Pepes Dilemma: zwischen Rollstuhl und Gefängnis
Am 8. April tötete Jordi Sabaté, ein 66-jähriger Mann mit Mobilitätsproblemen, der auf Sauerstoff angewiesen ist, einen Räuber, der ihn in Barcelona ausrauben wollte. Nach Zeugenaussagen hielt der Angreifer ihm ein Messer an den Hals; Sabaté wehrte sich mit einem Taschenmesser und verletzte ihn tödlich. Seine Familie fordert seine Freilassung mit dem Argument, es sei Notwehr gewesen. Der Fall hat die Debatte über die Grenzen der Selbstverteidigung in Spanien neu entfacht, insbesondere für die Schwächsten.
Verhältnismäßigkeit oder Überleben?
Das spanische Gesetz verlangt, dass die Verteidigung im Verhältnis zum Angriff steht. Wenn das Opfer jedoch im Rollstuhl sitzt und der Angreifer ein junger, bewaffneter Mann ist, ist die Waage ungleich. In der Analyse der Ereignisse, so die Darstellung von Nacho Abad, hielt der Räuber Sabaté das Messer an den Hals, was den Einsatz tödlicher Gewalt rechtfertigen würde. Die meisten Stimmen vertreten die Auffassung, dass in solchen Umständen derselbe Maßstab wie bei einer Person ohne Behinderung nicht angelegt werden kann.
Risse im Justizsystem
Der Fall ist kein Einzelfall. In derselben Woche wurde ein 13-jähriger Junge in Villanueva de la Cañada erstochen. Das Gefühl der Straflosigkeit bei wiederholter Kriminalität nährt den Unmut der Bürger. In der Diskussion wird angemerkt, dass Richter, die Mehrfachtätern freies Geleit gewähren, selbst belangt werden sollten. Die Familie von Sabaté betont, es bestehe keine Fluchtgefahr, doch die Justiz hält den alten Mann in Untersuchungshaft.
Während die Familie auf eine gerichtliche Entscheidung wartet, schwebt die Frage im Raum, ob der Staat bereit ist, diejenigen zu schützen, die nicht fliehen können. Oder ob er, wie manche Analysen ironisch anmerken, lieber den bestraft, der sich wehrt, als den, der Verbrechen begeht.
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