3.000 Bands auf einer Liste: Gehör oder Copy-and-paste

Eine Liste mit 3.000 Namen von Progressive-Rock- und Avant-Rock-Bands entfacht die Debatte zwischen geschultem Gehör und dem Abschreiben aus Katalogen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

3.000 Bands auf einer Liste: Gehör oder Copy-and-paste
Eine Liste mit 3.000 Bands, die die Debatte zwischen Zuhören und Abschreiben neu entfacht

Jemand hat in diesen Tagen eine Liste mit 3.000 Namen von Bands aus Pogre Rock, RIO, Zeuhl, europäischem Free Jazz und Avant-Metal veröffentlicht und wurde gebeten, das dritte Projekt von Blast zu nennen, der niederländischen Avant-Prog-Gruppe. Es kommt nichts. Dieses Schweigen ist mehr wert als jede Zahl und hält die Debatte um eine Zusammenstellung am Leben, die sich als nahezu erschöpfende Karte eines halben Jahrhunderts extremer Musik präsentiert.

Die begleitende Frage hilft auch nicht weiter: Welche Gruppen fehlen, um daraus eine objektive Liste zu machen? So gestellt lautet die Antwort: keine, denn Geschmack lässt sich nicht messen.

Was eine Liste mit 3.000 Namen wirklich misst

Der Verfasser räumt selbst ein, sie „könnte als eine der gewaltigsten persönlichen Listen musikalischen Wissens konkurrieren, die man von einer einzigen Person finden kann“. Hier liegt der Riss: Die Menge ist nicht das Problem, die Dichte schon. Vom Rock-Kanon zu Canterbury, Zeuhl, RIO und italienischem Prog zu springen, schafft jeder. Europäische freie Improvisation, AACM, zeitgenössischen Jazz, ECM und Fusion auf einmal zu vereinen, verlangt etwas anderes.

Der unbequemste Vorwurf zielt auf die Methode. Eine solche Liste, so die Erwiderung, lasse sich an einem Nachmittag zusammenklicken, indem man Namen aus einer kollaborativen Datenbank kopiert. Die Anschuldigung ist direkt: Dahinter stecke weniger ein geschultes Gehör als Ausdauer an der Tastatur.

Blast und Brown vs Brown: der Lackmustest

Das Feld, auf dem die Glaubwürdigkeit entschieden wird, ist der niederländische Avant-Prog, eine Nische, die kaum jemand frequentiert. Eine Blast-Platte von einer von Brown vs Brown zu unterscheiden, ohne das Cover anzusehen, oder – der Erwiderung zufolge – 40 Alben von Henry Cow und 20 von zweitklassigem französischem Zeuhl anzuhäufen, trennt die Zuhörer von den Sammlern. Es ist nicht Gong oder Van der Graaf Generator, zwei Eingangstore, die jeder mit ein paar Platten des Genres kennt.

Die Beschreibung von Brown vs Brown – Saxofon mit Tim-Berne-Anklang, eine Gitarrenriff nach den ersten Takten, verdrehte Bläser, punktierte Drumarbeit – erhält eine Richtigstellung: Das ist die Schablone eines Großteils des Katalogs des Labels Cuneiform. Die Struktur eines Stücks zu beschreiben beweist, dass man weiß, wie ein Genre klingt – nicht, dass man es gehört hat. Der Austausch verlagert sich daraufhin zur Erinnerung: Hundertmal Zuhören lässt den Namen griffbereit bleiben; eine Liste vergisst man.

Warum gibt es keine objektive Liste der besten Musik?

Weil sich „beste“ und „objektiv“ gegenseitig ausschließen. Jedes solche Ranking spiegelt einen persönlichen Werdegang wider, keine Messung. Die Liste dient als Erkundungskarte – nützlich, um sich zwischen Szenen zu orientieren, die kein Publikum teilen –, nicht als Urteil. Sie als endgültigen Kanon zu präsentieren macht sie angreifbar, nicht ihre Länge.

Bleibt ein unbequemes Eingeständnis: Niemand bemüht sich, die Amsterdamer Szene zu lernen, wenn es ihn nicht wirklich interessiert. Sie zu kennen und keinen konkreten Namen nennen zu können, ist schon wieder eine andere Sache.

Von den 3.000 Namen, mit denen die Liste beginnt, hat der Austausch den Namen des dritten erbetenen Projekts nicht hervorgebracht.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (30 Antworten).

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