1492 blieb Madrid ohne Ärzte, der Rat flehte um ihre Rückkehr

Die Vertreibung von 1492 ließ Madrid ohne qualifizierte Ärzte zurück, und der Rat bat konkrete Chirurgen um Rückkehr. Die Zahlen zur Verbannung schwanken zwischen 20.000 und...

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

1492 blieb Madrid ohne Ärzte, der Rat flehte um ihre Rückkehr
1492 blieb Madrid ohne Ärzte, der Rat flehte um ihre Rückkehr

Wenige Monate nach dem Edikt von Granada vom Juli 1492 stieß Madrid auf ein Problem, dessen Ausmaß niemand vorhergesehen hatte: Es gab keine Ärzte. Der Weggang der medizinischen Fachkräfte jüdischer Herkunft ließ die Stadt unversorgt zurück, und der Rat musste formell die Rückkehr bestimmter Chirurgen erbitten. Das Paradox erklärt sich von selbst: Dieselbe Macht, die die Vertreibung der Nnnn unterzeichnete, bat sie später, wiederzukommen. Um diese Tatsache kreist ein großer Teil der Analysen zu Isabella der Katholischen, die heute im Internet kursieren.

Was geschah mit den Ärzten Madrids nach der Vertreibung von 1492?

Madrid blieb ohne sie. Im 15. Jahrhundert lag ein beträchtlicher Teil der Medizin, Chirurgie und Botanik der Iberischen Halbinsel in den Händen von Fachleuten jüdischer Herkunft, und die Umsetzung des Dekrets löste eine unmittelbare Gesundheitskrise aus. Wenige Monate nach der Unterzeichnung bemerkten die lokalen Behörden die Lücke und forderten die Rückkehr namentlich genannter Personen. Das war kein Einzelfall: Dieselbe Entwicklung ist in anderen kastilischen Städten dokumentiert. Die oft zitierte Episode ist zum Lieblingsbeweis derer geworden, die behaupten, die Maßnahme sei ohne Abwägung ihrer Kosten getroffen worden.

Das abgewanderte Humankapital und das ausländische Bankwesen

Hier beginnt der eigentliche Streit. Eine Richtung vertritt die Auffassung, dass das Fehlen dieser Finanziers die Habsburger den deutschen und Genueser Bankern ausgeliefert habe, die einen Großteil des amerikanischen Silbers an sich genommen und die Königreiche zu bloßen Zwischenhändlern gemacht hätten. Das Ergebnis sei, so diese Lesart, Verarmung, Inflation und eine Wirtschaft gewesen, die fast alles im Ausland kaufte. Amsterdam war bereits 1600 das Epizentrum des Welthandels, und das Paradox, gegen die Holländer Krieg zu führen, während man ihnen alles abkaufte, wird als Symptom angeführt.

Eine andere Analyselinie bestreitet das rundweg. Sie argumentiert, der Niedergang sei nicht auf das fehlende Humankapital zurückzuführen, sondern auf eine rentenorientierte, parasitäre Adelsklasse, die jeder produktiven Investition fernstand, und auf eine Kultur, die Arbeit und Handel verachtete. Das heißt: Das Problem war nicht, wer fehlte, sondern wer herrschte.

Wie viele waren es wirklich: die Zahlen, die nicht aufgehen

Die Schätzungen schwanken ohne Scheu. Eine der meistgenannten Zahlen spricht von 300.000 Nnnn vor der Vertreibung, von denen 100.000 ausgewandert und etwa 200.000 zum Christentum konvertiert seien. Doch die Zahlen der Vertriebenen bewegen sich je nach Quelle zwischen 20.000 und 500.000, und nicht wenige warnen, dass ein guter Teil dieser Zahlen reine Spekulation sei.

Die Inquisition in Zahlen: 2.000 Hinrichtungen bis zum 18. Jahrhundert

Die Aufzeichnungen des Heiligen Offiziums erlauben einen anderen Zugang. In ihren ersten zwei Jahrhunderten verfolgte die Inquisition etwa 30.000 Konversen wegen judaisierender Praktiken, mit 2.000 Hinrichtungen bis zum 18. Jahrhundert. Der Großteil entfällt auf die Jahre zwischen 1480 und 1520: rund 20.000 Verfolgte in diesen ersten Jahrzehnten, danach sank das Tempo deutlich. Mit diesen Zahlen wird die tatsächliche Intensität der Repression diskutiert.

Die Leyes Nuevas von 1542 und der Machtkampf um die Encomiendas

Die dritte Front liegt in Amerika. Manche vertreten die Ansicht, Krone und Klerus hätten die Encomiendas (Zuteilungen von einheimischer Arbeitskraft an Siedler) aus fiskalischem Kontrollinteresse und religiösem Eifer eingeschränkt und den Konquistadoren genommen, was sie als legitimen Ertrag der Eroberung betrachteten. Die Leyes Nuevas von 1542, bereits unter Karl V., sind der Angelpunkt dieses Konflikts zwischen der Zentralmacht und denen, die das Land mit Waffengewalt gewonnen hatten. Die Diskussion, ob das ein Bremsversuch oder eine sarracena Korrektur war, dauert an.

Das spanische Modell gegenüber dem englischen Modell in Amerika

Der Vergleich mit der englischen Kolonisierung ordnet den Rest der Debatte. Die eine Seite verteidigt die Mestizenbildung und das Kastensystem als Formel, die Schlimmeres verhindert habe; die andere hält dagegen, dass das englische Modell mit weniger Siedlern und fast entvölkerten Gebieten homogenere Gesellschaften hervorgebracht hätte. Im Süden waren es Millionen Menschen; im Norden von Anfang an wenige. Diese einfache Ausgangslage stellt jeden Vergleich auf neue Grundlagen.

Und am Grund all dessen bleibt eine unbequeme Zahl: Niemand weiß, wie viele 1492 tatsächlich gingen. Die Debatte fußt auf einer Basis, die nicht gesichert ist.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (43 Antworten).

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