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100 € Entschädigung für Nachbarlärm: Würde das funktionieren?
Ein Vorschlag, dem Anzeigenden 100 € pro Lärmmessung zu zahlen, sorgt für Kontroversen. Geldstrafen von bis zu 3.000 € werden nicht verhängt. Wäre das wirksam?
Nachbarlärm: Der Vorschlag, dem Anzeigenden 100 € zu zahlen, spaltet Spanien
Um drei Uhr nachts ruft ein Nachbar die Polizei, weil oben gefeiert wird. Die Beamten gehen hinauf, messen die Dezibel und überschreitet der Lärm den Grenzwert, soll der Ruhestörer 100 € direkt an den Anzeigenden zahlen. Das ist der Vorschlag, den eine Privatperson im Internet gemacht hat und der eine heftige Kontroverse ausgelöst hat. Die Idee ist einfach: Lärmgrenzen rund um die Uhr, ohne Ausnahmen, und eine automatische Entschädigung jedes Mal, wenn die Polizei den Verstoß bestätigt. Das Ziel sei laut dem Autor, dass Lärmprobleme innerhalb von 72 Stunden verschwinden, denn „man muss den Leuten dort treffen, wo es wehtut: beim Geld“.
Das heutige System: Bußgelder, die nie verhängt werden
Die kommunalen Satzungen sehen in vielen spanischen Rathäusern bereits Lärmstrafen zwischen 750 € und 3.000 € vor. Die Realität ist jedoch, dass sie selten verhängt werden. Meistens beschränkt sich die Streife darauf, den Verursacher zu ermahnen, und es wird kein Protokoll aufgenommen. Außerdem muss der Lärm für eine Messung mit dem Schallpegelmesser wiederholt und konstant sein, was in der Regel eine Spezialeinheit erfordert. In kleinen Gemeinden gibt es nicht einmal einen Nachtdienst der Kommunalpolizei (Policía Municipal), und die Aufgabe wird an die Guardia Civil delegiert, die oft weder Mittel noch Zeit hat, um Verfahren zu bearbeiten, die in einer Schublade landen.
Würde die 100-Euro-Entschädigung funktionieren?
Der Vorschlag hat Befürworter und Gegner. Einerseits wird argumentiert, dass eine direkte Entschädigung für die Betroffenen ein echter Anreiz zur Anzeige wäre und dass Ruhestörer es sich zweimal überlegen würden, bevor sie stören. Andererseits wird eingewendet, dass 100 € im Vergleich zu den bestehenden Strafen ein niedriger Betrag sei und dass das Problem nicht die Höhe, sondern die fehlende Durchsetzung sei. Manche weisen auch auf einen perversen Effekt hin: die Möglichkeit falscher Anzeigen oder eines missbräuchlichen Gebrauchs der Regel, etwa wenn der Nachbar einen beim Stuhlschieben filmt. Bürgerüberwachung kann zum zweischneidigen Schwert werden.
Ein kulturelles und finanzielles Problem
Über die konkrete Maßnahme hinaus spiegelt die Kontroverse eine tiefe Beschwerde wider: In Spanien ist Lärm gesellschaftlich akzeptiert. Er wird mit Geselligkeit und aktivem Leben assoziiert, und wer sich beschwert, gilt als Spielverderber. Hinzu kommt, dass der Mangel an Ressourcen in vielen Gemeinden die bestehenden Vorschriften zu Papier macht. Währenddessen ertragen die Betroffenen weiter fernseherische Spätstunden, Streitereien auf Balkonen, laute Motorräder und Geburtstagsfeiern, die bis in die frühen Morgenstunden dauern. Die Frage ist, ob eine finanzielle Entschädigung die Lärmkultur ändern würde oder ob sie nur ein weiterer Flickenteppich wäre.
Die verblüffende Zahl: Der Autor des Vorschlags behauptet, mit dieser Maßnahme würden Lärmprobleme in weniger als 72 Stunden verschwinden. Eine optimistische Behauptung, die an der Realität eines Landes scheitert, in dem – wie gesehen – nicht einmal die bereits bestehenden Strafen verhängt werden. Währenddessen warten die Nachbarn weiter darauf, dass ihnen jemand ihr Recht auf Ruhe zurückgibt.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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