, wenn man an dem Tag, an dem es keine Alternative mehr gibt, gar nicht mehr wählen muss.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (101 Antworten).

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