Air Nostrum: Zepeline für Mallorca-Flüge ab 2026

Air Nostrum reserviert zehn Airlander 10 Luftschiffe für Flüge nach Mallorca ab 2026, mit bis zu 90 % weniger CO2-Ausstoß und einer Geschwindigkeit von 170 km/h.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Rückkehr des Zeppelins: Zehn Airlander 10 für Mallorca-Flüge 2026

Der Aerospace-Cluster im südlichen Yorkshire hat noch keinen einzigen Nieten gesetzt, weiß aber bereits, was dort montiert werden soll. Dort sollen die zehn Luftschiffe vom Typ Airlander 10 zusammengebaut werden, die Air Nostrum in seine Flotte aufnehmen möchte, um per Zeppelin nach Mallorca zu fliegen: Helium-Luftfahrzeuge, deren Bau der britische Hersteller Hybrid Air Vehicles dieses Jahr beginnen will. Die valencianische Fluggesellschaft erwartet den Betrieb ab 2026, nach erfolgter Zertifizierung, mit gestaffelter Auslieferung über die folgenden fünf Jahre.

Das kommerzielle Versprechen ist verlockend. Die Strecke Barcelona-Palma in etwas mehr als vier Stunden zurücklegen, mit einem CO2-Fußabdruck pro Passagier, der weniger als ein Zehntel desjenigen eines Düsenjets beträgt. Der Hersteller spricht von einer Reduktion der CO2-Emissionen um bis zu 90 % im ersten Projektstadium und null Emissionen ab 2030; die Fluggesellschaft beruft sich auf die UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs). Laut Unternehmen entstehen durch die Montage 1.800 Arbeitsplätze in Yorkshire.

Das unsichtbare Peak Oil

Hinter dem ökologischen Enthusiasmus verbirgt sich eine unbequeme Vermutung: Das Luftschiff kehrt nicht aus grüner Überzeugung zurück, sondern weil Kraftstoff teurer wird. Manche argumentieren, dass die weltweite Ölproduktion ihren Höhepunkt 2018 erreicht habe und man sich nun an das Verbleibende anpassen müsse. In dieser Lesart funktioniert die Reduzierung des CO2-Fußabdrucks praktisch als Nachfragekürzung bei Rohöl: Es geht nicht darum, den Planeten zu retten, sondern Knappheit zu verwalten, ohne es laut auszusprechen.

Andere ergänzen, dass Bergbau, Kunststoffe oder sogar Solarpaneele von Erdöl abhängen, sodass Mühle und Panel keine Energieunabhängigkeit darstellen, sondern einen weiteren Verbrauchspunkt. Saudi-Arabien hat sich den BRICS genähert und bohrt bereits horizontal, um seine Reserven auszuschöpfen, so das Argument. Die Geopolitik des Öls verschwindet nicht: Sie verändert ihre Form.

Warum wurden Zeppeline eingestellt?

Der häufigste Vorwurf lautet, dass hier Fortschritt verkauft wird, was vor fast einem Jahrhundert aufgegeben wurde. Starre Luftschiffe dominierten den Personenverkehr bis in die 1930er-Jahre; dann erlosch ihr Einsatz. Der Wechsel von Wasserstoff zu Helium machte sie weniger gefährlich, aber sie blieben unrentabel und existieren heute nur noch in der Werbebranche und bei einigen touristischen Flügen. Nicht, dass sie nicht genutzt werden könnten: Sie wurden genutzt, und die Rechnung ging nicht auf.

Die Befürworter des Projekts entgegnen, dass der Kontext ein anderer sei. Der Airlander zielt nicht darauf ab, das Flugzeug zu ersetzen, sondern die Lücke des langsamen Fährenverkehrs zu füllen, mit mehr Gepäck und weniger Zeitdruck; ähnlich wie die Rückkehr des Segels als Lösung für die Seefracht. Wenn es gelingt, viele Menschen auf einmal zu bewegen, ergibt es Sinn als Alternative zum Schiff, eher denn zum Flugzeug.

Wind, Stürme und Drohnen-Risiko

Die Sicherheit steht im Zentrum der Zweifel. Die Luftfahrzeuge operieren in niedriger Höhe, genau dort, wo Turbulenzen entstehen, und ihre große Oberfläche macht sie zu leichten Zielen: Einige erinnern daran, dass eine billige Drohne ein Zeppelin mit hundert Menschen an Bord abschießen könnte. Hoch zu fliegen wie ein Verkehrsflugzeug kollidiert jedoch mit Druck und Winden in den oberen Atmosphärenschichten.

Wer schon einmal eines geflogen hat, berichtet nüchtern: Luftschiffe müssen öfter am Boden bleiben, als es scheint. „Von den 365 Tagen im Jahr kann dieses Gerät unter optimalen Sicherheitsbedingungen höchstens 50 Tage fliegen“, fasst ein Experte zusammen. Erfahrungen mit Werbeluftschiffen, die wegen Böen Probleme beim Landen hatten, oder mit automatisierten 10-Meter-Geräten deuten in dieselbe Richtung.

100 Passagiere gegenüber 4 Millionen in Palma

Der Airlander 10 bietet Platz für 100 Passagiere und eine Reisegeschwindigkeit von 170 km/h. Der Flughafen Son San Juan empfängt jährlich über 4.000.000 Passagiere. Die Arithmetik ist gnadenlos: Egal wie viele Flüge geplant werden, eine Handvoll Luftschiffe bewegt nicht einmal einen Bruchteil dieses Traffics. Eine verbreitete Berechnung senkt die Obergrenze auf 100.000 jährliche Reisende, was immer noch optimistisch erscheint.

Um das Ausmaß des Sprungs zu verstehen, reicht es, sich daran zu erinnern, dass ein Jumbo vollgetankt über 300 Tonnen wiegt und vier Turbinen mit je 100.000 PS besitzt. Der Vergleich fällt zugunsten des Flugzeugs aus, auch wenn der Zeppelin das gar nicht beansprucht: Niemand verspricht, die kommerzielle Luftfahrt zu ersetzen, sondern nur einen anderen, kleinen und teuren Markt zu bedienen.

Helium: Der andere Flaschenhals

Moderne Luftschiffe nutzen Helium statt Wasserstoff, gerade um Brandgefahr zu vermeiden. Das Problem ist, dass Helium eine endliche Ressource ist und, wie angemerkt wird, knapper sein könnte als Erdöl. So ökologisch das Projekt auch sein mag: Es wird nicht genug Zeppeline für alle geben. Die Weltproduktion reicht nicht für eine große Flotte. Dies ist die Einschränkung, über die am wenigsten gesprochen wird und die das Geschäft am meisten ersticken könnte.

Unterdessen wird die Erfahrung bereits verkauft: 250 € für eine halbe Stunde Flug über Wald und See. Das ist heute der gesamte Markt für Luftschiffe. Der Rest bleibt ein Versprechen mit Datum 2026.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (220 Antworten).

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