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Abascal und illegale Befehle: Streit um Straftatbestand
Abascal fordert Polizisten auf, illegalen Befehlen nicht zu folgen. Kritiker sehen Hochverrat, andere das Nürnberger Prinzip.
Forderung nach Verhaftung Abascals wegen Aufrufs zum Ungehorsam
Ein Satz löst eine Debatte über das Strafgesetzbuch aus. Abascal forderte Beamte auf, keine illegalen Befehle zu befolgen, falls solche wieder vorkommen. Von dort bis zur Forderung nach sofortiger Verhaftung ist es ein weiter Weg, doch der Diskurs ist juristisch fundiert, nicht nur Lärm: Ist dies eine legitime Warnung an Steuerzahler oder ein Aufruf zum Aufstand gegen die staatliche Ordnung?
Was gefordert wird und wer die Partei in Sicherheitsfragen berät
Ausgangspunkt ist eine Anschuldigung mit Link zu La Sens: Der Aufruf an die Polizei zum Ungehorsam sei schwerwiegender als Puigdemonts Handeln und Abascal gehöre ins Gefängnis. Einige unterschreiben dies ohne Einschränkung und nennen es Hochverrat. Andere argumentieren steuerpolitisch: Wer die Policía Nacional finanziert, darf sie vor der Befolgung illegaler Anweisungen warnen, da sie sonst zum Vollzugsorgan einer rechtswidrigen Regierung wird.
Die Empfehlung kam nicht aus dem Nichts. Samuel Vázquez, Präsident des Vereins Una Policía para el Siglo XXI, berät die Partei in Fragen der öffentlichen Sicherheit. Auslöser war der erste Einsatz von Tränengas gegen Demonstranten. Dies sei ein seltenes Mittel, reserviert für Eskalationen, und der Befehl sei unbegründet gewesen. Die Rekonstruktion der Befehlskette, unter Vergleich der Ereignisse auf der Plaza Urquinaona während des katalanischen Unabhängigkeitsprozesses und eigenmächtigen Aktionen eines Unterinspektors bei Protestmärschen, bildet den Kern der Analyse.
Ist es strafbar, einem Polizisten zu raten, einen illegalen Befehl zu ignorieren?
Befürworter verneinen dies bei offensichtlich illegalen Befehlen. Es gehe nicht um Meuterei, sondern um ein Grundprinzip: Ein Vorgesetztenbefehl macht eine Straftat nicht legal; der Ausführer trägt die Verantwortung. Hier wird das Nürnberger Prinzip angeführt, ebenso wie juristische Fachkenntnisse.
Die Gegenposition folgt derselben Logik: Ein beschlossenes Gesetz ist Recht. Anstiftung der Ordnungskräfte zum Ungehorsam gegenüber Parlamentsbeschlüssen sei extrem schwerwiegend. Das Argument spiegelt sich wider: Wer die Amnestie wegen ihrer demokratischen Legitimation verteidigt, muss erklären, warum Abstimmungen in anderen Fällen nicht genügen. Das gedankliche Experiment – die Enteignung der Konten aller wahlberechtigten Katalanen (5 Millionen) durch Mehrheitsbeschluss zugunsten der übrigen Spanier (30 Millionen) – ist provokant, zeigt aber die Bruchstelle im Argument.
Der doppelte Maßstab, den niemand sehen will
Historische Parallelen dienen als Wurfgeschosse. Man erinnert an Wahlversprechen zur MwSt-Senkung, die später zurückgenommen wurden, und an eine Finanzamnestie für Vermögende, beschlossen – so heißt es – mit sieben Stimmen. Auch Pujols Aussage „Zwerg spricht Kastilisch“ im Wahlkampf und sein späteres Bekenntnis „Ich spreche Katalanisch im Privaten“ werden zitiert. Zugegeben sind diese Fälle nicht identisch, aber sie reimen stark.
Dazwischen stehen zwei sich gegenseitig verstärkende Positionen. Eine sieht die Opposition als Brandstifterin bis zur nächsten Regierungsübernahme, in einem schmutzigen Spiel. Die andere prognostiziert, dass selbst bei Erfolg die Taten als einfache Störung der öffentlichen Ordnung gewertet würden, ohne weitere Konsequenzen. Beide Seiten empfinden die Vorwürfe als abhängig vom Empfänger.
Illegale Befehle und öffentliche Ordnung: Wer definiert Illegalität?
Im Kern geht es um Geld und Macht. Die öffentliche Sicherheit wird aus Steuermitteln finanziert, ihre Befehlskette hängt von der jeweiligen Regierung ab. Die Grenze zwischen Warnung und Landesverrat hängt davon ab, wer den Befehl als illegal einstuft. Keine Seite bietet Kriterien, die nicht ihre eigene Position begünstigen; der Vorwurf der Heuchelei wechselt hin und her.
Da die Amnestie noch nicht abgeschlossen ist und keine öffentliche Klärung der strafrechtlichen Relevanz der Äußerung vorliegt, bleibt die Situation unverändert. Es geht nicht darum, ob Abascal ins Gefängnis muss, sondern darum, wer entscheidet und nach welchen Kriterien ein Befehl seine Legitimität verliert.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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