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Abascal und die Verfolgungsnarrative: VOXs Strategie
Abascal verurteilt den Angriff auf sein Familienunternehmen und kritisiert die Regierung wegen der Demütigung des Königs. Das Narrativ der Verfolgung als politische Strategie von VOX.
Abascal macht den Angriff auf seinen Laden zum politischen Werkzeug
Kann man eine politische Karriere auf dem Fundament der Opferrolle bauen? Santiago Abascal, Anführer von VOX, scheint diese Frage zu seiner Handlungsanweisung gemacht zu haben. In einer Reihe von Nachrichten aus den Jahren 2020 und 2021 prangerte der baskische Politiker den Angriff auf das Familienunternehmen an, unterschied zwischen „aufrichtigen“ Solidaritätsbekundungen und solchen aus „Showgründen“ – letztere schrieb er jenen zu, die laut ihm zur Dämonisierung seiner Familie beigetragen hätten – und griff die Regierung scharf an, weil sie den König zu einem „kommunistischen Hexensabbat“ geführt habe, statt ihn nach Barcelona zu lassen. Der Thread, der diese Äußerungen sammelt und über 3.900 Antworten umfasst, ist ein Gradmesser dafür geworden, wie sich die spanische Politik hin zu permanenter Konfrontation gewandelt hat.
Der Angriff auf das Familienunternehmen: vom Panzerglas von 1999 zum Verfolgungsnarrativ
Abascal ist kein Neuling in Sachen Straßenkonflikte. In einer der am häufigsten geteilten Nachrichten erinnerte der VOX-Chef daran, dass die Schaufenster seines Familienladens seit 1999 gepanzert sind. Damals, so seine Darstellung, hätten die Partner von Sánchez und Iglesias bereits versucht, das Geschäft im Februar anzuzünden, und es im August erneut versucht. Die Anekdote, die im Thread bis zur Erschöpfung wiederholt wird, dient dazu, eine Erzählung politischer Belästigung mit jahrzehntelanger Vorgeschichte zu konstruieren. Abascals Reaktion auf Unterstützungsbekundungen war chirurgisch präzise: Er dankte für aufrichtige Solidarität und verachtete jene aus „Showgründen“, wobei er einen versteckten Vorwurf gegen alle erhob, die aus seiner Sicht das Klima der Feindseligkeit gegenüber seiner Familie geschürt haben.
Der König, der Hexensabbat und der Kampf um das institutionelle Narrativ
Die Kritik an der Regierung, weil sie dem König einen Besuch in Barcelona verweigerte und ihn stattdessen zu einer Veranstaltung mit „Partnern der Narkotyrannen“ – eine Anspielung auf die parlamentarischen Verbündeten der Exekutive – führte, ist ein weiterer Schlüsselbaustein in Abascals Diskurs. Das Bild, das er als „widerlich“ bezeichnete, spiegelt seiner Meinung nach das Ziel einer Regierung wider, die „Spanien zertritt, indem sie den König demütigt“. Diese Art von Botschaften zeigt, wie VOX den politischen Kampf auf die symbolische Ebene verlagert hat: Krone, nationale Einheit und institutionelle Würde als Achsen der Konfrontation.
Euthanasie und die „Regierung des Todes“
Am 17. Dezember 2020 bezeichnete Abascal die Verabschiedung des Euthanasiegesetzes als einen der „schicksalhaftesten Tage der Demokratie“. In einer Nachricht im Thread beschuldigte der VOX-Führer die „Regierung des Todes“, die Wehrlosesten zu verurteilen und die Schwächsten zu verzweifeln. Das Gesetz, das vom Kongress (spanisches Parlament) verabschiedet wurde, war einer der Höhepunkte der politischen Spannung in dieser Zeit. Die Haltung von VOX, die gegen die Regulierung gerichtet ist, deckt sich mit der konservativer und religiöser Kreise, die in der Norm einen Angriff auf die menschliche Würde sehen.
León, die Agenda 2030 und die Vernachlässigung des leeren Spaniens
Im territorialen Bereich konzentrierte Abascal einen Teil seiner Rede auf Entvölkerung und Deindustrialisierung. Bei einer Veranstaltung in León prangerte er an, dass die Agenda 2030 die Provinz zur Deindustrialisierung und Entvölkerung verurteile, mit „Mitschüldigen in allen Machtparteien, von Mañuecos PP bis zu den Kommunisten“. Die Kritik an der Agenda 2030 – die VOX mit dem Ruin des ländlichen Raums verbindet – ist zu einem Mobilisierungsanker in ländlichen Gebieten geworden, wo die Partei signifikante Wahlerfolge erzielt hat.
„Pedro Sánchez als Person“ und Spott als politisches Werkzeug
Im Thread finden auch Spottattacken gegen den Regierungschef Platz. Ein Teilnehmer ironisierte, dass „Pedro Sánchez als Person“ täglich während der Quarantäne neben „Pedro Sánchez als Präsident“ joggt, um sich nicht zu langweilen. Ein anderer merkte an, dass der Präsident nicht genug Imageberater habe. Diese Beispiele politischen Humors, obwohl oberflächlich frivol, widerspiegeln die Wahrnehmung eines Teils der Wählerschaft, dass Sánchez eher als Medienfigur denn als Manager agiert.
Die Strategie von VOX: zwischen Opferschaft und Mobilisierung
Der Thread lässt eine doppelte Strategie erkennen: Einerseits präsentiert sich VOX als Opfer politischer und medialer Verfolgung; andererseits nutzt es genau diese Opferrolle als Treibstoff für die Mobilisierung seiner Basis. Die Unterscheidung zwischen aufrichtiger Solidarität und Show, die Anprangerung der „Regierung des Todes“ oder die Kritik am „kommunistischen Hexensabbat“ sind Teile desselben Narrativs: Spanien wird von seinen Regierenden zerstört und nur VOX kann es retten. Eine Erzählung, die, gemessen an der Aktivität im Thread, weiterhin sowohl leidenschaftliche Zustimmung als auch heftige Ablehnung erzeugt.
Letztendlich lautet die Frage nicht, ob Abascal übertreibt oder nicht. Die Frage ist, wie viel dieses Verfolgungsnarrativs real ist und wie viel Wahlkampfstrategie. Und die Antwort liegt, wie fast immer in der Politik, wahrscheinlich in der Tasche des Wählers.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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