4,50-Euro-Weihnachtskorb: Demütigung für spanische Arbeitnehmer
Ein Arbeitnehmer in Spanien, der nur 240 Euro monatlich verdient und keine Überstunden bezahlt bekommt, erhielt von seinem Arbeitgeber einen Weihnachtskorb mit zwei Flaschen Wein. Der Inhalt kostete weniger als das Benzin, das nötig war, um den Korb an einem 30 Kilometer entfernten Ort abzuholen. Empörung folgte prompt.
Der Korb wurde in einer viel zu großen Schachtel geliefert und enthielt zwei Flaschen Rioja Crianza „Blasón de Esquide“ vom Weingut Castillo de Fuenmayor. Schnell wurde der Preis recherchiert: In Großbritannien wurden sie für 6,95 Pfund verkauft, aber in Spanien lag der Großhandelspreis bei nur 4,50 Euro plus Mehrwertsteuer, wie ein Blick in den Lieferantenkatalog bestätigte. Die dekorative Pappschachtel war wahrscheinlich mehr wert als ihr Inhalt.
Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Während einige das Sprichwort „Dem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul“ zitierten, empfand die Mehrheit die Gabe als Beleidigung. Vorschläge reichten von der Rückgabe des Korbs mit einem Brief über unbezahlte Überstunden bis hin zur Spende an Cáritas (die karitative Organisation der katholischen Kirche). Andere erinnerten daran, dass solche Körbe in Krisenzeiten oft dazu dienen, Lohnkürzungen zu verschleiern.
Das makroökonomische Umfeld hilft nicht: Der Mitarbeiter verdient 240 Euro im Monat in einem Land mit fünf Millionen Arbeitslosen. Das Unternehmen, das nicht einmal Feiertagsarbeit vergütet, schien eine minimale Geste ohne echte Kosten machen zu wollen. Doch diese wird kontraproduktiv: Die Benzinkosten übersteigen den Wert der Flaschen, und die Botschaft lautet, dass der Angestellte nicht einmal ein anständiges Geschenk verdient.
Einige Kommentatoren wiesen darauf hin, dass diese Haltung der Anfang vom Ende sei: Erst wird der Korb gekürzt, dann das Gehalt, und schließlich geht das Unternehmen bankrott, sodass alle leer ausgehen. Die Geschichte des Korbs wird so zur Metapher für prekäre Arbeitsbedingungen: Was als Geschenk präsentiert wird, ist in Wirklichkeit ein Test dafür, wie viel der Arbeitnehmer ertragen wird.
Die offene Frage bleibt, ob ein so perversos Korb besser ist als gar nichts. Die Debatte zeigt eine Kluft zwischen denen, die jede Geste positiv sehen, und denen, die sie als Demütigung empfinden. Die Realität ist: Bei 240 Euro monatlichem Lohn ist jede Geste, deren Anfahrtskosten ihren Wert übersteigen, wahrscheinlich kein Geschenk, sondern eine Beleidigung.
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