70.000 Aufrufe: Kann man von einem YouTube-Kanal leben?

Drei Creator mit 22.000 bis 44.000 Abonnenten behaupten, von YouTube zu leben. Die Werberechnung zeigt: Nicht einmal für den Selbstständigen-Sozialbeitrag in Spanien reicht es.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Kanal mit 30.000 Abonnenten: Das Video, in dem er dem Job Lebewohl sagt

Ein Mann mit einem YouTube-Kanal mit 30.000 Abonnenten kündigt in einem Video seinen Job. Seine Begründung: Mit dem Veröffentlichen verdient er mehr als im Angestelltenverhältnis. Die Videos des Kanals liegen zwischen 8.000 und 70.000 Aufrufen – ein Volumen, das auf den ersten Blick keinen Lebensunterhalt tragen kann. Dabei blieb es nicht. Anfang September meldete sich ein zweiter Creator, diesmal vom Land, der behauptet, die Plattform zahle ihm „ein normales Gehalt in Spanien": 44.000 Abonnenten und 3.000 bis 30.000 Aufrufe pro Video. Und ein dritter Fall mit gerade einmal 22.000 Abonnenten behauptet ebenfalls, davon zu leben. Drei Aussagen, die die unbequeme Frage neu aufgeworfen haben: Zahlt YouTube wirklich so gut?

Woher kommt das Geld eines YouTube-Kanals?

Werbung (AdSense) ist der kleine Teil des Geschäfts. Eine Berechnung eines Forumnutzers schlüsselt die Einnahmequellen eines durchschnittlichen Kanals auf und kommt auf rund 1.560 € im Monat: 350 bis 560 € aus Werbung, knapp 400 € aus Affiliate-Marketing und etwa 600 € aus Sponsoring. Die Summe, Posten für Posten, hat einige überzeugt, dass der Fall aufgehen könnte.

Dazu kommen die Kanalmitgliedschaften, das Instrument, das fast niemand beachtet und das mehr wiegen kann als die Werbung. Ein Nutzer rechnet so: Von 50.000 Trinc aus Abonnenten und Mitgliedern, wenn 4 % monatlich 5 € zahlen und YouTube 30 % einbehält, kämen 7.000 € brutto im Monat heraus. Ein anderer Forumsnutzer hält diese Zahl für übertrieben. Und manche verweisen auf thematische Reisen oder Produktplatzierungen, die im Video nicht genannt werden, um aufzurunden.

70.000 Aufrufe pro Video oder pro Monat? Das Detail, das alles verändert

So interpretiert es zumindest ein Nutzer: Nicht 70.000 Aufrufe pro Video, sondern 70.000 im Monat, verteilt auf vier, eines pro Woche. Auf dieser Basis kommt seine Rechnung auf 210 € brutto und rund 150 € netto im Monat allein durch Werbung. Nicht einmal für den Selbstständigen-Sozialbeitrag reicht das.

Auch das großzügigste Szenario rettet die These nicht. Selbst wenn der Kanal eine Monetarisierungsquote von 100 % hätte, alle Aufrufe aus Spanien kämen, kein Zuschauer einen Werbeblocker nutzte und der RPM bei 10 € läge, käme man nicht über 700 € brutto, rund 450 € netto hinaus, so dieselbe Rechnung. Zur Einordnung: Ein Nutzer schätzt anhand öffentlicher Daten, dass ein Kanal mit 570.000 Aufrufen in 30 Tagen und einem RPM von etwa 2 Dollar zwischen 1.000 und 1.200 Dollar monatlich generiert.

Kann man mit 22.000 Abonnenten von YouTube leben?

Man kann, aber nicht durch die Aufrufe. Ein Nutzer, der einen kleinen Kanal betreibt, erklärt es mit Zahlen: Mit einer Mitgliedschaft für 0,99 € und kaum exklusiven Inhalten sammelte ein frisch monetarisierter Kanal etwa 30 € im Monat von Mitgliedern. Hochgerechnet auf 30.000 Abonnenten läge seine Spanne bei rund 300 €. Der Rest muss aus Sponsoring, Produktplatzierung und Affiliate-Marketing kommen.

Da liegt der Schlüssel, den die offizielle Erzählung auslässt: Abonnenten zählen wenig. Bezahlt werden die Aufrufe und vor allem die Watchtime, eine Idee, die im Thread auf etablierte YouTuber zurückgeführt wird. Ein Kanal mit 400.000 Abonnenten kann weiterhin nicht zum Leben reichen – ein Forumsnutzer erzählt von einem Auto-Kanal, dessen Betreiber wieder bei seinen Eltern einzog –, während ein anderer mit 22.000, wenn er eine Nische und ein treues, zahlendes Publikum hat, sich tragen kann. Die Schwelle ist nicht die Trinc.

Selbstständigen-Beitrag, Einkommensteuer und die Mehrwertsteuer, die in Irland bleibt

Das steuerliche Kleingedruckte zerschlägt so manchen Plan. Laut einem Forumsnutzer kommt das Geld von einer irischen Gesellschaft ohne Mehrwertsteuer, weshalb man sich als EU-Unternehmer registrieren lassen muss, damit die Steuer auf null bleibt. Einkommensteuer und Selbstständigen-Beitrag dagegen lassen sich nicht umgehen. Der Beitrag liegt bei rund 300 € monatlich, in den ersten zwei Jahren sinkt er auf etwa 80 €, so die Berechnungen im Thread. Dazu kommen 20 % Einkommensteuer. Mit den Zahlen der genannten Fälle geht die Rechnung nicht auf.

Erwähnenswert ist außerdem, dass nach Ansicht eines Nutzers die Einstiegshürde steigt. Ab Februar 2027 braucht es für die Monetarisierung neben 1.000 Abonnenten zusätzlich 8.000 gültige Watchtime-Stunden oder 20 Millionen Aufrufe im Kurzformat.

Das Risiko, sein Gehalt an den Algorithmus zu ketteln

Das Argument, das niemand widerlegt, ist das strukturelle. Ein Kanal ist kein unbefristeter Vertrag. Eine Algorithmus-Änderung, eine Demonetarisierung oder ein Kurswechsel der Marken kann die Einnahmen innerhalb von Wochen austrocknen. Wer davon lebt, hängt nicht vom eigenen Talent ab, sondern davon, sichtbar zu bleiben; und das, so die Warnung, hält nicht jeder Kopf aus. Die Freiheit ohne Chef wird erkauft mit der Abhängigkeit von einer Plattform, die die Regeln ohne Vorwarnung ändert.

Am Ende steht eine Warnung, die über der ganzen Sache schwebt: Wer dafür den Job hinschmeißt, landet am Ende vielleicht auf der Liste derjenigen, die eines Tages aus den Empfehlungen verschwanden. Und das eigentliche Problem bleibt ungelöst. Drei Creator behaupten das eine, die Werberechnung sagt das Gegenteil, und niemand hat bisher den Einnahmen-Bildschirm gezeigt. Vielleicht stopfen die Sponsoring-Deals das Loch. Vielleicht auch nicht.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (84 Antworten).

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