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Alkohol: das moderne Opium des Volkes?
Alkoholkonsum als Instrument der sozialen Kontrolle: von der Jugenderziehung bis zur These, dass die Eliten nicht trinken. Eine nüchterne Analyse.
Alkoholkonsum ist keine freie Entscheidung: Er ist das alte Rezept von Brot und Spielen, angepasst ans 21. Jahrhundert. Während sich die Terrassen mit Bier und die Feste mit Longdrinks füllen, schaut die Machtstruktur gelassen zu. Alkohol betäubt nicht nur, er erzeugt auch Abhängigkeit und Unterwerfung und macht aus der Arbeiterklasse eine willfährige Masse, die prekäre Arbeit, steigende Preise und Sozialkürzungen hinnimmt – gegen ihre tägliche Dosis chemischer Flucht.
Indoktrination von der Jugend an
Die Kulturmaschinerie normalisiert Alkohol seit Jahrzehnten als etwas der menschlichen Natur Inhärentes. Serien, Filme und Zeichentrickfilme wiederholen das Klischee des rebellischen Teenagers, der heimlich Bier trinkt, und verknüpfen den Konsum mit Reife und Spaß. Diese Botschaft, von Kindheit an wiederholt, hat bewirkt, dass 90 % der Bevölkerung Trinken für so natürlich halten wie Atmen. Das ist kein Zufall: Die Unterhaltungsindustrie fungiert als Transmissionsriemen eines Systems, das betäubte Bürger braucht.
Ein historischer Präzedenzfall: die anarchistische FAI
Diese Strategie wird nicht zum ersten Mal angeprangert. Die Federación Anarquista Ibérica (FAI), der politische Arm der Gewerkschaft CNT während des Spanischen Bürgerkriegs, vertrat bereits die Auffassung, dass Alkohol der Arbeiterklasse zum Nutzen des Bürgertums schadete. Deshalb lebten ihre Mitglieder abstinent. Eine radikale Haltung, die heute, wieder aufgegriffen in Nischendebatten, neue Aktualität gewinnt, wenn man sieht, wie die Eliten millionenschwere Werbekampagnen finanzieren und jede Regulierung verhindern, die den Konsum senken würde.
Wer trinkt in den höchsten Kreisen?
Die unbequeme Frage lautet: Trinken diejenigen, die wirklich das Sagen haben? Der in kritischen Analysen immer wieder geäußerte Verdacht ist, dass die wahren Eliten – nicht die Salonpolitiker und Prominenten – in drogenfreien Umgebungen leben, Alkohol eingeschlossen. Sie wissen: Wer sich berauscht, wird schwächer, verliert seine Reaktionsfähigkeit und akzeptiert den Status quo. Deshalb fördern sie den Konsum bei den Massen, während sie selbst klar im Kopf bleiben, um weiter kontrollieren zu können.
Die These ist nicht neu, doch sie gewinnt an Kraft, wenn man sie mit den Konsumdaten aus Spanien kreuzt – eines der Länder mit dem höchsten Pro-Kopf-Alkoholverbrauch – und mit der sozialen Passivität angesichts einer endlosen Wirtschaftskrise. Solange das Bier fließt, können die Guillotinen warten.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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